Von Haßfurt an die Ostsee in zwei Stunden, nach Paris in 135 Minuten oder nach Kattowitz in zweieinhalb Stunden, das dürfte für die meisten wohl unmöglich sein, weder theoretisch noch praktisch. Nicht aber für die Besitzer der sogenannten "Mooniacs", die am Samstag und Sonntag im Rahmen eines Vereintreffens auf dem Flugplatz Haßfurt landeten. Knapp 30 einmotorige Leichtflugzeuge der Serie M20 des US-amerikanischen Flugzeugherstellers Mooney flogen in die Kreisstadt. Sie gehören dem privaten Verein EMPOA (European Mooney Pilots and Owners Association) mit knapp 300 Mitgliedern an. Dabei waren Piloten mit und ohne Begleitung aus ganz Deutschland, Frankreich und Österreich.

Der Anwalt und Vereinsmitglied Ingo-Julian Rösch aus Nürnberg hat ein Nebenstellenbüro in Haßfurt und schlug den unterfränkischen Verkehrslandeplatz in den Mainauen als Ziel für das Meeting vor: "Der Flugplatz Haßfurt mit seiner Region ist einfach toll. Nicht zu vergessen der Flugpark: hier stehen schon einige Maschinen, die Kultstatus haben", sagt er - und bedauert gleichzeitig: "Es ist schade, auf dem tollen Flugplatz könnte schon mehr los sein."

Die schnellen Reiseflugzeuge für maximal vier Insassen erreichen bis zu 400 Stundenkilometer Fluggeschwindigkeit. Der Anschaffungswert liegt bei rund einer Million Euro. Die Maschinen aus den Baujahren zwischen 1960 und 2000, die in Haßfurt landeten, sind gebraucht gekauft worden und haben aktuell einen Wert zwischen 50 000 und 300 000 Euro.

An einem Sonntagabend vor fünf Jahren erinnert sich lachend die Co-Pilotin Tanja Gauer aus der Nähe von Köln. "Oh Mist, wir haben wir ein Flugzeug ersteigert." Ehemann Werner Gauer, der zuvor in der USA seinen Pilotenschein gemacht hatte, fügt hinzu: "Ja, wir haben über ein paar Wege unsere Mooney auf Ebay ersteigert." Beide arbeiten in der Softwarebranche und brachten zum Treffen ihren VIP-Gast, nämlich die vierbeinige Maja, mit. "Unser Flughund hat eine wunderbare Möglichkeit, sich hinter uns schön auszustrecken." Ihre Maschine mit dem Baujahr 1967 brachte Werner und Tanja Gauer mit Maja schon bis nach Wien. Die Flugdauer beträgt dreieinhalb Stunden.

Für die früheren Rucksacktouristen Tina und Gunter Haug aus Mannheim war es nur eine Frage der Zeit, die gemeinsame Abenteuerleidenschaft zu steigern, "weil Reisen schon immer unsere Passion war", so die Softwareentwicklerin, die seit zehn Jahren die Pilotenlizenz besitzt. Ihr Mann arbeitet in der selben Branche und dachte sich vor 15 Jahren: "Gucken wir doch mal, ob uns das Fliegen Spaß macht. Nach meinen ersten Flugstunden war es sofort klar, die Pilotenlizenz zu machen." Und weil ständig ein Flugzeug zu chartern (zu mieten) auf Dauer nicht die Lösung war, "um unsere Träume zu erfüllen", kaufte sich Tina Haug mit ihrem Ehegatten vor acht Jahren eine Mooney M20K Encore in Kiel. Laut Gunter Haug "genau das richtige Modell".

Im August 2017 starteten die beiden Piloten ihre "Mooniac" in Mannheim für eine halbjährige Flugreise. Sie überquerten nach Stopps in Frankreich und Schottland, Island und Grönland den Nordatlantik. Weiter ging der Flug über Kanada und USA in die Karibik bis an die Südspitze von Südamerika.

Ihr Flugzeug braucht, wie die Besitzer erzählen, bei Windstille um die 40 Liter Sprit pro Stunde. Eine ungefähre "Flugdauer von neun Stunden ist möglich, bis wir aus dem Himmel fallen", so Gunter Haug.

Bei richtiger Wartung und Pflege kann ein solches Flugzeug alt werden. Die Instrumente werden immer mal wieder modernisiert, und die Motoren müssen nach rund 2000 Stunden Gesamtlaufleistung ausgetauscht werden. Das Ehepaar Haug hat mittlerweile 1000 Flugstunden mit seiner "Encore" hinter sich gebracht.