Wer macht denn sowas? Ein liebevoll gepflegtes Kindergrab: darauf mehrere Blumen, Kerzen, Stofftiere, ein Porzellan-Engel, ein Erinnerungsstein, ein schlichtes Kreuz, das von einem großen Teddybär umrahmt wird. Jemand hat den Teddy weggenommen, offenbar weil er sich an dem unkonventionellen Grabschmuck störte. "Das ist eine Frechheit", sagt Jaqueline Baumann. Sie ist die Mutter des kleinen Jake, der in dem Grab auf dem katholischen Friedhof in Ebelsbach ruht.

Nur einen Tag wurde der Bub alt, nachdem er am 19. Oktober 2013 wegen Komplikationen in der 25. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt verfrüht auf die Welt kam. Seine kleinen Lungen waren nicht richtig ausgebildet und er schaffte es nicht, selbstständig zu atmen. Am 20. Oktober starb Jake. Für Jaqueline Baumann begann eine unvorstellbar schwere Zeit. "Ich musste mein Kind beerdigen." Die heute 22-Jährige hat mit den fast täglichen Besuchen der Grabstätte ihres Sohnes eine Möglichkeit gefunden, mit dem Verlustschmerz umzugehen.

Zur Weihnachtszeit 2014 brachte sie mit ihrer Mutter Eva Baumann den großen Teddy zu Jakes Grab, der nun seit Mitte vergangener Woche verschwunden ist. "Wissen Sie, jeder hat eine andere Art, mit seiner Trauer umzugehen", erklärt Eva Baumann. Die 50-Jährige, ihre Tochter Jaqueline und Jakes Vater, René Pierchalla (33), haben sich mit dem Fränkischen Tag am Ebelsbacher Friedhof zum Gespräch getroffen. Auch wenn der Teddybär rein materiell betrachtet nicht von großem Wert sei, so hatte er doch in ganz anderer Hinsicht eine Bedeutung für die Familie, sagt Eva Baumann: "Du redest dir halt ein, der passt irgendwie auf."


Gemeinde: Teddy sollte weg

Sonderbar ist jedoch: Der Teddy verschwand, kurz nachdem die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebelsbach Jaqueline Baumann darauf angesprochen hatte, dass das Stofftier dort nicht dauerhaft bleiben könne. Wie Helga Greul vom Einwohnermeldeamt sowie von der Friedhofsverwaltung erklärt, sei Jaqueline Baumann eigentlich zu ihr gekommen, um eine Angelegenheit wegen ihres Personalausweises zu klären.

Bei der Gelegenheit habe sie die 22-Jährige auch darauf angesprochen, dass es wegen des übergroßen Teddys auf dem Friedhof bereits Beschwerden anderer Friedhofsbesucher gegeben habe. Nach zwei Wintern und über einem Jahr ständig der Witterung ausgesetzt, sei der Stoffbär ziemlich heruntergekommen gewesen. "Ich habe Frau Baumann gebeten, den Teddybär vom Grab zu nehmen." Dafür habe die junge Frau auch Verständnis gezeigt.

Dass der Bär nur kurz darauf verschwunden war, kann sich Greul nicht erklären. Auf Anweisung der Gemeinde jedenfalls sei das Stofftier nicht entfernt worden, versichert sie.


Polizei würde bei Anzeige gegen unbekannt ermitteln

Martin Horn, stellvertretender Bürgermeister von Ebelsbach und auch Leiter des Bauhofs, sagt, die Gemeinde würde so etwas nicht ohne Rücksprache mit den Angehörigen machen. Sicherheitshalber ruft er nochmal bei seinen Leuten im Bauhof an, ob jemand Näheres weiß. Aber in Sachen Gräber "sind sie normalerweise schon sehr sensibel." Am Telefon erklärt ihm einer seiner Mitarbeiter, dass man letzte Woche sogar, unmittelbar nachdem bekannt wurde, dass der Teddy verschwunden ist, den Müllcontainer am Friedhof gecheckt hatte. Vom Teddy keine Spur.

Dass das Stofftier auf diese Weise weggekommen ist, findet Horn schade, wenngleich der Teddybär schon entfernt werden sollte. Aber das müsse man den Grabbesitzern selbst überlassen, sagt er.
Die Polizei in Haßfurt erklärt zu der Sache übrigens, dass sie in diesem Fall gegen unbekannt wegen Diebstahls ermitteln würde, wenn jemand den Vorfall anzeigt. Um eine Störung der Totenruhe handelt es sich nach Auskunft der Polizeiinspektion nicht; dazu müsste das Grab stärker beeinträchtigt werden, man "müsste schon darin herumgraben".


Verdruss bleibt

Für Jaqueline Baumann bleibt der Verdruss, dass sich überhaupt jemand an einem schön geschmückten Kindergrab stören könnte und deswegen einen angeblich nicht konformen Stoffteddy entfernt. Immerhin hat die Geschichte dazu geführt, dass sich das Verhältnis der jungen Frau zu ihrem ehemaligen Lebensgefährten und Jakes Vater wieder verbessert hat, die gemeinsame Trauer verbindet eben. Die 22-jährige Frau ist übrigens 2014 erneut Mutter geworden, diesmal ging alles gut: Mit ihrem neuen Freund hat sie eine Tochter. Emily heißt die kleine Schwester von Jake. Und Jake bleibe immer ein Teil der Familie, sagt Eva Baumann: "Er gehört einfach dazu."