Wenn jemand die Schlösser in unserem Gebiet aufzählt - "Rentweinsdorf, Eyrichshof, Gereuth, Untermerzbach, Kirchlauter ..." - dann wird eines meist vergessen - Weißenbrunn. "Das rührt daher", so Kreisheimatpfleger Günter Lipp, der das Schloss in einem Artikel seiner "Heimatkunde-Reihe" beschreibt, "dass es zwar nahe bei Ebern, aber doch versteckt schon fast in den Heiligen Ländern liegt. Und wenn man schon einmal durch den Ort fährt, dann sieht man es praktisch nicht. "

Klein, aber repräsentativ

Das Schloss hat offiziell die Hausnummer 2 und steht unter Denkmalschutz. Ist man durch sein Tor in den blitzsauberen, geräumigen Gutshof getreten, sieht man zunächst fünf mächtige Linden. Und dann rechter Hand das Schloss: Ein straffer Bau, nicht übertrieben groß, aber doch sehr ansehnlich. Auf einem gehobenen Kellergeschoss folgt das Hochparterre und darüber, von einem Gurtgesims getrennt, der obere Stock. Die Breitseite schaut nach Süden, zur Sonne. In diese Richtung hat der Bau elf Fenster, an der Schmalseite nur´ fünf. Die doppelläufige Freitreppe führt über dem ehemaligen Hundezwinger in die Eingangshalle hinauf. Von dort steigt eine mächtige, geschwungene Treppe ohne jede Stütze nach oben.

Rechts schließt an den Bau ein gepflegter, klar gegliederter "französischer" Garten an und dahinter ist als Gegensatz am Hang ein offener, mehr "englischer" Park gesetzt. Auf dieser sogenannten "Schlossleite" liegt neben dem Gemüsegarten und einem Pavillon ein Privatfriedhof - "ungewöhnlicherweise", schreibt Lipp.

Im zwölften Jahrhundert erwähnt

Der Name "Weißenbrunn" wird schon 1177 genannt. Der Archivar des Baunachgrundes Georg Ludwig Lehnes schreibt: "Herold von Wizenbrunn wird als Zeuge in einer Urkunde vom Jahre 1177 erwähnt." In dieser Urkunde hat der Bamberger Bischof Otto II. einen Grunderwerb in Weitramsdorf genehmigt und einer von "Wizenbrunen" hat dieses Rechtsgeschäft bestätigt. Insgesamt bleibt ein Rest Unsicherheit, denn Orte mit dem Namen "Weißenbrunn" oder "Wiesenbronn" gibt es gerade in Franken mehrere.

Absolut sicher ist die Erstnennung "unseres" Weißenbrunn in der Teilungsurkunde der Pfarrei Pfarrweisach 1232. "Vermutlich war es damals eine kleine Burg", meint Günter Lipp. Sie schützte die nur drei Kilometer entfernte Hochstraße, die sich bei Bühl mit dem "Zeiler Rennweg" kreuzte. Der war die kürzeste Verbindung von Ebern nach Zeil. Weißenbrunn im Tal war Jahrhunderte lang ein Endpunkt. Ob Weißenbrunn am 13. Mai 1525, im Bauernkrieg, zerstört wurde, ist nicht ganz klar, schreibt Lipp.

Den Ansitz Weißenbrunn besaßen nacheinander die Herren auf Raueneck, die Marschalk und die Fuchs (1387). Er war bambergisches, dann würzburgisches Lehen.

In bürgerlicher Hand

Ludwig Leisentritt hat herausgefunden, dass 1696 der Zeiler Johann Rudolph Moser, ein hochfürstlich-bambergischer Verwaltungsbeamter, das Anwesen an den Generalfeldmarschall-Leutnant Georg Philipp von Boineburg verkaufte. Das Ungewöhnliche daran war: Der Herr von Boineburg war lutherisch, seine Frau aber katholisch. Für den Erlös von Schloss Weißenbrunn hat sich Moser 1702 vor dem Stadttor von Zeil ein Haus gebaut, das später einmal ein Wirtshaus werden sollte.

