Wenn am Wochenende vermehrt Spaziergänger durch die Fluren zwischen Bundeswehrsportplatz und Ruppach flanieren, dürfte der Anteil an Stadträten ziemlich hoch sein. Denn in ihrer Sitzung am Donnerstagabend bekamen die Gremiumsmitglieder dazu den Auftrag. Ausgesandt hat sie Matthias Klöffel, der Geschäftsführer von Agrokraft, der Gesellschaft, die die Biogasanlage im Auftrag mehrerer Landwirte aus der Region realisieren soll. Sie sollten sich übers Wochenende "mal nach geeigneten Standorten umschauen und bis zur nächsten Sitzung konkrete Vorschläge machen", bat Klöffel, der damit gleichzeitig den bisher favorisierten Standort neben der Kläranlage zu Grabe trug.
Auf Antrag von Thomas Limpert (CSU) gaben Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) und Klöffel einen Bericht zum aktuellen Planungsstand. In einem mehrseitigen Schreiben hatte Limpert Aufklärung zu mehreren Punkten eingefordert. Dazu gehörte auch die nochmalige Überprüfung des Alternativ-Standortes am Bundeswehr-Sportplatz.
Zwar beschworen Bürgermeister Herrmann wie auch Klöffel die Vorzüge der Kläranlagen-Idee (Versorgung des Freibades mit der überschüssigen Energie im Sommer), dennoch rückten auch sie von ihrem Premium-Standort ab. "Da wir die Grundstücke nicht kriegen, geht's halt nicht", berichtete Klöffel aus entsprechenden Verhandlungen. "Da gibt es überzogene Forderungen." Ein weiteres Problem bilde die dort verlaufende Gasleitung.
Strikt gegen die Alternative am Bundeswehr-Sportplatz sprach sich Bürgermeister Herrmann aus. Bei einer Abfrage unter den neuen Eigentümern in der einstigen Kaserne habe dieser Vorschlag für "helles Entsetzen" gesorgt. Herrmann: "Da oben weitermachen, macht keinen Sinn."

Auf Bürgermeisters Schoß


Eine Einschätzung, die nicht alle im Gremium teilten. Thomas Limpert fand andere Betriebe, die sich in der Kaserne angesiedelt hätten, von der Optik her "wegen des Wildwuchses viel schlimmer". Auch sei eine Geruchsbelästigung kaum zu befürchten, weil ja meist Westwind herrsche.
Auch Oliver Kröner wollte die Sportplatz-Alternative nicht aufgeben, nur "weil da einige Leute ständig auf dem Schoß des Bürgermeisters sitzen".
Ein Einlenken deutete Matthias Klöffel an: "Die Freibadversorgung ist kein Totschlag-Argument, es geht auch ohne Freibad." Die bisherige Planung sei halt ein nahezu ideales Konzept gewesen mit optimaler Abnehmersituation bei einer Leitungslänge von 2,7 Kilometern. Es müsse sich halt rechnen.
Damit wird er in den nächsten Wochen tüchtig zu tun haben. Denn es hob - auch ohne Sonntagswanderung - eine muntere Diskussion über Standortalternativen an. So kam wieder der ganz am Anfang präferierte Platz an der B 279 ins Gespräch, wo nach Klöffels Überzeugung wegen der Höhenlinien enorme Erdbewegung notwendig wären. Und eine Abbiegespur koste mit Sicherheit 200 000 Euro ( Für den Ausbau der Ortsverbindungsstraße in Richtung Lind hatte die Stadt in ihrem Haushalt schon 400 000 Euro eingeplant).
Ein weiterer Vorschlag Klöffels zielte auf das Gelände gegenüber der Abfahrt von der B 279 zur Staatsstraße ab. "Wir brauchen für eine 700-kW-Anlage eine Fläche zwischen 250 und 290 Hektar. Und das Gelände dort hat seinen Charme, weil wir nicht an die Bundesstraße müssten."
Jürgen Hennemann (SPD) schlug das Areal unterhalb des Bundeswehrsportplatzes in Richtung Ruppach vor. Thomas Wagner (Freie Wähler) wunderte sich, "warum wir bei Fischbach im Zusammenhang mit dem Bau des FTE-Werkes dort ein großes Gewerbegebiet ausgewiesen haben und nicht nutzen wollen?"
Ein Ansatz, der Klöffel verblüffte: "Da gibt es ein ausgewiesenes Gewerbegebiet?" Schnell dachte er um: Auf dieser langen Strecke könnten wirtschaftlich zwar keine Warmwasserleitungen verlegt werden, aber eine Gasleitung, die wiederum ein Blockheizkraftwerk in Stadtnähe speist, das dann für die Energie sorgt.
Ein Ansatz, der auch Oliver Kröner gefiel: "Ich finde die Idee sympathisch und ein Blockheizkraftwerk auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände hatten wir doch schon immer geplant. Wir sind doch alle wild entschlossen, dass es weitergeht."
Nun beginnt die Standortsuche aufs Neue. Was nicht einfach werden dürfte. "Entweder haben wir Hanglagen oder Überschwemmungsgebiete", stöhnte der Bürgermeister. Und dann gibt es noch Eigentümer, die ihren Grund nur Gewinn bringend veräußern würden.