Fahrradfahren wird immer beliebter. Doch während die meisten lediglich munter durchs Ländle radeln, gibt es auch eine Spezies begeisterter Radler, die ihr Mountainbike ins Auto laden und ins Gebirge fahren, um dann damit die Alpen zu überqueren.

Zu diesen begeisterten Mountainbikern gehören seit einigen Jahren die Oberthereser Detlef Stingl, Matthias Baierl, Stephan Singer und Alexander Mahr. Die Freunde meisterten mit ihren Bikes in sieben Tagen die klassische "Heckmair-Tour", den Alpencross über die Allgäuer Alpen, das Lechquellgebirge, die Rätischen- und Engadiner Alpen und über das Adamellogebirge bis nach Riva am Gardasee.

Die "Heckmair-Tour" ist kein Zuckerschlecken

"Wer sich vor einigen Trage- und Schiebepassagen nicht scheut, sich im hochalpinen Gelände zu bewegen weiß und sein Bike auf den technischen Trails unter Kontrolle hat, für den ist diese
legendäre Tour geeignet. Der wird auch die Highlights der Tour, wie den Scalettapass oder das wunderschöne Alpenpanorama am Pass Chauschauna, voll genießen können", davon ist der Planer der Truppe, Detlef Stingl überzeugt, wie er sagt.

Seit 2003 ist dies die vierte größere Alpentour, die die Oberthereser gemeinsam unternahmen. Sie sind sich einig: Es war ein einzigartiges Erlebnis. Damit meinen die Freunde nicht nur die tollen österreichischen, schweizerischen und italienischen Landstriche, die sie auf ihrer Tour gesehen haben, vielmehr sprechen sie auch von den Menschen und ihrer Hilfsbereitschaft.

Von Bayern nach Italien

Begonnen haben die vier Freunde ihren Alpencross in Oberstaufen, Endziel war der Gardasee in Italien. Insgesamt waren das 423 Kilometer - 11 667 Höhenmeter und 39 Stunden reine Fahrtzeit auf dem Sattel. "Ja, die Beine und der Popo sind danach nicht mehr unbedingt deine besten Freunde", sagt Stingl und lacht.

Glück hatten die Thereser mit dem Wetter. Zwar war der erste Tourtag komplett verregnet, was der guten Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. "Glücklicherweise gab es auf unserer ersten Hütte einen Trockenraum", erzählt Singl weiter. So war die trockene Kleidung für den zweiten Tag gesichert. Überraschung am dritten Tourtag: Auf dem Scalettapass lag noch Schnee. Die Franken schoben ihre Bikes teilweise im wadentiefen Schnee nach oben. "Das war nicht nur anstrengend, sondern auch nervig." Zum Glück hatte Alexander Mahr ein GPS-Gerät dabei. Denn von den Wegmarkierungen war wegen des Schnees nichts zu sehen. Ansonsten sind die Freunde mit ihrem Kartenmaterial gut klar gekommen. "Man sollte sich auf jeden Fall vor Tourbeginn ausführlich im Internet informieren und die Karten studieren", rät Stingl.

Volle Konzentration wird verlangt

Die meiste Zeit fuhren die Biker auf guten Wegen. Aber es gab auch einige recht abenteuerliche Streckenabschnitte und Trails, die die volle Konzentration der Fahrer erforderte. Die Mountainbiker mussten öfter mal ihren inneren Schweinehund überwinden: "Wenn's zu haarig oder zu steil wurde, haben wir eben einfach geschoben." Sie wissen, dass sie alle keine Profis sind - und Spaß soll das Ganze ja machen. Mit acht Kilogramm Gepäck, das man dann im Rucksack "mitgetragen" muss, wird's manchmal schon schwierig.

Die gute Vorbereitung ist laut Detlef Stingl im Übrigen das A und O. Die Thereser haben sich bei Touren durch Haßberge und Steigerwald fit gemacht. "Jeder hat aber auch für sich trainiert." Aber auch das Material muss mitspielen, und da hatten die Oberthereser bei dieser Tour richtig Glück. "Es ist nichts passiert, und es gab keine Defekte, lediglich nach dem Regen hat das Material, oder waren es unsere Knochen, etwas gequietscht." Und noch einen Tipp haben die vier parat: Man sollte auf dieser Tour ein paar Brocken italienisch können. "Das wäre manchmal echt hilfsreich gewesen", gesteht Stingl.

Der Rückweg vom Gardasee erfolgte über München mit der Bahn bis Haßfurt und von da ab auf dem Mainradweg zurück nach Obertheres.Viele Eindrücke und Erlebnisse haben die vier Freunde von ihrem Alpencross mit nach Hause gebracht. "Wir haben viele nette Leute kennen gelernt, viel gesehen und an den Abenden in den Hütten leidenschaftlich Karten gespielt und uns wunderbar unterhalten." Damit ist die nächste Alpen-Tour schon beschlossene Sache. Bis dahin kann sich Planer und Streckenführer Detlef Stingl reiflich überlegen, wohin die nächste Tour führt.