Die gezackten Blätter seines Blumenschmucks hinter dem Fenster verrieten einen einschlägig vorbestraften Mann. Zudem fand die Polizei in seiner Wohnung eine kleine Menge Amphetamin und Hanfsamen. Obwohl er zum Tatzeitpunkt bereits unter Bewährung stand, gab ihm die Strafrichterin Ilona Conver bei einem Prozess am Amtsgericht in Haßfurt mit einer erneuten dreimonatigen Bewährungsstrafe, die aber noch nicht rechtskräftig ist, eine weitere letzte Chance.

Der 13.te, in diesem Fall ein "Unglückstag" für den Angeklagten

Es war Donnerstag, 13. Juni, letzten Jahres, als wieder einmal der "Kommissar Zufall" zuschlug. Das wache Auge einer Kommunalpolitikerin entdeckte von der Straße aus eine verdächtige Blumenpracht (Hanfpflanzen) hinter der Gardine. Sie alarmierte die Polizei.

Als die auf der Basis eines Durchsuchungsbefehls mit zwei Streifenwagen anrückte, roch der einschlägig Vorbestrafte Lunte. Er flitzte in sein Haus, versperrte die Haustüre und dachte gar nicht daran, den klingelnden Beamten zu öffnen.

Die Gendarmen hatten den Flüchtenden im Augenwinkel gesehen und wussten, dass sich der Gesuchte in der Wohnung befand. Ein sportlicher Polizeibeamter trat kraftvoll die Tür ein. Die Pflanzen, stellte sich heraus, waren nur von minderer Qualität. Aber die herumliegenden 0,2 Gramm Amphetamin, auch unter dem Begriff Speed bekannt, brachten den Wohnungsinhaber vor Gericht.

Die Drogen, behauptete der 34 Jahre alte Angeklagte, hätten ihm gar nicht gehört. Vielmehr sei er am Vortag von seinem Kumpel besucht worden, der den Stoff dann bei ihm vergessen habe. Für die Juristen spielt das keinen Unterschied, weil schon der Besitz, also die tatsächliche Verfügungsgewalt, strafbar ist. Auf die Eigentumsverhältnisse kommt es gar nicht an.

Eine lange Latte von elf Vorstrafen steht im Bundeszentralregister des Mannes. Davon sind drei Einträge einschlägiger Natur, also Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz. Vor eineinhalb Jahren wurde er sogar vom Amtsgericht in Wunsiedel zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil man ihn dabei erwischt hatte, wie er aus Tschechien Rauschgift über die Grenze schmuggeln wollte.

Weg von der schiefen Bahn?

Weil er nun in der Bewährungszeit erneut straffällig geworden war, plädierte Ilker Özalp als Vertreter der Staatsanwaltschaft für eine dreimonatige Freiheitsstrafe ohne eine Bewährung.

Der ohne Verteidiger erschienene Beschuldigte versicherte hoch und heilig, seit einem Jahr clean zu sein. Durch regelmäßige Urintests, sagte der gelernte Angeklagte, sei das nachgewiesen. Und von seiner Gemeinde habe er die Zusage, bald eine Stelle als Arbeiter antreten zu können.

Obwohl es ihr, wie sie versicherte, nicht leicht fiel, schenkte die Amtsrichterin dem zurzeit Arbeitslosen eine weitere Chance. Wenn er sich die nächsten drei Jahre straffrei verhält, muss er nicht einrücken. Die Richterin hofft, dass der Mann jetzt endlich die Kurve kratzt und die schiefe Bahn verlässt. Zusätzliche Auflagen: Der Verurteilte muss sich bei m Bewährungshelfer melden und in Monatsraten insgesamt 900 Euro an das Jugendamt Haßberge bezahlen.