350 Mitglieder waren zu der Versammlung des Vereins gekommen, dessen Ursprung im Kampf gegen einen Nationalpark im Steigerwald liegt. Der Vorsitzende Gerhard Eck, CSU-Landtagsabgeordneter und Staatsskretär im Innenministerium, stellte in seinem Rechenschaftsbericht fest, dass die Errichtung des Nachhaltigkeitszentrums Wald (NZW) in Handthal ein wichtiger Etappensieg sei, aber keinesfalls ein Grund, den Verein aufzulösen. Auch der neue Förderverein für das Nachhaltigkeitszentrum ersetze "Unser Steigerwald" auf keinen Fall.


Großer Erfolg



Eck verteidigte den Standort Handthal, der nach neutralen Kriterien ausgewählt worden sei. Ein großer Erfolg sei es, dass neben den bis zu 3,5 Millionen Euro für den Bau des Hauses weitere vier Millionen an Europa-Fördermitteln bereitstehen, um Projekte in der Region zu verwirklichen. Das nämlich sei es, was das Nachhaltigkeitszentrum ausmachen soll: ein Netz aus Ideen und Projekten, die den Steigerwald zur "Region Nachhaltigkeit" machen.

Ecks Stellvertreter Oskar Ebert, der Freie-Wähler-Bürgermeister von Rauhenebrach, gab den Jahresrückblick. Viel Arbeit floss nach seinen Worten in die Konzeption des Nachhaltigkeitszentrums. Es gab auch einige Informationsveranstaltungen, eine davon im Teutoburger Wald, wo sich die Bevölkerung in der gleichen Situation wiederfindet wie die Steigerwälder vor vier Jahren, als "Unser Steigerwald" gegründet wurde. Leider gehe auch im Steigerwald die Debatte um einen Nationalpark weiter, obwohl sich mit CSU, FDP und Freien Wählern die große Mehrheit des Landtags und das gesamte Kabinett gegen eine solche Ausweisung gegen den Willen der Bevölkerung ausgesprochen hat.


Gespräch verweigert



Besonders ärgerlich fand es Ebert, dass Hubert Weiger (Bund Naturschutz) eine Woche nach einer gemeinsamen und sachlichen Podiumsdiskussion in Ebrach nach Gerolzhofen gefahren und dort behauptet habe, der Verein "Unser Steigerwald" verweigere das Gespräch.

Der FW-Abgeordnete Hans-Jürgen Fahn hatte als Stimmkreisbetreuer im Landkreis Haßberge vor zwei Wochen nochmals beide Parteien an einen Tisch gebracht. Dabei wurde dem Bund Naturschutz angeboten, im Nachhaltigkeitszentrum inhaltlich mitzuarbeiten; das habe der Vorsitzende Hubert Weiger jedoch abgelehnt.

Zum Betrieb des Nachhaltigkeitszentrum erklärte Eck, dass die laufenden Kosten vom Trägerverein aufgebracht werden müssen. Von den 350.000 Euro übernehmen 300.000 Euro die Staatsforsten "das sind praktisch die gesamten Personalkosten", erläuterte Eck. Mitglieder des Fördervereins sind die Landkreise und bereits fast alle Kommunen im Steigerwald.


Chance für die Region


Gerade darin sieht Hamberger die große Chance des Nachhaltigkeitszentrums - in der erstmaligen wirklichen Vernetzung der Kommunen im Steigerwald. "Der Steigerwald ist bisher überall nur der hinterste Zipfel - in den drei Regierungsbezirken ebenso wie in den Landkreisen". Diese Zerrissenheit sei immer eine Schwäche gewesen, die Zusammenarbeit könne jetzt die große Stärke sein.

Hamberger ist Forstwissenschaftler und erklärte, dass der heute fast schon überstrapazierte Begriff der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft eine lange Tradition hat. 1713 formulierte Hans Carl von Carlowitz die Grundzüge einer nachhaltigen Forstwirtschaft. Weltweit bekannt gemacht wurde der Begriff durch die UN-Konferenz in Rio 1992. Wichtiger als der bloße Begriff sei aber der Hintergrund, denn "Kern der Nachhaltigkeit ist die ethische Grundeinstellung", betonte Hamberger. Es gehe darum, die Schöpfung zu bewahren und nicht auf Kosten nachfolgender Generationen zu leben.


Nachhaltigkeit als Alleinstellungsmerkmal



Eine Nachhaltigkeitsregion gebe es bisher noch nicht, das sei ein Alleinstellungsmerkmal des Steigerwalds. Hamberger wünschte sich, dass es dem Trägerverein gelingt, "ein Drei-Franken-Projekt zu formen". Er freute sich über das große Maß an Bürgerbeteiligung und forderte alle Anwesenden auf, sich weiter zu engagieren, denn der Steigerwald habe das Potenzial, eine Zukunftsregion zu werden. "Sehen sie den fränkischen Rechen als Zeichen der Verzahnung, dann sind Sie auf einem sehr guten Weg"

"Ich kann mich nur bei Euch entschuldigen", erklärte der Bamberger Kreisrat Georg Pfister (CSU) der Versammlung. Er nämlich habe einst "den Denzler in der Fraktion als Landrats-Kandidaten durchgesetzt". Pfister zeigte kein Verständnis für das Vorgehen seines Landrats, der nach wie vor ein Weltnaturerbe anstrebt. Dabei überhöre er, dass es diesen Status ohne Nationalpark nicht geben werde. Sein emotionaler Beitrag endete in der Aufforderung: "Herr Seehofer, verbieten Sie den Bund Naturschutz".