Mit 58 fingierten Versicherungsfällen, die in Wirklichkeit nie stattfanden, hat ein Mann aus dem Maintal (42 Jahre) eine Versicherungsgesellschaft um rund 48.000 Euro betrogen. Wegen fortgesetzten Betruges musste sich der ehemalige Versicherungsagent vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Haßfurt verantworten. Der nahezu unbescholtene Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, verurteilt, ausgesetzt für zwei Jahre auf Bewährung.

Der Mann war voll geständig. Mit belegter Stimme und zeitweise mit Tränen in den Augen schilderte er, wie es zu den Betrugsfällen kam. Alles, sagte er in gedrücktem Tonfall, habe Anfang 2012 begonnen, als seine damalige Ehefrau ihm eröffnet habe, dass sie sich von ihm scheiden lassen wolle. Da sei er aus allen Wolken gefallen. In den Wochen danach habe er kaum etwas gegessen, 40 Kilogramm abgenommen und aus Verzweiflung jeden Abend ein bis zwei Flaschen Wodka getrunken.

In die Spielothek

Insbesondere die Trennung von seinen zwei Kindern habe er nicht verkraftet, erzählte er weiter. Da er keinen Sinn mehr im Leben gesehen habe, habe er sogar zwei Abschiedsbriefe geschrieben. "Ich war total fertig", gestand der Angeklagte. In dieser Situation habe ihn ein Bekannter mit den Worten "Da vergisst du mal dein ganzes Elend" in eine Spielothek mitgenommen. Das war der Einstieg. Von da an verbrachte er immer mehr Zeit in diversen Spielhallen. Und das ging zunehmend ins Geld. Von seinem Gehalt als Versicherungsangestellter konnte er sich das bald nicht mehr leisten. Und deswegen meldete er im Laufe des Jahres 2012 an seine Versicherung Schadensfälle, die nie stattgefunden haben. Mal war angeblich eine Vase auf dem Wohnzimmerschrank zerbrochen, mal ein Fußball in eine Fensterscheibe geflogen.

Da er von seinem Arbeitgeber eine Regulierungsvollmacht bis 1000 Euro hatte, floss die Schadensregulierung auf sein eigenes Konto. Das ging monatelang gut. Erst nach einem knappen Jahr flog der ganze Schwindel auf, weil die Versicherung endlich die Rechnungen der Handwerker sehen wollte. Da der Schaden erfunden war, fehlten Belege. Als der Bezirksleiter seinen Agenten vor Ort zur Rede stellte, gab der sofort alles zu und unterschrieb eine Schuldanerkenntnis-Erklärung.

Es geht wieder besser

Von einem Schöffen auf seine aktuelle Situation angesprochen, betonte der reumütige Angeklagte, dass es ihm seit einem Jahr wieder gut gehe. Jedes Wochenende dürfe er seine Kinder besuchen, und mit seiner neuen Lebensgefährtin sei er richtig glücklich. Zudem hat er eine gute Arbeitsstelle mit geregeltem Lohn und Gehalt gefunden.

Strafrichterin Ilona Conver verkündete das Strafmaß (Freiheitsstrafe auf Bewährung). Sie sprach in der Urteilsbegründung von einer erheblichen kriminellen Energie und einer "einfachen Masche", die über kurz oder lang zwangsläufig auffliegen musste.

Bei den weiteren Auflagen berücksichtigte das Gericht, dass der Verurteilte über kein hohes Einkommen verfügt und monatlich 500 Euro Unterhalt für seine Kinder überweist. Zusätzlich zur Bewährungsstrafe muss er im Zuge der Schadenswiedergutmachung eine erste Rate von 500 Euro an die geschädigte Versicherung zahlen. Danach muss er monatlich mindestens 40 Euro an die Gesellschaft berappen. Das Urteil ist rechtskräftig.