Feldhase "Hasi" nuckelt an einem Fläschchen, während Ilse Mahr ihn wie einen Säugling im Arm wiegt. Hund "Lasko" sitzt auf allen Vieren daneben, spitzt die Ohren, seine Augen folgen aufmerksam jeder Regung. "Hasi" ist fertig, putzt sich und hoppelt durch das Wohnzimmer. "Lasko" folgt wie ein großer Schatten. Schmiegt sich "Hasi" an "Laskos" Fell, schleckt der Rüde über seinen Kopf. "Lasko lässt den Kleinen nicht aus den Augen", erzählt Herrchen Karl-Heinz Mahr.

Der Australian-Shepherd-Mischling hatte den Feldhasen vor etwa drei Wochen im Garten der Familie im unterfränkischen Sand am Main (Landkreis Haßberge) aufgespürt. Auf den ersten Blick habe er ausgesehen, wie ein durchnässtes Wollknäuel, das "Lasko" mit seiner Nasenspitze zum Haus stupste, erzählt Mahr. Beim genauen Hinsehen erkannte er das Feldhasen-Baby - unterkühlt und hungrig. Nicht einmal so groß wie die Hand des 65-Jährigen soll "Hasi" gewesen sein.

Hütehund rettet Hasen-Baby: Familie wird in sozialen Medien beschimpft

Zusammen mit seiner Frau wärmt, trocknet, säubert und füttert er den Feldhasen. Das Ehepaar ist sich einig: "Ohne Lasko hätte Hasi die Nacht nicht überlebt." Die Mahrs informieren sich im Internet, kaufen Babymilch und ein Trinkfläschchen für den Nachwuchs. Knapp 150 Gramm soll der Feldhase beim Fund gewogen haben. Zwei Wochen später sind es satte 500 Gramm. Mehrere Medien berichteten über die tierische Freundschaft. Danach gibt es Ärger. Auf Facebook formierte sich eine Gruppe, die am Tierwohl des Wildhasens zweifelt. "Wir und unsere beiden Söhne wurden beschimpft", erzählt Karl-Heinz Mahr.

Tatsächlich kann es in Deutschland strafbar sein, ein Wildtier aufzunehmen. Nur in offensichtlicher Not dürfen Wildtiere aufgenommen werden. Nach Paragraph 45 (Absatz 5) des Bundesnaturschutzgesetzes ist es "vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften ferner zulässig, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu pflegen". Die Polizei oder ein Jagdpächter müssen vorab informiert werden.

Laut Familie Mahr wurde die zuständige Jagdpächterin kontaktiert. "Die Jagdpächterin hat ihr ausdrückliches Einverständnis erklärt, dass sich die Familie Mahr weiterhin um den Hasen kümmert", zitierte die "Main-Post" einen Vorsitzenden des Landesjagdverbandes Bayern der Kreisgruppe Haßfurt. Die Hasen-Mutter hätte das Jungtier wegen "Laskos" Geruch wahrscheinlich nicht mehr angenommen. Die Jagdpächterin gab an, bei der Entscheidung nicht involviert gewesen zu sein und wollte sich nicht weiter zu dem Fall äußern. 

Junghase aus medizinischen Gründen von Familie getrennt

Vergangene Woche war "Hasis" Erstuntersuchung beim Tierarzt. Der Feldhase hatte Blähungen und sollte zunächst zur Aufsicht bleiben. Wenig später kam ein Anruf der Ärztin: Medizinisch sei es nötig, den Hasen an eine Expertin abzugeben. Wo "Hasis" neues Zuhause ist, werde man der Familie nicht mitteilen, gibt Karl-Heinz Mahr das Gespräch wieder. "Meine Frau hat den ganzen Tag geweint. Ich musste mir auch die Tränen zurückhalten", sagt er. "Wir verstehen, wenn der Feldhase aus gesundheitlichen Gründen nicht bei uns leben kann." Aber ohne Abschied? "Die letzten Tage war Lasko unruhig und hat überall rumgeschnuppert", sagt Karl-Heinz Mahr.

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Auf Nachfrage verwies die Praxis auf einen örtlichen Tierschutzverein, der auch eine Wildtierauffangstation hat. Dort war man empört über den Fall. Es sei nichts gegen die Familie, aber einiges sei "unmöglich gelaufen", sagte eine Mitarbeiterin. Der Hase habe unter Dauerstress gestanden, weil er vom Instinkt her ständig bedroht wurde, unter anderem vom Hund im Haushalt. Zudem sei er falsch gefüttert worden. Das Tierheim warnt vor Nachahmern. "Wir sind froh, wenn Tieren geholfen wird, aber bitte unter fachlicher Aufsicht." Wie der Verein mitteilte, ist der junge Feldhase vor einigen Tagen gestorben. Familie Mahr erfuhr durch die Presse von "Hasis" Tod.