18 Kilo auf dem Buckel, die Füße schwer von den Wanderbotten und die letzten Stunden hat nun auch noch der Knöchel gerieben, Schritt für Schritt. Die Stimmung ist unten. Untener kann sie gar nicht sein. Und noch steht auch das Lager nicht.

Aber irgendwann sitzen sie dann doch alle am Feuer, ein paar leise Worte, es wird still. Die Zweige knacken. Nach dem Essen ist der Hunger weg, die Schmerzen lassen nach. Die Sinne schärfen sich.

Tanzende Schattenriesen. Mehr spürt man ihr Flattern, als dass man sie hört, die Fledermäuse, und ganz dahinten, wo gar kein Licht mehr hinkommt, quaken Frösche. Mit der Dunkelheit sinkt die Ruhe in die Glieder, in die Seele. Die Nacht riecht so rein wie der Sternenteppich über ihnen und die Dunkelheit lässt sie zurückfinden. Quelle der Kraft. So kommen sie mit ihrer Seele an, hier im Steigerwald - bei sich selbst.

Trekking in der Pfalz

So vieles andere rückt weit weg auf so einer Wanderschaft. Es ist nicht die erste Übernachtung auf einem Trekkingplatz für die sechs jungen Leute aus Göttingen und Hannover. Hier am Steinknuck bei Fabrikschleichach schlafen sie auf einem Platz mitten im Wald mit allereinfachster Ausstattung. Ein Klohäuschen steht etwas abseits, der Weg zur Quelle ist beschrieben, auf der kleinen Wiesenfläche befindet sich auch eine ummauerte Feuerstelle, die Feuerklatsche zum Löschen steht an nahen Holzhäuschen. Doch das steht nur für Waldarbeiter da.

Jonas Thormann, Jan Linkersdörfer, Sarah Bollmus, Felix von Nostitz-Wallwitz, Britta Hofmann und Felix Braun, alle mitten in den lauten 20ern, hatten eigentlich Schweden oder Norwegen im Sinn gehabt, denn "da kann man überall campen", meint Nachwuchsjournalist Jan. Aber: "Da hätten wir in Quarantäne gemusst."

Also hat der harte Kern die Alternative gefunden. Fünf Trekkingtage in der Pfalz liegen hinter ihnen, vor Kurzem sind sie in Ebrach gestartet zur "Großen Nordtour", 74 Kilometer durch den Steigerwald. Auch hier Trekkingtage ohne viel Komfort, Tage, in denen sie ihr Ich mit den anderen teilen. Seit ein paar Jahren reisen vier von ihnen auf diese Weise durch Europas Norden, heuer haben sich zwei dazugefunden.

Die Chemie stimmt. "Das Coole an einer so großen Gruppe ist", beschreibt Felix von Nostitz-Wallwitz: "Es können auch mal Zwei schlechte Laune haben, dann bleiben immer noch zwei andere als Energiespender." Abstiege, steile Anstiege, das erschöpft. Einer muss am Ende jeden Tages die 20-Liter-Wasser-Kraxe füllen, indem er zum nächsten Dorf marschiert. "Wasser gibt's meistens am Friedhof", sagt Felix Braun.

Die anderen bauen Zelt auf, machen Essen. "Wenn man erst mal was gegessen hat, steigt die Laune wieder", sagt Britta. Diesmal gab es sogar zweimal 'was zu feiern: Zu Felix' (Braun) und Brittas Geburtstag wuchsen Plastiksektflöten und Sekt aus dem Gepäck. Proteinriegel bildeten den Geburtstagskuchen.

Das Erlebnis Steigerwald entwickelt sich laut Ulla Schmidt zu einem Publikumsliebling. Sie ist zuständig für die Trekkingplätze in der "ILE-Allianzregion LebensregionPlus" und stolz: "Mancher Pensionswirt wäre froh, wenn er solche Zahlen hätte," sagt sie. 2600 Übernachtungen von April bis Juni zählten die Verantwortlichen in der Rauhenebrach: "gigantisch."

Es war von Anfang an gefragt und es wird heute "wirklich extrem gut nachgefragt", berichtet Schmidt. "Die Leute sind begeistert, wenn sie abends Fledermäuse beobachten oder Frösche hören können." Das Beste: "Die Besucher hinterlassen keinen Müll."

Die Plätze sind jetzt in den Ferien an den Wochenenden ausgebucht. Wer übernachten will, muss per App buchen und einen Obolus von 4,80 Euro pro Kopf und Nacht entrichten. Aktuell gibt es unter der Woche Plätze für Kurzentschlossene. Die Niedersachsen ziehen am Abend beim Bierchen in der "Alten Glashütte" in Fabrikschleichach Resümee: ein guter Trekkingplatz, das Konzert der Grillen beeindruckend. "Naturtechnisch" hat Felix Braun selten so viele Tiere beobachtet, wie bei dieser Wanderung. Mäuse, Rehe, Hasen, Bussarde, Spechte sogar eine große Kornnatter war dabei.

Einige Verbesserungsvorschläge gäbe es da schon

Allerdings, ein bisschen müssen sie nun doch einschränken im Vergleich zu Schweden: "Die Landschaft war langweilig." Und die Pfalz hat definitiv mehr Eindruck hinterlassen: saubere Kompost-Klos, die Plätze liebevoll gerichtet vom "Kümmerer", den jede Gemeinde für den jeweiligen Platz benannt hat. Einmal, erinnert sich einer der Burschen, fanden sie sogar eine Kühlbox vor, in der sie sich bei Bezahlung auf Vertrauensebene Bier oder Cola herausangeln konnten.

Ja und noch etwas: Die Wege im Steigerwald kamen ihnen fast wie "echte" Straßen vor, zu wenige Naturpfade. Was auch nicht so gefiel: Die Trekkingplätze zu nah an belebten Wegen. In der Pfalz lagen sie tiefer im Wald verborgen und die Besucher werden sogar gebeten, ihnen ihr Geheimnis zu lassen und kein Bild in den sozialen Medien zu posten.