Pässe sind derzeit bei der Fußball-EM und in der Urlaubszeit an manchen Grenzen besonders gefragt, ein Fischpass dagegen ist die große Attraktion der Landesgartenschau in Bamberg. Aber auch im Rentweinsdorfer Gemeindeteil Gräfenholz ist solch eine Ausweichstrecke für Wanderfische entstanden.

In der Baunach können die Fische seit kurzem das Kleinkraftwerk bei der Gräfenholzer Mühle problemlos überwinden. Diese Möglichkeit haben der Betreiber der Mühle, Wolfgang Elflein, sowie sein Sohn Martin als Miteigentümer, mit der Inbetriebnahme einer Fischtreppe geschaffen.

Alte Getreidemühle


Bis in die 60er Jahre diente der schmucke Fachwerkbau als Getreidemühle. Die Älteren aus Rentweinsdorf und Umgebung erinnern sich gerne an das aufgeschlossene und freundliche Ehepaar, den " Mühl-Günther" und seine Ehefrau Emmy, die aus dem Coburger Raum stammte. Die 1830 erbaute Mühle hat im vergangenen Jahr der jetzige Eigentümer Wolfgang Elflein außen sanieren lassen. Das Gebäude präsentiert sich als "Hingucker".

Wie Elflein erklärt, ist der Sinn und Zweck einer Fischtreppe, Wanderfischen zwischen ihren bisherigen Lebensräumen und den Laichplätzen die Möglichkeit zu geben, Querverbindungen, Wehre und Kraftwerke an den Bächen und Flüssen zu überwinden. Das gilt auch für die Baunach, die zu den Gewässern zweiter Ordnung zählt. Wanderwege sind für fast alle Fischarten wichtig, um tagesrythmische Nahrungs- und Ruheplätze oder unterschiedliche Lebensräume, wie Wintereinstände, Sommereinstände und Laichplätze zu erreichen. Elflein ist inzwischen ein Experte in Sachen Fischwanderung, wie sich im Gespräch zeigt.

Der Bau der Fischtreppe bei Gräfenholz erforderte erhebliche Erdbewegungen. Grundlage für den Bau der Fischtreppe oder des Fischpasses sind die Vorschriften für die Wasserrichtlinien der EU. Nach deren Vorgaben sollen bis 2015 alle Flüsse oder Bäche in Europa für alle Lebewesen unter Wasser durchgängig gemacht werden. Das gilt auch für alle deutschen Ströme und ihren Nebengewässern.

Hunderte von "Hindernissen"


Als Beispiel gibt es allein in Oberfranken am Flusssystem Main und seinen Zuflüssen wie der Itz, Baunach, Rodach und Regnitz hunderte von Wehren, Querverbauungen und Kraftwerken, die unterschieden werden in nicht durchgängig oder nur bedingt durchgängig. Unterschieden werden die Lebensräume der Fische in verschiedenen Fischregionen wie der Äschenregionen am Oberlauf der Flüsse, beispielsweise an der Baunach ab Ebern aufwärts, oder der Barbenregion, die bei der Baunach oberhalb der Gräfenholzer Mühle zum Main hin beginnt, so Wolfgang Elflein.

Wie der Mühlenbesitzer weiter ausführt, werden Wanderfische unterschieden zwischen Kurz- und Fernwanderern. Lachse, historisch im Maingebiet, wandern beispielsweise vom Salzwasser (Atlantik, Karibik) bis zu den Laichplätzen in die Oberläufe der Mainzuflüsse.

Aale wandern bis in die Karibik, um dort abzulaichen. Dann sterben sie. Die Jungaale kommen über die Rheinmündung wieder bis in die Oberläufe der Zuflüsse zurück, wobei ihnen der Wassergeschmack der Flüsse als genetischer Wegweiser behilflich ist. Wie Elflein weiter betont, gibt es gemäß dem Fischarten-Atlas, der vom Bezirk Oberfranken erstellt wurde, im Main und seinen Nebenflüssen nach dem aktuellen Arteninventar etwa 49 Fischarten, sechs Krebs- und sieben Muschelarten.

Dabei ist aber darauf hinzuweisen, so der Mühlenbesitzer und Fischartenkenner, dass 50 Prozent des heimische Fischarteninventars in ihrem Bestand als bedroht gelten. Dabei seien die Fisch fressenden Vögel (Kormoran und Fischreiher), das Einschleppen gebietsfremder Arten und Krankheiten, aber auch oft mangelnde Wahrnehmung der Fischarten im Wissen um die Fischbestände durch die Öffentlichkeit und der Gesellschaft als wichtigste Gefahrenpotenziale.