"Ich habe es zwar gehofft, wirklich gerechnet habe ich damit aber nicht", gab der 44-Jährige ehrlich zu. Alleine die personellen Voraussetzungen ließen nichts Gutes erahnen, schließlich standen Genßler lediglich zwölf Feldspieler zur Verfügung. Sein Gegenüber Heinz Zerres dagegen konnte aus dem Vollen schöpfen und schickte vier komplette Reihen ins Rennen, die nach der bitteren 4:5-Niederlage im ersten Aufeinandertreffen unbedingt einen Sieg landen wollten. Dennoch ließen sich die Unterfranken, bei denen neben Thomas Berndaner unter anderem auch Kapitän Rafael Popek erkrankt fehlte, während David Franek doch stürmte, davon nicht beeindrucken.

Im Gegenteil: Mit einem Doppelschlag sorgte der wieder einmal sehr auffällige Martin Dürr binnen 51 Sekunden für eine 2:0-Führung der Gäste (3.,4.). Und den erstmaligen Anschluss durch Fabian Bauer (7.) beantwortete erneut der Neuzugang aus Schweinfurt mit dem 1:3 (16.).

Erneut geht der ESC nach vorne

Wer gedacht hatte, dass die "Dragons" nach den Treffern zum 2:3 und 3:3 (Torschützen waren Kevin Tausend, 16., und Marc Hemmerich, 22.) nun das Kommando auf dem Eis übernehmen, wurde wiederholt eines Besseren belehrt. Matthias Brahmer brachte die "Hawks" vielmehr zum dritten Mal in der hochklassigen Partie in Führung (32.), und Max Zösch sorgte mit seinem ersten Saisontor in der 39. Spielminute für das 4:5 (Tausend hatte zuvor auf 4:4 ausgeglichen, 35.). Marc Hemmerich hatten es seine Teamkollegen schließlich zu verdanken, dass sie nicht auch in die zweite Drittelpause mit einem Rückstand gehen mussten. In der Schlussminute des Mitteldrittels markierte er das 5:5 (40.).

Torwart Hildenbrand zeigt sich als sicherer Rückhalt

"Die haben schon mächtig Druck gemacht", räumte Zweiter ESC-Vorsitzender Peter Vogel ein, im letzten Abschnitt zum einen "ab und zu" das notwendig Glück gehabt zu haben. Einen wesentlich größeren Anteil daran, dass EHC-Kapitän Stephan Trolda und Co. kein Treffer mehr gelang, hatte aber Martin Hildenbrand. "Er hat seinem Spitznamen ‚Hexer' wirklich alle Ehre gemacht und gehalten, was das Zeug hielt", lobte Vogel die überragende Leistung des Haßfurter Schlussmannes. Weil aber auch Hildenbrands Gegenüber Tyl Schleicher nichts mehr anbrennen ließ, blieb es beim 5:5.

Als "völlig gerecht" bewerteten nach dem Schlusspfiff Frank Genßler ebenso wie Mitterteichs Trainer Heinz Zerres dieses Ergebnis. Genßler attestierte seiner "Rumpftruppe" eine "kämpferisch starke Leistung. Natürlich haben wir versucht, defensiv zu spielen und Konter zu fahren. Das hat bestens geklappt."

Chance am "Grünen Tisch?"

Der Vier-Punkte-Abstand zwischen dem Dritten aus Haßfurt und dem Zweiten aus Mitterteich ist durch das 5:5 unterdessen gleich geblieben, und die (sportliche) Chance auf den zweiten Tabellenplatz ist weiter geschrumpft. Dennoch können die "Hawks" doch noch mit der Bayernliga spekulieren. Immerhin verdichten sich die Gerüchte, dass Tabellenführer EV Dingolfing einen Aufstiegsverzicht unterschrieben hat. Dann stünde der EHC Mitterteich als Meister der Gruppe Nordost fest, und auch die Haßfurter Puckjäger dürften an den Entscheidungsspielen teilnehmen.

Aus Wettbewerbsgründen sind allerdings von keinem Verein, geschweige denn dem Bayerischen Eishockeyverband (BEV), derzeit Auskünfte zu bekommen. Auch in der Südwest-Staffel ist die Situation derzeit nicht klar, denn möglicherweise würde auch Spitzenreiter EV Pfronten auf eine Rückkehr in die Bayernliga verzichten.

"Wir wissen definitiv nichts", beteuert Zweiter Vorsitzender Peter Vogel. Er bestätigt aber, auch "von den Gerüchten gehört" zu haben. Da es von der BEV-Zentrale in München keine offizielle Information gebe, werde man sich an Spekulationen nicht beteiligen. Fakt ist aber: der ESC Haßfurt hat keinen Aufstiegsverzicht unterschrieben und könnte die Chance nachzurücken, sollte es eine geben, auch wahrnehmen.