150 Jahre lang haben dann die Herren von Boineburg in der Folge in Weißenbrunn gewohnt. Sie waren es, die um 1720 das Schloss in seiner jetzigen Gestalt errichten ließen. 1740 kam der Neubau über die Familie von Varell an den Geheimrat von Hebendanz und über dessen Schwiegersohn 1749 an die Herren von Oberkamp. Die hatten 1820 das Patrimonialgericht Weißenbrunn inne, residierten mindestens bis 1832 im Schloss und erlangten 1847 den Freiherrentitel. Mit ihnen endet die Reihe der adeligen Besitzer des Schlosses.

Die bürgerlichen wechselten Mitte des 19. Jahrhunderts in kürzeren Abständen. Zunächst war es ein Louis Ludloff, dann erscheint 1852 Kammerrat Adolf (von?) Huschke als Besitzer. Er erlaubte, dass die Evangelischen von Jesserndorf im Schloss ab 1855 Gottesdienste abhielten, da ihre eigene Kirche erst in Planung war. Die Hauskapelle befand sich im ersten Stock. Nach der Jesserndorfer Pfarrchronik, die Weißenbrunn als Rittergut bezeichnet, kaufte es 1864 der Frankfurter Gerold für 105 000 Gulden. Im Eberner Grundbuch findet sich für die folgenden Jahre ein bunter Besitzerwechsel: 1880 erwarb es der Spielwarenfabrikant Engelhardt aus Sonneberg, ihm folgte 1898 der sächsische Fabrikbesitzer Raetzer, dann die Gebrüder Schmitt, Nach ihnen kam 1903 der Landwirt Karl Gerber, der das Gut arg herunterwirtschaftete, 1906 ist schließlich noch der Kaufmann Josef Aßmann als Besitzer eingetragen.

Die Familie Schönlau

1907 kam es endlich an die Familie Schönlau aus Paderborn. Sie bewohnte Weißenbrunn fast genau 100 Jahre. Der erste, Wilhelm Eduard Schönlau, galt allgemein als tüchtig. Er war es, der den Privatfriedhof anlegte, in dem er selbst 1925 begraben wurde. Seinen Sohn Paul Schönlau (1870 -1946) beschreibt Karl Hoch als leutselig und freundlich. Der Enkel hieß ebenfalls Paul (1915 - 1992) und der Urenkel ist der bekannte ehemalige Wirtschaftsredakteur beim Bayerischen Rundfunk Paul Friedrich Schönlau. Margarethe Schönlau, die ihre Wohnung gleich rechts im Erdgeschoss des Schlosses hatte, starb im Juli 2004.

In Weißenbrunn betrieb der Bruder von Landrat Gaebert nach 1945 eine Geflügelfarm. Um 1950 war das Gut mehr für seine schwäbisch-hällischen Schweine bekannt; die Getreidewirtschaft stand aber hier stets im Vordergrund. Die 100 Hektar Wald, die zum Schloss gehörten, waren wie meist als Rücklage für besondere Situationen vorgesehen. Solche ergaben sich in den 50er Jahren. Damals hat es nach der Erinnerung von Heinz Fausten, dem ehemaligen Kreisbrandmeister, im Schlossanwesen zwei Mal gebrannt: einmal 1952 durch eine Dreschmaschine und 1958 durch Blitzschlag. Paul Schönlau verkaufte danach die Hälfte seines Waldes. Ein Viertel ging an die Familie von Rotenhan, das andere Viertel an die Stadt Ebern.

Vorbildlich restauriert

Seit 1980 ist der Bamberger Steinrestaurator Ulrich Bauer-Bornemann Besitzer von Schloss Weißenbrunn. Er hat durch sorgfältige Renovierungen über die Jahre hinweg aus den Gebäuden und dem ganzen Anwesen ein Schmuckstück gemacht. Die unteren Räume haben Bert Niklaus und Karin Hommert gemietet. Die Künstlergruppe, die um die beiden entstanden ist, pflegt Malerei, Fotografie und Grafik, aber auch für Musik und Kunsthandwerk ist Platz. Immer wieder finden hier Workshops und Ausstellungen statt - es herrscht eine kreative, künstlerische Artenvielfalt. Schloss Weißenbrunn ist also in mehrfacher Hinsicht eine versteckte Kostbarkeit.