Vor der eigentlichen Sitzung begab sich der Gemeinderat Oberaurach am Mittwoch in den Wald, um sich über die Bewirtschaftung durch Förster Albrecht Hartung kundig zu machen. Als Grundsatzfrage stand im Raum, ob auch im Gemeindewald Oberaurach das Trittsteinkonzept des Staatsforstbetriebs Ebrach umgesetzt werden sollte beziehungsweise könnte.

Dazu führte Hartung die Gemeinderatsmitglieder zunächst in die Waldabteilung "An der Aurach" in Neuschleichach. Auf 3,5 Hektar Steilfläche wurde hier seit 60 Jahren nicht gewirtschaftet, für die Ratsmitglieder war kaum ein Durchkommen. Viele Mauerreste zeigen, dass der Hang früher entweder als Obstplantage oder sogar als Weinberg bewirtschaftet wurde, auch finden sich noch einige Obstbäume, die meisten allerdings abgestorben, weil andere Arten ihnen mittlerweile das Licht genommen haben. Dieses Waldstück könnte doch auch als Naturwaldreservat ausgewiesen werden, so Julian Bayer, der die Anfrage bezüglich des Trittsteinkonzepts gestellt hatte. Könnte grundsätzlich ja, meinten die übrigen Ratsmitglieder, doch einen Zaun, wie er um ein Naturwaldreservat notwendig ist, möchten sie nicht, in der unmittelbaren Ortsrandlage wolle man sich außerdem nicht die Möglichkeit nehmen, im Fall der Fälle doch einzugreifen.


Gemeindewald hält viele Vorgaben ein

Grundsätzlich würden im Oberauracher Gemeindewald viele Vorgaben des Trittsteinkonzepts eingehalten oder gar übertroffen. "Wir haben längst mehr als zehn Biotopbäume je Hektar", erklärte Hartung stolz und zeigte an der Eltmanner Straße eine ganze Ansammlung von lebenden, aber auch toten Bäumen, von denen jeder fünf bis sieben Spechthöhlen trägt. Doch auch hier wurde eines deutlich, was die 180 Hektar Gemeindewald kennzeichnet: Es handelt sich nirgends um größere geschlossene Flächen, überall schließt entweder Staatswald, Privatwald oder Stadtwald von Eltmann oder Bamberg an.

Das Trittsteinkonzept allerdings wirke in die Fläche. Die Philosophie des Trittsteinkonzepts bezüglich Artenvielfalt werde im Gemeindewald Oberaurach jedoch umgesetzt. Und das gerade durch die Bewirtschaftung. "Ohne Bewirtschaftung hätten wir bei weitem nicht die Vielfalt, wie sie sich heute darstellt", erklärte der Forstfachmann.

Zum Thema Stilllegung erklärte Förster Hartung, dass der Oberauracher Wirtschaftswald mindestens ebenso viel Artenvielfalt beherberge, wie die nicht bewirtschafteten Flächen. Viele solcher Flächen finden sich in Steillagen oder in ehemaligen Steinbrüchen. Viel stehendes Totholz biete der Gemeinderat, bei liegendem Totholz gebe es Nachholbedarf, weil die Gemeinde sehr bemüht sei, die Nachfrage nach Brennholz aus der Bevölkerung zu decken.

Hartung freute sich über das Interesse des Gemeinderates an der Bewirtschaftung des Waldes und lud herzlich ein, sich regelmäßig bei solchen Waldgängen zu informieren. Bürgermeister Thomas Sechser regte gleich einen nächsten Rundgang an, denn in der Argumentation mit der Bevölkerung sei es hilfreich, mal einen Einblick zu erhalten, wie der Förster entscheidet, welcher Baum stehen bleibt und welcher gefällt wird.


Bebauungsplan "Zum Trieb"

In der anschließenden Sitzung wurde zunächst die Änderung des Bebauungsplanes "Zum Trieb" in Neuschleichach behandelt. Verschiedene Träger öffentlicher Belange hatten Anregungen zur Neufassung abgegeben, die einzeln abgewogen wurden. Der Bebauungsplan lag lange Zeit in der Schublade, inzwischen gibt es viele Bauwillige in Neuschleichach, Leerstände gibt es im Ort praktisch überhaupt nicht mehr. Deshalb möchte der Gemeinderat den geänderten Bebauungsplan baldmöglichst abschließen. Ähnlich ist die Situation in Dankenfeld und Kirchaich. Wenn die Submission gut läuft, dann sollen die Erschließungsarbeiten für beide Baugebiete direkt nach den Sommerferien beginnen, kündigte Bürgermeister Sechser an.

Mehrere Bauanträge wurden vom Gemeinderat befürwortend an das Landratsamt weitergeleitet.
Ausführlich diskutiert wurde ein Antrag des Kindergartens Kirchaich auf den Einbau von Bodenschwellen in der Straße Quellengrund. Die ist bisher eigentlich eine Sackgasse, wird erst weitergeführt, wenn das Baugebiet "Hinter der Quelle" erschlossen wird. Dennoch entwickle sich schon jetzt reger Durchgangsverkehr, teilten Kindergartenleitung, Elternbeirat und Trägerverein dem Gemeinderat mit.

Unter anderem entsteht der Verkehr, weil aus dem Quellweg, eigentlich ebenfalls Einbahnstraße, über einen Feldweg Fahrzeuge in den Quellengrund fahren. Die Bauverwaltung der Gemeinde schlug auf Antrag des Kindergartens vor, zwei Schwellen einzubauen, wie sie im Baugebiet "Osterfeld" in Haßfurt offenbar gut funktionieren. 6.000 Euro sollten diese zusammen kosten, das will der Gemeinderat auch investieren. Ob sich ein Pfosten am Ende des Quellweges rentiert, wenn die Erschließung "Hinter der Quelle" ohnehin im Herbst beginnt und dann die Sackgasse endgültig geschlossen wird, wurde bezweifelt.