Hat ein Paar aufgrund eines Wasserschadens in seiner Wohnung durch einen manipulierten Kostenvoranschlag versucht, eine Versicherungsgesellschaft abzuzocken? Da sich diese Frage bei der jüngsten Hauptverhandlung am Amtsgericht nicht abschließend klären ließ, wurde zur Fortsetzung ein neuer Termin bestimmt. Dazu werden auch neue Zeugen geladen.

Angeklagter kam erst nicht

Der Prozess konnte erst mit über einer Stunde Verspätung beginnen, weil zunächst der Angeklagte (37) unentschuldigt fehlte. Dessen um fünf Jahre jüngere Ex-Freundin, die ebenfalls auf der Anklagebank saß, behauptete, dass ihr ehemaliger Partner "voll auf Crystal, komplett abgestürzt und momentan nicht ansprechbar" sei.
Von der Strafrichterin Ilona Conver beauftragt, schaffte die Polizei jedoch den amtsbekannten Mann herbei und der eilig gerufene Amtsarzt des Gesundheitsamtes bestätigte dessen Verhandlungsfähigkeit.

Abtraum für Wohnungsinhaber

Vor über einem Jahr, es war Mitte Januar 2013, ereignete sich in einer Wohnung im Maintal das, was man gemeinhin als Albtraum bezeichnet: Als die beiden Angeklagten nach Hause kommen, steht alles unter Wasser. Zum Glück hat der Mann eine Gebäude- und Hausratversicherung. Also informieren die beiden postwendend ihren Versicherungsvertreter.

In den nächsten Tagen werden von Vertretern der Versicherung und von verschiedenen Fachfirmen die Schäden begutachtet. Einige Arbeiten wie die Trocknung übernehmen die Firmen, andere Sachen erledigen die Wohnungsinhaber selber und erhalten dafür ein Entgelt von der Versicherung. Mit einem Schreinermeister sprechen beide über die Reparatur einer Treppe. Und genau darüber erstellt der Holzfachmann einen Kostenvoranschlag über 930 Euro.

Ein bisschen was "gedreht"

Die Treppeninstandsetzung aber, und da liegt der Hund begraben, ist von Seiten der Versicherung nicht erstattungsfähig. Der - quasi nutzlose - Kostenvoranschlag des Handwerkers wurde von der angeklagten Frau dergestalt manipuliert, dass sie die angebotene Leistung überklebte und stattdessen den Ab- und Aufbau von Möbeln einfügte. Diese Idee, behauptete die Angeklagte, sei von dem Handwerksmeister selber gekommen - was dieser im Zeugenstand abstritt.

Jedenfalls reichte das Pärchen das fingierte Handwerkerschreiben bei der Versicherung ein. Falls diese das Angebot akzeptiert hätte, wären 80 Prozent der angegebenen Summe im Sinne einer Abschlagszahlung an den Versicherungsnehmer ausgezahlt worden. So aber schöpfte der zuständige Sachbearbeiter Verdacht, griff zum Telefon und rief den Schreinermeister an. Als der bestätigte, dass der eingereichte Kostenvoranschlag in dieser Form nicht von ihm stamme, erfolgte die Anzeige.

Soweit das Ergebnis der Beweisaufnahme. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit bestimmte das Gericht einen Fortsetzungstermin für den 11. April um 11.30 Uhr. Dann wird als weiterer Zeuge auf Antrag von Rechtsanwalt Wolfgang Heinrich der örtliche Versicherungsvertreter geladen. Ilker Özalp als Vertreter der Staatsanwaltschaft ließ aber keinen Zweifel daran, dass für ihn die Sachlage klar ist.