Jahrzehntelang haben Trafohäuser das Erscheinungsbild vieler Gemeinden geprägt. Mittlerweile sind sie an vielen Stellen durch neue Technologie ersetzt worden. Teilweise wurden sie abgerissen oder einer anderen Nutzung zugeführt.

Manche dienen nun als Vogelhotel und damit als Nistort, wurden zum Kunstobjekt oder werden von Menschen bewohnt. In der Gemeinde Ebelsbach wartet das alte Trafohaus in der Maingasse derzeit auf eine Entscheidung, wie es künftig genutzt werden soll.

Erste Straßenbeleuchtung 1880

Und wofür wurden die Trafohäuschen ursprünglich gebaut? Hintergrund war die Elektrifizierung. Eine dort eingebaute Schalt- und Umspannanlage setzte die Mittelspannung in Niederspannung um, mit der die Häuser oder die Straßenbeleuchtungen versorgt wurden.

In Ebelsbach gibt es schon seit dem 30. November 1880 eine Straßenbeleuchtung. Aber es waren zuerst nur sechs Petroleumlampen, die den Ort erleuchteten. Gestiftet hatte sie der jüdische Kaufmann Seligmann Goldschmiedt, der in Ebelsbach aufgewachsen und später nach Triest in Italien ausgewandert war. Er knüpfte sein Geschenk allerdings an die Auflage, die Laternen binnen drei Wochen aufzustellen. Die Gemeinde Ebelsbach bestellte dazu einen Laternenanzünder, der jeden Abend seine Runde im Dorf machte.

Ab 1908 war es wohl Kaspar Lochner, der die Straßenlaternen in Gang setzte. Das war kurz vor der Elektrifizierung. Laternenanzünder war aber nicht sein Hauptberuf. Er war Wasenmeister, eine Bezeichnung für Abdecker, also Beseitiger von Tierkadavern.

Von einem Trafohaus ist in dieser Zeit noch nicht die Rede. Laut dem Ebelsbacher Gemeindearchivar Roland Mayer gibt es darauf keine Hinweise, erst wieder in der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Im Zweiten Weltkrieg zerbombt

Hier wurde das Werksgelände der Firma Kugelfischer zwischen Ebelsbach und Eltmann von den alliierten Streitkräften schwer bombardiert. Grund für die Angriffe war die Kugellagerproduktion, insbesondere für die Rüstung.

Beim zweiten Angriff am 21. Juli 1944 auf das Werk wurde eine der beiden Fertigungshallen schwer beschädigt, die zweite Fertigungshalle und zwei Trafostationen total zerstört. Hier ist also ein erster Hinweis auf Trafohäuser zu finden. In der Gemeinde dürfte deswegen erstmals in den 30er Jahren ein solches Haus errichtet worden sein.

In Stettfeld zogen Vögel ein

Im Nachbarort Stettfeld wurde das Trafohaus auf dem Grundstück der Brauerei Merklein vor zwölf Jahren aufgelassen. Die Gemeinde Stettfeld hat es übernommen, und die Wandergruppe des SC Stettfeld hat sich um eine andere Nutzung bemüht und es als Nistplatz für Vögel umgestaltet. Auch die weitere Pflege hat die Wandergruppe übernommen.

In anderen Orten des Landkreises hat die Bayernwerk Netz GmbH mit der Aktion "Kunst am Trafo" einen künstlerischen Blickfang geschaffen: Professionelle Sprüher erarbeiten zusammen mit den Gemeinden ein künstlerisches Konzept und verschönern die Trafostationen.

So sorgten Sprühkünstler in Aidhausen für einen sichtbaren Jahresverlauf mit dem Motiv "Frühling, Sommer, Herbst und Winter" und die Stadt Ebern hat anlässlich des Rückert-Jahres die Verbindung des Dichters zur Stadt mit ihrem berühmten Kegelspiel gelungen in Szene gesetzt. Ebenso hat Hofheim ein solches Haus künstlerisch gestaltet.

Haßfurt hat diese Kunst sogar für einen Neubau übernommen. An der Umspannstation im Osten der Stadt hat das Stadtwerk das kleine Technikgebäude mit dem Schriftzug Energie verziert.

Wird Trafohaus in Ebelsbach abgerissen?

Was geschieht nun mit dem alten Trafohaus in Ebelsbach in der Maingasse? Nachbar Georg Engel spricht von einem "sehr schönen Trafohaus aus Sandsteinen", das sich allerdings auf der Westseite abgesetzt und einen Riss bekommen hat und deswegen baufällig wurde. Es müsste also auf jeden Fall etwas unternommen werden, so Engel.

Marco Bühl von der Bauverwaltung der Verwaltungsgemeinschaft Ebelsbach spricht von Bemühungen der Gemeinde, hier etwas zu machen. Die Gemeinde habe deswegen das Trafohaus vom Bayernwerk gekauft, weil insbesondere die Sandsteine einen besonderen Nutzen darstellten.

Das Gebäude sei mit einer Betoninnenwand geschaffen, um das ein schönes Sichtmauerwerk aus Sandsteinen gelegt worden sei. Allerdings habe das Haus in den letzten Jahren einen Riss bekommen, so dass es einsturzgefährdet sei. Deshalb denke die Gemeinde daran, das Haus abzureißen und die Sandsteine anderweitig zu verwenden.

Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Vielleicht lohnt es sich sich umzusehen, was andere Kommunen aus ihren Trafohäuschen gemacht haben. Neben Vögel- und Insektenhotels wurden manche zu Lofts und Einzelunternehmen umgebaut. Ein Ehepaar im hessischen Oberursel gestaltete eine ehemalige Trafostation sogar zum Wohnhaus um - mit Schlaf-, Wohnzimmer, Küche und Bad auf 14 Quadratmetern. Ihre kleine Villa steht auf einem Grundstück mit 23 Quadratmetern und gilt als kleinstes frei stehendes Haus in Deutschland.