Die Hitze am Freitag, vertrieben durch eine kalte Dusche in der Nacht, trug bereits Züge der sommerlichen Hundstage. Ein Begriff, bei dem der Bürgermeister von Rentweinsdorf in Wallung geraten dürfte. Willi Sendelbeck (SPD) muss mit einer Geldstrafe rechnen, weil er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in Bamberg den Hund seines Nachbarn mit einem Schuss aus seiner Schrotflinte erlegt hat.

Der kuriose Fall, der Rentweinsdorf bundesweite Aufmerksamkeit beschert hat, beschäftigt die Justiz seit mittlerweile einem Jahr und dürfte so schnell auch nicht zu den Akten gelegt werden. Nach monatelangen Ermittlungen hat das Amtsgericht in Haßfurt jetzt einen Strafbefehl gegen Sendelbeck verhängt. Das bestätigte Amtsgerichtsdirektor Wolfgang Tietze auf Anfrage. Der Strafbefehl, ein Urteil auf schriftlichem Wege, das bei kleineren Vergehen das übliche Verfahren ist, sieht eine Geldstrafe vor.

Laut Tietze hat Sendelbeck über seinen Anwalt Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Folglich wird es demnächst zu einer öffentlichen Hauptverhandlung gegen Sendelbeck kommen, der die Vorwürfe bestreitet: "Ich bin unschuldig", hatte Sendelbeck gesagt und seither stets wiederholt, nachdem die angeblichen Jagdszenen in seinem Garten publik geworden waren. Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und gegen das Jagdrecht waren Gegenstand der Anklage, die die Staatsanwaltschaft in Bamberg erhoben hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Bürgermeister von Rentweinsdorf vor, am 21. April 2011 den Hundes seines Nachbarn in Salmsdorf mit einer Schrotladung schwer verletzt zu haben. Der Eigentümer brachte den Hund zu einem Tierarzt, aber der konnte den Vierbeiner nicht retten. Der Hund ging ein und wurde von seinem Herrchen unauffindbar im Wald vergraben. Erst Wochen nach dem Vorfall zeigte der Hundebesitzer Sendelbeck an, was die Ermittlungen zusätzlich erschwerte.

Der Hund soll mehrfach auf Sendelbecks Grundstück herumgestreunt sein, er soll Kinder angefallen und Bratwürste vom Grill geklaut haben. Eine lange Liste von Verfehlungen des Hundes hatte Sendelbeck nach Bekanntwerden des Falles zu seiner Verteidigung an die Medien verschickt. Dass er etwas mit dem Tod des Tieres zu tun haben soll, verwies der Bürgermeister aber ins Reich der Verleumdung.

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Nach Auskunft des Leitenden Oberstaatsanwalts in Bamberg, Bardo Backert, gibt es einen "hinreichenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten", der sich durch die umfangreichen Ermittlungen erhärtet habe. Dabei gehe es um das "unerlaubte Führen einer Schusswaffe, strafbare Tiertötung und Sachbeschädigung".

Bereits im Februar hatte die Staatsanwaltschaft laut Backert beim Amtsgericht in Haßfurt einen Strafbefehl gegen Sendel-beck beantragt. Dem war der zuständige Richter zunächst aber nicht gefolgt, was nach Aussage des Leitenden Oberstaatsanwaltes "eher selten passiert". Vielmehr hatte der Richter Nachermittlung angeordnet, um "einige für das Gericht wichtige Gesichtspunkte noch abzuklären", so Backert weiter.

Wie unser Portal aus sicherer Quelle erfahren hat, ging es dabei unter anderem um die Frage, wie viele Schrotgewehre es in dem 110-Seelen-Ort Salmsdorf gibt. Die entsprechenden Auskünfte lieferte das Landratsamt, das die Waffenscheine und Waffenbesitzkarten verwaltet. Konkrete Zahlen dazu sind nicht zu erfahren, aber doch so viel: "Salmsdorf ist besser bewaffnet als die Schweiz", scherzte ein Jurist, der einen Blick in die Ermittlungsakten warf. Sogar eine betagte Frau aus dem Dorf ist mit zwei Flinten "gelistet".

Wo liegt nun der Hund begraben? Die flapsige Frage drängt sich auf in einem Fall, bei dem das Corpus delicti verschwunden ist: Akzeptiert Willi Sendelbeck die verhängte Geldstrafe, ist der "Fall Salmsdorf" für die Justiz abgeschlossen, aber ein solches Vorgehen käme einem Schuldeingeständnis gleich. Deswegen hat Sendelbeck, der stets seine Unschuld beteuert hat und sich als Opfer, nicht als Täter sieht, Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Ob bei der Verhandlung dann der Leitende Oberstaatsanwalt höchstpersönlich die Anklageschrift verlesen wird? Nicht auszuschließen, dass ein Fall, der derart großes öffentliches Interesse erregt, Chefsache ist.

Jüngst gab es bereits eine Begegnung zwischen Willi Sendelbeck, der bis zu seiner Pensionierung 2011 am
Landgericht in Bamberg gearbeitet hat, und Bardo Backert. Bei der Einführung des neuen Eberner Polizeichefs schüttelten sich der Leitende Oberstaatsanwalt und der Bürgermeister freundlich die Hand. Sendelbeck hatte Backert zunächst nicht erkannt. Als der Chef der Bamberger Staatsanwaltschaft wenig später zu einem Grußwort ans Rednerpult trat, stand Sendelbeck auf und verließ demonstrativ den Saal.