Wer in das große Einmaleins der Regionalplanung einsteigen will, kann dies beim Thema Windenergie trefflich tun. Denn hier wird seit Monaten ein Plan gewälzt, zur Geheimsache erklärt, vorgestellt, verworfen ... Weil man ihn, wenn er denn dann endlich fertig ist, gleich wieder über den Haufen werfen muss. Das ist keine Zauberei. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Gemeinden in der Planungsregion, die die Landkreise Haßberge, Schweinfurt, Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld abdeckt, eine "Positiv-Planung" für die Windenergie und Rechtssicherheit haben wollen. Positiv heißt, dass man die Flächen definiert, auf denen Windkraftanlagen gebaut werden können; außerhalb dieser Areale wird das dann nur noch mit Ausnahmegenehmigungen möglich sein.

Neuland für die Planer


Nach der derzeitigen Rechtslage gelten Windräder als privilegierte Vorhaben; sie könnten fast überall errichtet werden, ohne dass eine Gemeinde oder eine andere Behörde dies verhindern kann. Mit der "Positiv-Planung" lässt sich der Bau der Windkraftwerke steuern.

Der Weg zu dieser Planung ist aber weniger leicht, als sich das anhört. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die Regionalplaner, die bei der Regierung von Unterfranken in Würzburg angesiedelt sind, beim Thema Energie Neuland betreten. Da geht es nicht mehr nur um verwaltungstechnische und juristische Fragen, sondern auch um technische und wissenschaftliche Zusammenhänge sowie um Konflikte zwischen der Energieerzeugung auf der einen Seite und anderen schutzwürdigen Gütern auf der anderen: vom Denkmal- und dem Naturschutz über die Bodenschätze bis hin zum schwer fassbaren begriff des Landschaftschutzes.

Das wichtigste Kapital


"Wir wollen die Windkraft haben, und wir brauchen sie auch, auf der anderen Seite aber ist die Schönheit unserer Naturlandschaften unser wichtigstes Kapital", umreißt der Vorsitzende des Regionalen Planungsverbandes, Haßberge-Landrat Rudolf Handwerker (CSU), eines der vielen neuen Konfliktfelder, die sich im Windschatten der Energiewende auftun.

Deswegen ist das Kartenwerk, das am Dienstag im Regionalen Planungsausschuss vorgestellt und diskutiert wurde, bereits das dritte und noch immer nicht das letzte. Und deshalb wird die Windplanung zunächst sowohl restriktiv als auch meist im Verborgenen gehandelt. Die Angst geht um, dass ein Ausverkauf der lukrativsten Flächen beginnt, wenn die positive Planung allzu früh publik wird. Das wäre dann für die Region eine Negativ-Planung, zumal sich die Kommunen unter anderem über die GUT (Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologien-Projekte) selbst einige der Sahneschnitten sichern wollen. Dazu gehört das umstrittene große Windgebiet "WK 88" im Gemeindebereich Riedbach, wo bis zu zehn kommunale Windräder gebaut werden könnten, wie der GUT-Geschäftsführer Wilfried Neubauer bestätigt.

40 bis 50 Rotoren


40 bis 50 Windräder, so hat Neubauer ausgerechnet, müssen im Landkreis Haßberge gebaut werden, damit der Energiemix ohne Kernkraft funktioniert. Beim Blick auf den jüngsten Planentwurf geht Neubauers Rechnung aber nicht auf: Danach wären im Landkreis Haßberge nur etwa 600 Hektar Fläche für die Windkraft vorgesehen, wobei das größte Einzelgebiet bei Riedbach mit mehr als 400 Hektar bereits den Löwenanteil enthielte.

Wenn da Platz für lediglich zehn Windräder ist, wo sollen dann die anderen 30 bis 40 gebaut werden? An diesem Punkt beginnt sie, die höhere Mathematik der Landesplanung: Beschlossen werden soll jetzt ein Regionalplan mit einem Windkonzept auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner.

Beratung geht weiter


Bei der Sitzung in Oerlenbach wurden Änderungswünsche formuliert, die jetzt in die Karte eingearbeitet und dann erneut öffentlich ausgelegt und diskutiert werden. Das dürfte sich nach Neubauers Einschätzung bis Anfang 2013 hinziehen, dann wird der Regionalplan rechtskräftig.

Dann aber wird es erst interessant: Denn Bestandteil des Beschlusses zum Regionalplan ist dessen "Fortschreibung". Das heißt, dass auf der Grundlage des Planes neue Windkraft-Gebiete eingearbeitet werden können, im Fall des Landkreises Haßberge sogar eingearbeitet werden müssen. Denn irgendwo müssen die Flächen für die Windräder ja herkommen, die nach dem Energie-Einmaleins der GUT gebraucht werden.