"Ich weiß nicht, was ich sagen soll." Für einen kurzen Augenblick, als seine Spieler auf dem Platz bereits tanzten und mit den Fans feierten, als Sektfontänen in den Himmel spritzten, fehlten Dieter Schlereth die Worte. Die Tatsache, dass seine Mannschaft, der FC Augsfeld, nach der Bezirksligameisterschaft vor einigen Wochen nun noch den Aufstieg in die neue Landesliga Nord-West perfekt gemacht hatte, machte den Erfolgstrainer "einfach nur sprachlos." Doch es war Realität, was sich auf dem Sportgelände in Margetshöchheim in den 90 vorangegangenen Minuten abspielte: Mit 2:0 besiegten die Augsfelder den Gastgeber SG und dürfen nach dem 1:1-Unentschieden im Hinspiel aufgrund der Neugestaltung der oberen Ligen nun nominell gleich zwei Klassen höher spielen. "Das haben sie sich verdient, weil sie eine super Runde gespielt haben", zeigte sich auch der Margetshöchheimer Trainer Matthias Kantenwein als ganz fairer Verlierer.


Die FCA-Fans sorgen für Heimspiel-Atmosphäre



Die Gäste lieferten vor den knapp 750 Zuschauern, darunter mehrere hundert lautstarke Augsfelder Anhänger, die für Heimspielatmosphäre sorgten, eine ihre besten Leistungen der vergangenen Wochen ab. "Es war einfach sensationell", hatte Dieter Schlereth schnell wieder die richtigen Worte gefunden. "Ich war letzte Woche schon etwas geknickt. Aber was die Mannschaft heute gezeigt hat, war einfach nur klasse." Jedoch gehörte die Anfangsphase eindeutig den Margetshöchheimern, deren gefährlicher Angreifer Matthias Fersch in der 3. Minute mit einem satten Volleyschuss ans Außennetz für Gefahr sorgte. Nur zwei Minuten später lenkte Augsfelds Peter Hertel einen Kopfball noch über das Gehäuse seines geschlagenen Schlussmanns Sebastian Stober.


Schon in der 7. Minute fällt das 0:1



Nach zwei weiteren Minuten aber ließ FCA-Kapitän Thorsten Schlereth seinen Bewacher Hemmerich trotz heftiger Gegenwehr stehen und schob den Ball nach einem kurzen Spurt eiskalt ins linke untere Eck zur 1:0-Führung (7). Vorausgegangen war allerdings ein vermeintliches Foulspiel im Mittelfeld, weshalb nicht nur die Margetshöchheimer Anhänger erzürnt waren. Auch Matthias Kantenwein war angesichts des für ihn "klaren" und nicht geahndeten "Foul in der Vorwärtsbewegung von uns" sauer auf Schiedsrichter Ehwald. Damit wurden aus seiner Sicht "alle Stärken von Augsfeld gefördert. Wir sind dagegen nie mehr richtig ins Spiel gekommen. Das ist einfach doppelt bitter." Hätte Thorsten Schlereth kurz darauf nach einer erneuten Kontersituation allerdings nicht nur den Pfosten getroffen, wäre der Aufstieg wohl schon früh zum Greifen nah gewesen (12.). So aber fingen sich die Hausherren wieder, die durchaus gute Torchancen hatten. "Natürlich hatten wir das ein oder Mal etwas Glück", räumte Dieter Schlereth ein und lobte zugleich seinen Torhüter Sebastian Stober, der einige Glanzparaden zeigte. Alleine Matthias Fersch hatte in der Schlussphase der ersten Hälfte drei dicke Einschussmöglichkeiten (35., 41., 45.).


Ab der 68. Minute spielte der FCA in Überzahl



Ausgerechnet Fersch leitete mit seinem rüden Foul an Rainer Schütz und der Roten Karte gegen ihn dann den endgültigen "K.o." seiner Mannschaft ein, denn nach seiner Hinausstellung (68.) schien das 2:0 für die Gäste eine Frage der Zeit. Zehn Minuten vor dem Ende war es dann soweit: Thorsten Schlereths jüngerer Bruder Danny schoss den Ball nach tollem Zuspiel von Peter Hertel in einer Bogenlampe Richtung Margetshöchheimer Tor, wo er von der Unterseite der Latte über die Linie sprang (80.). Verständlich, dass der blau-weiße Jubel jetzt richtig begann und nach dem Schlusspfiff kein Ende kannte. "Der Margetshöchheimer Trainer, der seinem Kollegen

Dieter Schlereth bereits einige Minuten vor dem Abpfiff gratulierte, haderte dagegen immer noch mit der Szene aus der 7. Minute. Auf der anderen Seite kann sich Dieter Schlereth nun bei seinem Amerika-Urlaub von der nicht nur für ihn sicher unglaublichsten Saison des FC Augsfeld erholen. Die Aussage seines Sohnes Thorsten bestätigte er noch einmal: "Das ist schon verrückt", sagte er und schüttelte nur ungläubig den Kopf beim Gedanken an die Landesliga. "Was dieser Dorfverein geleistet hat, ist einfach Wahnsinn."