Diesen Abend wird keiner der 250 Besucher so schnell vergessen. Zu außergewöhnlich, zu atemberaubend und zu mitreißend haben Alexander Glöggler und Philipp Jungk von den Zuhörern bei ihrer Percussionshow in der Stadthalle in Haßfurt vor Augen und Ohren geführt, wie faszinierend Rhythmus sein kann, als dass dieses Erlebnis allzu früh verblassen könnte.


Unter den Zuhörern waren auch viele "Hobbyschlagzeuger" wie Norbert Weich aus Waldsachsen, der zuhause oder mit Freunden auf der Djembe, einer afrikanischen Trommel, spielt. "Ich bin von dem Konzert begeistert", schwärmte er. "Die Harmonie zwischen den beiden Künstlern ist faszinierend. Sie haben sehr viel Fluss in ihrem Spiel, und besonders ergreifend finde ich, wie konzentriert sie spielen und ihren Rhythmus finden." Auch der zehnjährige Justus Tempel aus Wonfurt, der seit einem Jahr Schlagzeugunterricht hat, lobte das Duo.
"Ich finde es interessant, wie viele verschiedene Instrumente sie spielen und dass sie selbst mit Werkzeugen aus dem Baumarkt Musik machen können."


"Das hätte ich nicht gekonnt!"



Die Rhythmen, die Alexander Glöggler und Philipp Jungk gespielt hätten, seien nicht einfach, betonte er. Dem stimmte Matthias Kram aus Donnersdorf zu, der bei der Schweinfurter Gruppe "Os paixes do Samba" spielt. "Am besten hat mir das Stück gefallen, bei dem die beiden an zwei Marimbas unterschiedliche, ungerade Rhythmen gespielt haben", schilderte er. "Das hätte ich nicht gekonnt!"

Petra Lettang vom Kulturamt berichtete, dass sie durch Medienberichte auf das Münchner Duo, das 2010 mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet wurde, aufmerksam geworden sei. "Als ich dann die beiden Musiker im Februar dieses Jahres auf der Kulturbörse in Freiburg kennenlernte, habe ich sie nach ihrem dortigen Gastspiel kurzerhand engagiert", sagte sie. Was für ein Glücksfall für Haßfurt, denn das Duo "Double Drums" bot in Haßfurt einen wunderbaren Ausschnitt aus seinem Programm.


Trommeln auf allem, was Krach macht



Schon die vielen unterschiedlichen Schlaginstrumente, die auf der Bühne aufgebaut waren, ließen einen spannenden Abend und eine tolle Reise durch die Welt der Rhythmik erwarten. Tatsächlich spielten Alexander Glöggler und Philipp Jungk mit großer Hingabe, Perfektion, Experimentierfreude, Spaß und Virtuosität auf allem, mit dem man irgendwie einen Klang erzeugen kann. Auf "normalen" Schlagzeugen, Trommeln aller Art, Becken, Gongs, gespannten Fellen, Rasseln und Marimbas, aber auch auf Ölfässern, Kanistern und mit Werkzeugen aus dem Baumarkt wie Ratschen, Bohrmaschinen, Kellen, Spachteln oder Sägen.

Einige ihrer Stücke hatten sie zur Visualisierung des Themas mit Filmsequenzen unterlegt, darunter aus dem Film "Just in time", bei dem sie an der Filmmusik mitgearbeitet haben. Viele ihrer Kompositionen sind faszinierende Lautmalereien, die Wüsten, Meere, Gefahren, Stille oder Einsamkeit beschreiben, galoppierende Tierherden vor das geistige Auge rufen, Sanftheit und Gewalt von Wasser demonstrieren, Sandkörner ins Gesicht "blasen", eine Reise in die Antarktis versprechen und sogar ins Weltall entführen.


Hart und zart



Einige "Lieder" haben Rhythmen, die ins Blut gehen, andere bezaubern durch zarte Melodien, die zum Träumen anregen, und immer wieder gibt es bis zur Extase getriebene Trommelwirbel, die mit Begeisterungsstürmen beantwortet wurden. Auch das humorvolle "Duell" zwischen "Fans" von FC Bayern München und Borussia Dortmund auf der kleinen Trommel wurde mit viel Applaus bedacht.

"Musik ist für mich Stimmung, Atmosphäre, Gefühl, Power, Spaß und Leidenschaft", erzählte Philipp Jungk. Alexander Glöggler meint: Musik "sind Klänge, die einen berühren". Insofern erreichen die beiden studierten Schlagzeuger auch ihr Publikum mit ihren Kompositionen. Und komponiert sind ihre Stücke allesamt, was aufgrund der perfekten Harmonie, die man zwischen den beiden Spielern erlebt, nicht verwunderlich ist.

"Im Kopf abspeichern"


Die Melodie ist, auch wenn man das als Laie von einem Schlagzeuger weniger erwarten würde, für sie ein ganz bedeutender Faktor. "Melodien entstehen durch unterschiedliche Klänge, sie sind Tonfolgen, die rhythmisiert werden und durch die wir uns unsere Stücke merken", erklärte Alexander Glöggler, "denn unsere Stücke sind alles Melodien, die wir im Kopf abspeichern und dann spielen."
Künftig möchten die beiden, die immer wieder auch mit Filmkomponisten zusammenarbeiten, ihren außergewöhnlichen, experimentierfreudigen Stil noch weiterverfolgen und noch mehr Elemente in die Shows einbringen: "Wir sind offen für Neues, es gibt keine Tabus und kein Ziel, wir sind ständig auf der Suche. Der Weg ist das Ziel."

Wie fantasievoll sie diesen Weg gehen, zeigten sie auch nach dem frenetischen Schlussapplaus bei den beiden Zugaben, für die "lediglich" ein großer Karton und zwei Stehleitern zur Verfügung standen. Doch sie haben genügend Talent und Fantasie, um selbst darauf noch faszinierende Musik zu machen.