Unkenrufe gab es am gestrigen Freitag beim Termin mit dem Landrat. Weil: Da ließen sich Unken in den kleinen Tümpeln im Steigerwald bei Obersteinbach blicken. Naja, und dann riefen sie halt.

Gelbbauchunken waren das, und mit ihnen leben etliche weitere Tierarten in den von der Unteren Naturschutzbehörde Haßberge in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Rauhenebrach geschaffenen vier Biotopen bei Obersteinbach und Geusfeld. Bei einem Vor-Ort-Termin deutete sich die Vielfalt bereits in jenen neuen Feuchtgebieten an, die noch gar nicht so weit sind: Dort haben erst jüngst die Bagger Löcher und Mulden angelegt, die sich nach und nach mit Wasser füllen werden, wo sich vermutlich die Binsen (sie sind Pionierpflanzen, erklärte Claus Haubensack, der Biotopbeauftragte des Landratsamtes) zuerst ansiedeln und dann Klee, Rohrkolben und Vergissmeinnichte (und weitere) nachziehen werden. Etwa drei Jahre wird es dauern, bis die Biotope "voll im Saft" stehen.

Nach Plänen des Landratsamtes sollen sich auch Schwarzstörche, Graureiher, Eisvögel und Ringelnattern heimisch fühlen und die Biotope dort als ihren Lebensraum betrachten. Vor Ort mit dabei waren neben dem Landrat Wilhelm Schneider (CSU) und Haubensack auch Manfred Husslein vom Landratsamt. Außerdem Rauhen-ebrachs Bürgermeister Matthias Bäuerlein (FW), Armin Remmele (Betreuer der Gemeindewaldung) und Franz Eder vom Amt für Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt. Eine Kernbotschaft von Franz Eder war: Mit einem Nationalpark wäre eine solche Artenvielfalt kaum möglich. Denn würde man den Wald sich selbst überlassen, würde nach einiger Zeit eine Baumart dominieren: Die Buche mit ihrer kräftigen, hochgewachsenen Krone würde Eiche und andere Bäume verdrängen, erklärte Eder. "In dem Moment wird die Vielfalt verloren gehen", sagte er.

Ersatzgeld für den Naturschutz

Die Biotopflächen, die laut Husslein auch eine wichtige Rolle bei der Hochwasserregulierung spielen, da sie Wasser zurückhalten, und auch die mit Farbe gekennzeichneten ausgewachsenen Biotopbäume (dürfen für zwölf Jahre nicht gefällt werden) werden über Ersatzgelder finanziert. Dieses Geld bekommt der Landkreis, wenn "Eingriffe in den Naturhaushalt vorgenommen werden", wie Husslein erläutert, etwa beim Bau von Windrädern oder Funkmasten. Die Bauherren zahlen dann Geld an den Freistaat, das dem Landratsamt für solche Projekte wie dem im Gemeindewald in Rauhenebrach zur Verfügung gestellt wird. In der Steigerwald-Gemeinde wurden vom Landratsamt so bereits 35 000 Euro allein für Amphi-bientümpel investiert, landkreisweit insgesamt 95 000 Euro.