Weniger Unfälle als im Vorjahr, das ist an sich eine gute Nachricht. In der Relation gesehen ist es sogar eine sehr gute Nachricht, wie der am gestrigen Freitag vorgelegte Verkehrssicherheitsbericht der Polizei für den Landkreis Haßberge verdeutlicht: Mit 81 253 waren knapp 12   000 mehr Fahrzeuge im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2011 auf den Straßen im Landkreis unterwegs. Das bedeutet eine um 17 Prozent höhere Verkehrsdichte.

Weniger Unfälle, mehr Kontrollen

Die Anzahl der Unfälle verringerte sich jedoch von 2079 aus dem Jahr 2011 auf die Zahl von 2010 im vergangenen Jahr. "Das ist sicher auch der Tatsache geschuldet, dass wir unsere Kontrolltätigkeit konsequent betreiben", erklärt Peter Firsching, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Haßfurt. Aber allein darauf will er die Verbesserung nicht zurückführen.
Ein Dorn im Auge ist ihm außerdem die Zahl der Schwerverletzten (83; 78 im Vorjahr) und erst recht die fünf Todesopfer (sieben im Vorjahr). "Der Idealzustand wäre freilich, dass es gar keine Unfälle gibt", sagt er und weiß, dass das ein Wunschtraum bleiben wird.
Bei den fünf Unfällen mit Todesfolge waren in vier Fällen Zweiradfahrer betroffen. Im Mai 2012 kollidierte ein 17-jähriger Mopedfahrer beim Einbiegen von der Kreisstraße HAS 2 (von Greßhausen kommend) in die Bundesstraße 26 mit einem VW-Bus, der ssen Fahrer Richtung Schweinfurt unterwegs war. Der Mopedfahrer starb am Unfallort, sein Soziusfahrer erlitt eine schwere Verletzung.
Nur zwei Wochen nach diesem tragischen Ereignis war es erneut ein junger Zweiradfahrer, der bei einem Unfall auf der Kreisstraße HAS 11 (Ortsausfahrt Augsfeld) unverschuldet ums Leben kam. Der 18-Jährige prallte mit seinem Motorrad gegen ein Auto, dessen Fahrer beim Queren der Straße dem jungen Mann die Vorfahrt genommen hatte.

Im September war es der 17-jährige Fahrer eines Kleinkraftrades, der auf der B 279 im Bereich Ebern in einen tödlichen Unfall verwickelt wurde. Beim Linksabbiegen in die Bundesstraße übersah er ein von links aus Richtung Pfarrweisach kommendes Auto - es kam zum verheerenden Zusammenstoß.

Rätselhaft

Absolut aus der Reihe fällt laut Peter Firsching ein tödlicher Unfall, der sich Ende Mai ereignete. Ein 51-jähriger Mann war mit seinem E-Bike im Stadtgebiet Haßfurt auf dem Fuß- und Radweg von der "Nassach" zum "Seufzertal" unterwegs. In einer Linkskurve stürzte er. Der Verunglückte begab sich daraufhin selbstständig ins Krankenhaus Haßfurt, wo er nach mehrstündiger Behandlung starb. "Sein Zustand hat sich im Krankenhaus rapide verschlechtert", erinnert sich Firsching. Der Fall bleibt auch für den Polizeihauptkommissar rätselhaft. Möglicherweise habe schon eine organische Vorschädigung bei dem Mann vorgelegen, vermutet Firsching. Genau wisse aber niemand, wie das passieren konnte. Auch er und seine Kollegen haben sich gewundert, als sie von dem Tod des Fahrradfahrers erfahren hatten, denn tödliche Verletzungen bei einem solch relativ harmlosen Sturz seien äußerst selten.

Todesopfer waren sehr jung

Im Juni 2012 kam auf der B 279 (Höhe Eyrichshof) ein 70-jähriger Mann ums Leben. Nach einem Frontalzusammenstoß mit dem Fahrzeug eines 44-Jährigen, der sein Auto auf die Gegenfahrbahn gelenkt hatte, kam für den Senior jede Hilfe zu spät.
Wolfgang Busch, Verkehrsexperte für die Polizeiinspektionen Haßfurt und Ebern, kommt in seinem Verkehrssicherheitsbericht zu dem Schluss, dass sich "ein gravierender Unterschied zum Vorjahr" bei der Altersgruppe der getöteten Personen ergibt. Betraf es 2011 eine 18-jährige Fahranfängerin aus der sogenannten Risikogruppe (junge Erwachsene), starben 2012 "gleich drei junge Kraftradfahrer zwischen 17 und 18 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls". Dies will die Polizei eigenen Aussagen zufolge zum Anlass nehmen, den Fokus verstärkt auf Präventionsarbeit in dieser Altersgruppe zu richten. Wenngleich Polizeivizechef Firsching einräumt, dass Präventionsarbeit im Fall von Vorfahrtmissachtungen oder Abbiegefehlern nicht wirklich zielführend ist. Das sei eher eine Frage der Aufmerksamkeit. Und Momente, in denen ein Fahrer kurz abgelenkt ist, gebe es immer wieder, auch in anderen Altersgruppen, beschreibt er.
Trotzdem sei es sinnvoll, bei den Fahranfängern anzusetzen. "Jungen Leuten fehlt es einfach an Erfahrung", sagt Firsching. Fehler machten sie schließlich nicht mit Absicht. Deswegen findet er es gut, dass 17-Jährige den Führerschein bekommen können, dafür aber ein Jahr in Begleitung eines Erwachsenen fahren müssen: "Ich gebe zu, ich war da anfangs skeptisch", sagt er. Aber mittlerweile habe sich das Konzept offenbar bewährt.

Die Verkehrsentwicklung im Kreis Haßberge in Zahlen

Unfälle
Die Zahl der Verkehrsunfälle im Landkreis Haßberge ist im Jahr 2012 leicht zurückgegangen. Es passierten 2010 Unfälle. Im Jahr zuvor (2011) zählte die Polizei 2079 Unfälle.

Opfer Im Jahr 2012 starben fünf Menschen bei Unfällen und 330 Personen wurden verletzt. 2011 waren es sieben Todesopfer und 351 verletzte Personen.

Struktur Der Kreis Haßberge erstreckt sich auf einer Fläche von 956 Quadratkilometern, die von aktuell 84 653 Bürgern bewohnt werden. Für den öffentlichen Verkehr stehen 26 Kilometer Autobahn, 98 Kilometer Bundesstraße, 236 Kilometer Staatsstraße, 321 Kilometer Kreisstraße und 215 Kilometer Gemeindeverbindungsstraße im gesamten Landkreis bereit.

Dichte Der Kraftfahrzeugbestand erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent von 69 259 auf 81 253 Fahrzeuge.