Bei der Kontrolle eines Hofes in den Haßbergen im Juli 2013 hatte Amtstierärztin Simone Nowak einen Esel in einem völlig verwahrlosten Zustand vorgefunden. "Die Hufe waren etwa zwölf Zentimeter zu lang und wie eine Banane nach vorne durchgebogen. Dadurch hatte das Tier ständig große Schmerzen", erklärte sie Amtsrichterin Ilona Conver. Sie leitete die Verhandlung gegen den 49-jährigen Esel-Besitzer, der wegen Tierquälerei verurteilt wurde (noch nicht rechtskräftig).

Der Angeklagte sah die Sache völlig anders: "Der Esel hat keine Schmerzen gehabt", wiederholte er und schüttelte den Kopf über das Unverständnis von Staatsanwältin und Richterin.

Die zeigten sich von den Bildern betroffen, die ihnen Amtstierärztin Nowak von den verformten Hufen zeigte. Normalerweise müssen diese regelmäßig geschnitten und gepflegt werden.
Veterinärassistent Roland Hesselbach beschrieb die Schmerzen des Esels sehr anschaulich: "Stellen Sie sich vorne zehn Zentimeter hohe Klötze unter die Füße und drücken Sie die Ferse auf den Boden. Das zieht." Wegen der Dauerbelastung der Sehnen habe der Esel nicht richtig laufen können.

Das war das Stichwort für den Angeklagten. "Der läuft nix mehr. Den hab` ich schlachten lassen", schleuderte er gestern in den Saal des Amtsgerichts Haßfurt. Und kommentierte das laufende Verfahren als "Lehrgeld", das er zahlen müsse. "Mehr ist das nicht."

Schon ein Jahr vor der Kontrolle, die Gegenstand der Verhandlung war, nämlich im August 2012, hatten die Veterinäre den Zustand des Esels bemängelt. "Da war das Hufhorn mit 15 Zentimetern noch länger", erinnert sich Amtstierärztin Nowak. Auf ihre Ermahnung hin ließ der 49-Jährige die Hufe des Esels schneiden. "Aber danach ist wieder nichts passiert und im vergangenen Jahr sah es fast wieder genauso aus."

Da der 49-Jährige bereits im März 2012 wegen Tierquälerei verurteilt worden war (damals hatte er einen anderen Esel verhungern lassen), verurteilte ihn Richterin Conver zu einer dreimonatigen Haftstrafe mit Bewährung und einer Geldbuße in Höhe von 700 Euro. Während der zwei Jahre langen Bewährungszeit darf der Mann außerdem keine Huftiere mehr halten.