Das Telefon klingelt, Hubert Karl nimmt ab, und am anderen Ende ist ein Marco Depner. "Den kannte ich gar nicht so persönlich, mehr vom Sehen her", erinnert sich der "Mister Spartathlon" aus Zeil. Die beiden verstanden sich auf Anhieb, hatten sie doch ein gemeinsames Herzensthema, das Laufen. 2012 ungefähr war das, sagt Hubert Karl und ihm steht dieser Moment vor einigen Jahren vor Augen, als das "Laufparadies Haßberge" geboren wurde. Die beiden "Papas" verabredeten sich und erkundeten von da an die Laufstrecken im Landkreis Haßberge.

Was unter "Laufparadies Haßberge" seit 2014 firmiert, das sind 68 Abschnitte zwischen vier und 30 Kilometern Länge, bunt verteilt im Landkreis - und handverlesen. Mit Hubert Karl zapfte der begeisterte Läufer Depner nämlich einen Mann an, der durch seine Bekanntheit in Läuferkreisen beste Kontakte hat zu allen heimischen Laufkreisen. So fragte sich Hubert Karl unerschütterlich durch nach Geheimtipps, schönsten Ecken und und und. Einen leidenschaftlichen Läufer, "der war damals noch Bürgermeister", sagt Hubert Karl mit einem Schmunzeln, besuchten sie auch: den heutigen Landrat Wilhelm Schneider in Maroldsweisach. Er steuerte seine Lieblingslaufstrecke für das Projekt bei.

Mit langem Atem...

Die Langestreckenlaufmaschine Hubert Karl blieb mit dem Knetzgauer Marco Depner auf Hochbetrieb. Zusammen kundschafteten sie viel viel mehr als die 845 Kilometer aus, die letztlich Eingang in diesen ersten Prospekt fanden, der mit einer Auflage von 10 000 Stück vor gut fünf Jahren in Umlauf kam und heute, zack, vergriffen ist.

Mittlerweile nach Anfragen in die ganze Bundesrepublik versendet, hat das "Laufparadies Haßberge" wie ein Mosaiksteinchen seinen Teil beigetragen zur touristischen Beliebtheit des Landkreises Haßberge. Der Kreis hat in sein Radwegenetz investiert und setzt auf Naturerlebnis. Da passt das "Lauferlebnis" dazu. Damals schon entstand es unter der Projektträgerschaft der Gemeinde Knetzgau als "Leader"-Projekt mit europäischen Geldern und sollte die Gemeinschaften stärken und vernetzen und das passierte auch. Das Laufparadies verbindet 25 Städte und Gemeinden.

Für Spezialisten und Familien

Viele heimische Lauffans finden sich in den ausgewählten Strecken wieder, das "Laufparadies Haßberge" nutzen zudem Familien gerne. Weil hier die Strecken akribisch aufgelistet und nach Schwierigkeitsgrad beschrieben sind. Marco Depner hat Wert auf persönliche Beschreibung gelegt, fügte ab und zu Tipps zu Sehenswürdigkeiten und Gastwirtschaften ein. "Wir haben ein Lauffeuer ausgelöst", sagt er grinsend.

Vorbild war damals ein ähnliches Projekt in der Fränkischen Schweiz, doch als sich die beiden Spezialisten das genauer ansahen, stellten sie fest: "Das wollen wir anders machen", sagt Hubert Karl. Nicht auf engstem Raum, wie dort, und nicht mit einem Metallstab auf jedem Kilometer. Das "Laufparadies" ist deshalb zum größten zusammenhängenden Laufgebiet Deutschlands geworden und stand damals schon unter dem Zeichen der Nachhaltigkeit. Die Markierungen sind spärlich und selbsterklärend, die Tafeln stabil aufgestellt.

Wohl einzigartig ist, dass die beiden "Papas" für ihr Kind bis heute unbedingt verantwortlich fühlen und Kontrolle laufen, und "auch die Hotline in der Broschüre hat sich bewährt, ich bekomme regelmäßig Anrufe wenn irgendwo etwas kaputt ist oder fehlt", sagte Marco Depner. Für die Neuauflage hat Hubert Karl, der eine Laufschule betreibt, die erzwungene Ruhephase im ersten Lockdown genutzt und ist "jeden Kilometer abgelaufen, so hab ich mir die Zeit vertrieben", schmunzelt der 62-Jährige. Auch Marco Depner ist regelmäßig hier unterwegs und er liebt die Begegnungen: "Man lernt Leute kennen beim Laufen und als Streckenwart - das sind ganz andere Gespräche." Die beiden grinsen in sich hinein, als sie sich an diese Anfangszeiten erinnern: Mit dem Lada der Gemeinde Knetzgau, ein ganz verlässliches geländegängiges Teil, haben sie sich die entlegensten Gegenden hineingearbeitet, haben geprüft und sich mit den Waldbesitzern und Förstern besprochen. So kann der Nutzer jetzt auch beruhigt die geführten Strecken laufen, ohne fürchten zu müssen, einen Revierfrieden zu stören.

Das ist das "Läuferparadies Haßberge"

Zahlen 845 Kilometer misst die Gesamtdistanz; die Einzelstrecken belaufen sich auf 4,2 bis 29,8 Kilometer. Die 68 Strecken führen vor allem durch Wald (398 km) und Flur / Feld (404 km) sowie durch Orte (43 km). 24 Prozent der Wege laufen über Asphalt und Pflaster, 64 Prozent auf Flur- und Waldwegen und zwölf Prozent gehören zur Kategorie Trail und Pfad.

Auflage Am 17. Dezember bekam Marco Depner die zweite Auflage in die Gemeinde Knetzgau (Projektträger) geliefert: 10 000 Stück, vier Paletten, 3,5 Tonnen.

Kartenmaterial Rein äußerlich sind die Karten kaum verändert, genau besehen wurden detailgenauere Zeichnungen unterlegt. So findet sich der Läufer auch ohne Smartphone und GPS zurecht.

Tipp Es gilt beim Laufen die "Goldene Regel": Wenn an Abzweigungen kein Hinweisschild den Weg weist, heißt es, geradeaus laufen und erst dann abbiegen, wenn ein Schild zum Abbiegen auffordert.

Farben Der Streckenverlauf korrespondiert farblich mit dem Streckenprofil. So weiß man immer, an welchem Punkt man sich in etwa befindet, auch der Höhenverlauf und somit die Krafteinteilung lassen sich damit abschätzen. Jede farbliche Veränderung im Verlauf bedeutet einen Höhenunterschied.kra