Weil er seine Mieter ein- beziehungsweise ausgesperrt hatte, stand ein 59-jähriger Mann wegen Freiheitsberaubung vor dem Amtsgericht in Haßfurt. Richter Roland Wiltschka sprach den Angeklagten schuldig und verhängte eine Geldstrafe: 1000 Euro.
Der Prozess machte deutlich, dass der Angeklagte mit seinen Mietern kein gutes Verhältnis hatte. Die Mieterin, die Opfer seiner Aussperrung war und als Zeugin auftrat, nannte den Grund für den Streit: "Nach einem Jahr war kein Öl mehr da". Weil sich der Vermieter nicht um neue Lieferungen gekümmert hatte, habe sie fortan für die Bewohner das Heizöl gekauft.

Eigenbedarf


Der Vermieter wollte ab November 2011 seine Wohnungen wieder für sich haben; und da keiner der Mieter der Kündigung vom 30. Oktober widersprochen hatte, sei er davon ausgegangen, dass sie ausgezogen seien, sagte der Angeklagte vor Gericht. Aus diesem Grund tauschte er am 8. November das Schloss des Haupteingangs aus.
Wiltschka war über dieses Verhalten verwundert: "Haben Sie sich denn vergewissert, ob noch jemand da ist?", fragte er den Angeklagten. Dieser verneinte. "Dass Sie damit rechnen müssen, dass noch jemand in dem Haus wohnt, ist doch klar", stellte Wiltschka fest.

Ausgesperrt


Die Mieterin, die mit ihrer Tochter und ihrem Sohn in einer der Wohnungen lebte, konnte im November nun also nicht mehr in ihre Wohnung, da ihr Schlüssel zum Haupteingang nicht passte. Da sich jedoch die Haupttür von innen öffnen ließ (von anderen Hausbewohnern), kam die Frau doch noch in ihre Wohnung.
Das war am 12. November anders: Der Vermieter hatte an diesem Tag die Haupttür abgeschlossen. Die Frau stand nach einem Spaziergang mit ihrem Sohn vor der Tür; ihre Tochter sowie der andere Mieter waren in dem Haus eingesperrt.

Im Briefkasten


Die Ausgesperrte rief den Schlüsseldienst und ließ das Schloss austauschen. Den Schlüssel habe sie dem Vermieter in den Briefkasten geworfen, gab die 45-Jährige an.
Die ganze Aktion mit der verschlossenen Tür ist laut Gericht glimpflich ausgegangen, da die betroffenen Personen nur etwa eine Stunde ein- beziehungsweise ausgesperrt waren. Dennoch warnte Wiltschka den Angeklagten ausdrücklich vor solchem Handeln, das abgesehen von der nervlichen Belastung unabsehbare Folgen haben könne: Käme es etwa in solch einer Situation zu einem Notfall, könnten Rettungskräfte womöglich nicht schnell genug in die Wohnung gelangen.
Der Angeklagte akzeptierte das Urteil. Die Geldstrafe gegen ihn ist somit rechtskräftig.