Seit 300 Jahren steht die Annakapelle in der Stettfelder Flur und ist für Einheimische und Gäste Ort der stillen Einkehr. Diesmal feierten die Stettfelder daher das Annafest zum Jubiläum groß. "300 Jahre sind eine lange Zeit, die viele Generationen geprägt hat", sagte Pfarrer Matthias Rusin zu den vielen Gläubigen, die sich am Samstag in Stettfeld versammelt hatten.

In einer feierlichen Prozession zog man gemeinsam von der Pfarrkirche hinaus zur Kapelle, um dort mit Weihbischof em. Helmut Bauer, Pfarrer Matthias Rusin, Pfarrer Ottmar Pottler und Diakon Joachim Stapf die heilige Messe zu feiern.

Jung und Alt waren auf den Beinen, und die Kindergartenkinder hatten gar für diesen Festtag eigens ein Gedicht geschrieben, das an der Kapelle zu studieren war. "Schöner kann man einen Gottesdienst nicht beginnen", freute sich Weihbischof Bauer.
Die heilige Anna als Großmutter Jesu, war es, die das Zentrum seiner Predigt einnahm.

Da unterstrich Bauer die besondere Rolle der Großeltern für die Hinführung zum Glauben ihrer Kinder und Enkel. Bereichert wurde die feierliche Messe durch die Stettfelder Blasmusik. Auch sang der Chor "InTakt" des Stettfelder Gesangvereins.

In alten Quellen fündig geworden

Ottmar Pottler erinnerte daran, dass das Jubiläum Norbert Kandler zu verdanken sei. Denn Kandler hatte das Stiftungsdatum und den Namen der Stifterin der Kapelle in einem alten Kirchbuch entdeckt.

Pottler, langjähriger Geistlicher in den Gemeinden Ebelsbach und Stettfeld, unterstrich auch die Bedeutung des Annatags für die Gemeinde: "In Stettfeld ist der Annatag ein besonderer Tag, und es ist auch eine Verpflichtung, ihn weiterzufeiern. Ich wünsche euch allen als euer ehemaliger Pfarrer Gottes reichen Segen."

Bürgermeister Alfons Hartlieb unterstrich die Bedeutung der Kapelle als Zeichen für die Gemeinschaft: "Der Bau war vor 300 Jahren sicher eine Gemeinschaftsleistung. Wir hoffen, dass wir es in gemeinschaftlicher Arbeit schaffen, die Geschichte zu erhalten." Maria Egglseder, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, dankte in ihrer kurzen Ansprache besonders der Familie Fößel für die aufopferungsvolle Kapellenpflege.

Der Nachmittag stand dann ganz im Zeichen des Pfarrfests. Hier galt der besondere Dank der Pfarrei der Familie Merklein, die zum Jubiläum die gesamten Getränke gestiftet hatte.

Modell der Annakapelle

In der Kühle der Pfarrkirche wartete eine kleine Ausstellung auf die Gäste. Neben historischen Fotos von alten Annafesten war dort auch ein Modell des Haßfurter Krippenbauers Walter Kestler zu sehen. Er hat eine naturgetreue Nachbildung der Annakapelle mit zahlreichen liebevollen Details erstellt. Von den handgefertigten Schindeln bis hin zu den kupfernen Verblendungen war es eine perfekte Kopie des Originals.

Als Besuchermagnet entpuppte sich das Historienspiel der Stettfelder Freilichtbühne, das trotz der Temperaturen über 30 Grad auch viele Besucher aus den umliegenden Gemeinden anzog. Christian Ziegler hatte eigens ein Stück zu den Hintergründen des Kapellenbaus geschrieben. Die Schauspieler um Regisseurin Maria Egglseder gaben in historischen Gewändern vor dem natürlichen Bühnenbild ihr Bestes, um die Geschichte lebendig werden zu lassen.

Personen der Geschichte

Da erlebten die Zuschauer, wie Anna-Barbara Agricola zur Priesterweihe ihres Sohnes Karl-Friedrich daran ging, eine Kapelle stiften zu wollen. Trotz aller Widerstände und dank der listigen Idee des Stettfelder Schulmeisters sollte dies schließlich geschehen.

Bei aller Historie durfte die Legende vom Burgfräulein in der Inszenierung nicht fehlen; sie war als "Mysterienspiel", als Stück im Stück, integriert. Der Lohn für die wegen der schweren Kostümstoffe schweißtreibende Aufführung der Stettfelder Laienspieler war langer Applaus.