Als Wolfgang Seyfried noch ein junger Bursche war, da war er flink und wendig. Heute ist das anders: "Ich habe jetzt einen ziemlichen Ranzen", sagt der 61-jährige Elektroinstallateur, der in Trossenfurt ein Geschäft betreibt. Zur Folge hat das, dass er nicht mehr auf Dächer klettert und Empfangsantennen montiert. Als er 1965 mit 15 Jahren bei einer Elektrofirma in Stegaurach in die Lehre ging, war Dächerkraxeln für ihn der Normalfall. Dann hat er große Haus-Antennen festgeschraubt, damit die Kunden - "Achtung", sagt Seyfried und würde am liebsten noch einen Trommelwirbel mitliefern - damit die Kunden maximal "drei Sender empfangen konnten".

Es hat gefunkt

Drei Sender, terrestrisch ausgestrahlt, also von einem im Boden verankerten Funkmast verbreitet. Mit heutiger Satellitentechnik nicht vergleichbar, findet Seyfried.
Auch von noch kargeren Zeiten weiß der 61-Jährige: Einige Jahre lang hatten die wenigen Besitzer eines Fernsehgeräts gar keine Wahl. Anfang der 50er Jahre machte die ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) ihre ersten Gehversuche. Im November 1954 schließlich ging "Das Erste" in schwarzweißer Farbe regelmäßig auf Sendung. "Bei uns in Unterfranken wurde der Sender von der Antenne am Kreuzberg (in der Rhön, die Red.) ausgestrahlt", erklärt Seyfried.

Auf den Knopf getroffen

Ein altes Empfangsgerät von Philips, Baujahr 1958, hat Seyfried noch in seinem Geschäft in Trossenfurt stehen. "Der funktioniert noch", sagt er. Er schnappt sich eine Fernbedienung und richtet sie auf den alten Apparat. Nichts tut sich. Fernbedienungen hatten solche Geräte meistens nicht, erklärt er. Seyfried deutet auf die Seite des Kastens, dort befinden sich einige Knöpfe. Da ließ sich die Kiste an- und ausschalten, die Lautstärke regeln und der (eine) Sender einstellen. Der Philips empfängt Mikrowellen im UHF-Band (Ultra High Frequency - Ultrahochfrequenz). Als weitere Sender dazu kamen, konnten diese über Ultrakurzwellen (UKW) empfangen werden. Fernsehtechniker verwendeten dafür die englische Bezeichnung VHF I (Very High Frequency - sehr hohe Frequenz).

So wurde damals Fernsehen möglich, und heute gibt es unzählige Sender zur Auswahl, die meist nicht mehr terrestrisch, sondern via Satellit empfangen werden. "50 Programme und wenn du Pech hast, findest du auf keinem etwas", sagt Seyfried und lacht. Die Fernseher von früher funktionierten alle mit Bildröhre, heute hat fast jeder einen LCD-Bildschirm daheim (LCD ist die Abkürzung für die englischen Worte "Liquid Crystal Display" - Flüssigkristallanzeige). Seyfried erinnert sich, als er mit seinem Lehrmeister 1965 den ersten Farbfernseher mit Bildröhre an einen Kunden ausgeliefert hat. "Das war ein Blaupunkt, ein richtiger Eumel", sagt er. "Der hat rund 70 Kilo gewogen." Den hat er mit seinem Chef gemeinsam getragen.

Teure Reparatur

Heutige Großgeräte sind viel leichter. Dafür hat ihre Haltbarkeit nachgelassen, findet Seyfried. "Der Schrott, der eingebaut wird, wird immer größer", sagt er über einige der großen TV-Geräte-Hersteller. Wenn er früher einen Fernseher repariert hat, musste entweder eine Röhre, das Netzteil oder ein Transistor ausgetauscht werden. Ersatzteile kosteten nicht die Welt und das Reparaturgeschäft war für die Kunden erschwinglich. Heute, erklärt Seyfried, kosten die Netzteile diverser Geräte bis zu 200 Euro. Häufig gebe es Ersatzteile für ein Modell nur für zwei Jahre, weil dann ein neues Modell auf den Markt käme. Dann müssten bei der Elektronik gleich ganze Module oder Bausätze ausgetauscht werden, was wiederum teuer ist.

Abgesehen davon, dass Wolfgang Seyfried in seiner Laufbahn tausende Fernsehgeräte aller Art von innen und von außen gesehen hat, gibt es für ihn persönlich eine noch direktere Verbindung zum Fernsehen. Denn Seyfried hat schon einmal in einem Krimi mitgespielt. Das Arrangement kam zu Stande, weil der 61-Jährige viele Jahre mit dem 1999 gestorbenen Schauspieler Günter Strack befreundet war. Die beiden hatten sich in Bamberg kennengelernt, als Strack dort für die Serie "Der König" drehte.

Günter Strack rät ab

Wolfgang Seyfried fragte eines Tages seinen Freund, ob er es nicht möglich machen könnte, dass er eine kleine Rolle in der Reihe "Der König" bekommt. "Nur zur Gaudi." Strack sprach mit dem Regisseur. Der schlug vor: "Lassen wir ihn halt eine Leiche spielen." Strack legte sofort sein Veto ein: "Eine Leiche kann er net spielen, weil der hält sei Goschn net". So bekam Seyfried eine Rolle als Pförtner am Klinikum in Bamberg.