Die 80er waren das Jahrzehnt, das zu einer ersten großen Umweltbewegung führte. Heute sind es die Teilnehmer der "Fridays for Future"-Demonstrationen, die für Umwelt- und Klimaschutz auf die Straße gehen, wie am vergangenen Freitag in Haßfurt. Eines der Sorgenkinder damals wie heute: der Wald. Nur noch fünf bis zehn Jahre gaben ihm Experten Anfang der 80er Jahre. Das "Waldsterben" war in aller Munde.

Heute geistert vielfach der Begriff "Waldsterben 2.0" durch die Medien. Wie Hans Stark, Leiter des Forstamts der Universität Würzburg in Sailershausen, erklärt, "schauen die Bäume aktuell deutlich schlechter aus als in den 80ern". Der Wald leidet. Nicht die hohen Temperaturen allein, sondern vor allem die große Trockenheit in der Region setzt den Bäumen zu. "Die fehlenden Niederschläge sind das Problem", sagt Stark. "Wir bräuchten einfach Regen."

Bäume verringern ihre Blattmasse

Der Fachmann erklärt, dass die Bäume bei Hitze oder Dürre bestimmte Gegenstrategien haben. Zum Beispiel werfen sie ihre Blätter frühzeitig ab, sodass sich die Blattmasse reduziert. "Auf diese Weise können die Bäume eine Durststrecke eigentlich überbrücken", berichtet er. Nicht aber, wenn sich die Trockenheit über einen längeren Zeitraum, wie aktuell 2018 und 2019, fortsetzt. "Wir sind leider eine der Regionen in Deutschland mit extrem wenig Niederschlag."

Hohe Schwefelbelastung

In den 80er Jahren hatte das viel zitierte Waldsterben andere Gründe. "Es war hauptsächlich ein Schwefelproblem", erinnert sich Stark, der von 1982 bis '87 in München Forstwissenschaft studierte und das Jahrzehnt als junger Erwachsener miterlebte. Über den Wäldern ging damals "saurer Regen" nieder, der von Kraftwerken stammte, die nicht entschwefelt waren. Auf den Höhenrücken der Mittelgebirgsregionen machte sich das Waldsterben optisch am deutlichsten bemerkbar. Dort starben großflächig die Fichtenbestände ab.

"Die Weißtanne hat in ganz Bayern richtig gelitten", berichtet der Forstmann weiter. 1985 machte Stark ein Praktikum beim staatlichen Forstamt in Ebrach. "Wir haben damals Kalk im Wurzelbereich der Bäume verteilt", erinnert er sich. Mit den Kalkdüngungen, für die es auch Zuschüsse vom Staat gab, sollten die Böden dort, wo sie nicht ohnehin schon kalkhaltig waren, aufgewertet werden. In den Kraftwerken indes wurden Entschwefelungsanlagen verbaut. "Die Maßnahmen haben gegriffen und der Wald hat sich relativ zügig wieder erholt", berichtet Stark. "Es ist nicht so gravierend und schlimm verlaufen wie ursprünglich befürchtet."

Kronenzustand der Bäume wird erfasst

Ein Relikt aus den 80ern sind die Waldzustands-, anfangs Waldschadensberichte, die heute noch in regelmäßigen Abständen vom zuständigen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft veröffentlicht werden. 1984, auf dem Höhepunkt des "Waldsterbens", waren deutschlandweit 23 Prozent aller Bäume deutlich geschädigt, 44 Prozent wiesen hingegen keine Verlichtung an den Kronen auf.

Im aktuellen Bericht aus dem Jahr 2018 heißt es: "Der Kronenzustand hat sich gegenüber dem Vorjahr bei allen Baumarten verschlechtert." Im Durchschnitt weisen aktuell 29 Prozent der Bäume eine deutliche Kronenverlichtung auf, 43 Prozent haben eine schwache Kronenverlichtung - für sie gilt die Warnstufe.

Ohne Verlichtung an den Kronen sind im Schnitt 28 Prozent der Bäume. Somit weist nur knapp ein Drittel keine Schäden auf. Eine Sprecherin des Ministeriums erklärt, dass nicht nur der Zustand des Waldes, sondern vor allem auch die Frage, wie es weitergeht, aktuell im Blickpunkt stünde.

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