Wohin mit der Oma, wenn "die Jungen" in Urlaub fahren wollen? Alleine lassen geht nicht, anderswo unterbringen will man nicht, also warum nicht mitnehmen? Dass dies wunderbar gelingen kann, erlebten die Familien Albert, Lochner und Holthusen aus Kraisdorf und Aschaffenburg zum wiederholten Mal.

War es im letzten Jahr der Bodensee, so hatte man diesmal Ramscheid in der Eifel als Ziel auserkoren. Unterkunft war ein Haus mit mehreren Ferienwohnungen, auf die sich die Großfamilie verteilte. Ums Haus gab es Tiere, Pferde, Ziegen, Hasen, Geflügel, Vögel, Hund und Katze - "und eine Hauswirtin, die die Kinder ganz liebevoll an die Tiere heranführte", berichtet Klemens Albert von diesem Urlaubserlebnis mit vier Generationen auf einem Streich. Das Besondere: "Mit der Oma und Uroma ist dann jeweils auch die Familie der Enkeltochter samt den zwei Urenkelchen dabei."

Daheim in Kraisdorf

Maria Lochner, mittlerweile 85 Jahre alt, verbringt ihren Lebensabend mit Tochter Walburga und deren Ehemann Klemens Albert auf dem ehemaligen kleinen Bauernhof in Kraisdorf, den sie mit ihrem Mann Hans Lochner einmal bewirtschaftet hatte. Hier hat sie sechs Kinder großgezogen, die ihr mittlerweile 21 Enkel und sieben Urenkel bescherten.

Enkeltochter Isabel Albert und ihr Mann Christoph Holthusen leben mit ihren beiden Töchterchen Helena (drei Jahre alt) und Juliana (eineinhalb Jahre) in Aschaffenburg. Einmal im Jahr geht es für etwa eine Woche gemeinsam in Urlaub, vier Generationen zusammen.

Die "Omaria"

"Das geht ganz prima", meint Walburga Albert, denn "die Kinder und ihre Uroma haben etwa das gleiche Tempo, wenn wir etwas unternehmen." Und die Generationen dazwischen haben es auch nicht eilig, denn sie haben ja Urlaub. Und wenn Papa Christoph und Opa Klemens mal mit dem Fahrrad los wollen, können sie dies ja auch alleine tun oder die Kinder auf dem Kindersitz mitnehmen.

Gemeinsame Unternehmungen gab es auch heuer wieder viele, die "Omaria", wie sie Helena in Unterscheidung zu Oma Walburga gerne nennt, weitgehend alle mitmachte. Ein Ausflug nach Monschau, Spaziergänge in der Umgebung, ein Besuch in einem Indoor-Spielplatz. Nur am Pferdehof bremste sie, als Tochter Isabel und Enkelin Helena aufs Pferd stiegen bzw. gehoben wurden: "Na, do geh ich nimmer drauf! Wenn ich noch 40 Jahr jünger wär, hätt ich's vielleicht scho nochamal probiert."

Und man muss sich ja auch nicht immer auf der Pelle sitzen. Isabels Bruder Benedikt arbeitet in der Nähe von Aachen, also war ein Besuch dort angezeigt. Je nach Interessenlage teilte man sich auf, kulturell in Stadt und Dom oder für die Kinder und ihre Großeltern in den Tierpark. Da konnten Helena und Juliana lange vor den Gehegen stehen, die Tiere beobachten und den Erwachsenen (fast) Löcher in den Bauch fragen.

Vorteile für alle

In dem gemeinsamen Zusammensein sehen alle Beteiligten einen Gewinn. Uroma Maria freut sich nach anfänglichem "am liebsten bleibert ich ja daham": "Ich fühl mich so wohl, wenn ich bei euch sein kann." Als "Omaria" übernimmt sie gerne Verantwortung für die Kleinen, sie lebt förmlich auf, spürt ihr Alter nicht mehr, ihr tut dann gar nichts mehr weh. Sie liest Geschichten vor, wenn es sein muss bzw. Helena das wünscht, auch "nochmal". Und wenn die beiden auf ihr herumturnen wollen, erträgt sie auch das mit Freude und Gelassenheit. "Die Gsellschaft hält an auf Trab", stellt sie lachend fest. Und beim gemeinsamen Essen am großen Tisch fühlt sie sich eine Woche lang an frühere Zeiten erinnert, als der Tisch in ihrer Küche voller Leute saß.

Großeltern Walburga und Klemens haben ihre Enkel, die ihnen so viel bedeuten, mal rund um die Uhr bei sich. Kinder und Großeltern haben eine sehr enge Beziehung zueinander, auch über die Entfernung Kraisdorf nach Aschaffenburg hinweg. Wenn Opa dann seine Gitarre rausholt und zusammen mit Oma und den Kindern Lieder singt, die diese auch von Kindergarten oder -krippe her kennen, ist die Freude groß.

Die Eltern Isabel und Christoph fühlen sich entlastet, denn der Alltag mit Berufstätigkeit und Familie lässt nicht viel Zeit zum Durchschnaufen. Da ist es schon sehr erleichternd, wenn die Kinder mal Opi und Omi beschäftigen und die Eltern nicht brauchen. Und die beiden Mädels haben immer jemanden da, der sich mit ihnen beschäftigt und den sie beschäftigen können, mit dem sie nach Herzenslust etwas unternehmen können, der mit ihnen ein Bilderbuch anschaut, mit ihnen zu den Tieren geht oder mit ihnen spielt.Oma Maria hat abschließend nur einen Wunsch: "Dass ich weiter so bei euch bleiben kann!" KA