Es war, als prallten zwei Welten aufeinander: Kaum hatte Simon Marx das Spiel abgepfiffen, kannte der Jubel nach dem 2:1 (0:0)-Sieg in Würzburg bei Bernd Eigner & Co. keine Grenzen mehr. Christian Graf, Eigners Würzburger Pendant, blieb hingegen wie versteinert neben der Ersatzbank stehen und verstand die Welt nicht mehr.
Sein Team begann couragiert und setzte alles daran, den sehr zaghaft agierenden Tabellenletzten in die Bredouille zu bringen. Das klappte auch ganz gut: Erst setzte Patrick Hofmann das Leder aber über das Sander Tor (11.). 24 Minuten später war's wieder Hofmann, der aus sechs Metern weit drüber schoss. Da hatten die FV-Fans den Torschrei schon auf den Lippen. Eine Minute später forderten sie lautstark Elfmeter, als der Mittelfeldspieler den herausstürmenden Simon Mai umkurvte, dabei aus dem Tritt kam und das Spielgerät neben den Pfosten setzte.
"Der WFV hatte drei Riesenchancen, da hätten wir uns nicht über ein 0:1 beschweren dürfen", stellte Eigner hernach fest, "bei uns ging bei etlichen Freistößen viel zu wenig." 0:0 hieß es also zur Pause. Optimismus machte sich bei den Würzburger Fans breit, die das Team lautstark nach vorne pushten. Doch der hielt nicht gerade lange.
Der Sander Thorsten Schlereth schlich sich auf der rechten Seite frei und passte in die Mitte, wo kein FVler in der Lage war, den eingewechselten Dinis Ribeiro am Schießen zu hindern - 0:1 (54.). Rumms, das saß.
Doch die Gastgeber rappelten sich gleich wieder auf. Nach einer Tahir-Ecke drückte René Schäffer das Spielgerät irgendwie zum 1:1 über die Linie (57.). Wer nun aber dachte, der schnelle Ausgleich würde den Graf-Mannen Flügel verleihen, der sah sich getäuscht. Maßflanke Sven Wieczorek, Kopfball Dinis Ribeiro - 1:2. Schon beim nächsten FC-Angriff waren die alten Verhältnisse wieder hergestellt, die sich trotz aller Würzburger Bemühungen nicht mehr änderten. Bitter, bitter, bitter.


WFV-Trainer Graf wackelt

"Unsere Chancen in der ersten Halbzeit müssen wir machen. Beim 0:1 kriegen wir den Ball nicht weg, auch das zweite Tor passiert wieder über die rechte Seite. Danach haben uns einfach auch die Mittel gefehlt", ärgerte sich FV-Coach Christian Graf, während die wütenden Fans ihrem Ärger mit "Trainer raus"-Rufen Luft machten. Ungeachtet dessen geht der 48-Jährige davon aus, auch am kommenden Wochenende auf der Bank zu sitzen. Michael Freudenberger, Vorstandsvorsitzender der Würzburger, wollte nicht viel sagen, deutete aber an, "nochmal mit dem Trainer" sprechen zu müssen.
Während die Lage an der Mainaustraße immer prekärer wird, bleibt man beim FC Sand gelassen und freut sich über den "Dreier". Bernd Eigner hatte besonders mit der Ribeiro-Einwechslung alles richtig gemacht. "Ich hab' zu ihm vor dem Wechsel gesagt: Dinis, heut' ist in Bamberg Sandkerwa. Mach eins, dann kannst du mit dem Auto gleich in die Sandstraße fahren, das hast du dir dann verdient."
Matchwinner Ribeiro, der lange mit einem Kreuzbandriss zu kämpfen hatte, war natürlich überglücklich: "Nach der Leidenszeit ist der Sieg natürlich umso schöner. Jetzt geht's für große Teile der Mannschaft erst einmal nach Bamberg, um den ersten Saisonsieg gebührend zu feiern."

Würzburger FV: Koob - Kutz (58. Ganzinger), Drösler, Schäffer, Schmidt - Dees - Böhm (47. Hänschke), Hofmann, Tahir, Schömig - Heim (67. Fischer) / FC Sand: Mai - Tropper (76. D. Schmitt), Krüger, A. Schmitt, J. Pickel - Schlereth (60. Leim), Rippstein, Wieczorek, Götz, Wirth (46. Ribeiro) - Stahl / SR: Marx (Aschaffenburg) / Zuschauer: 387 / Tore: 0:1 Ribeiro (54.), 1:1 Schäffer (57.), 1:2 Ribeiro (58.) / Gelbe Karten: Böhm, Hänschke, Ganzinger - A. Schmitt, Wieczorek