Ins Rollen gebracht hat das Ganze ja eigentlich Rudolf Handwerker, auch wenn ein Staatsminister später bei einem Experiment eine ruhige Kugel schob: Handwerker (CSU), der Landrat des Landkreises Haßberge , ist geradezu besessen von Bildungspolitik. Die größte Chance für den ländlichen Raum besteht in seinen Augen nämlich darin, wenn jungen Menschen die "bestmögliche Bildung" angeboten werden kann. Wenn Fördertöpfe aufgehen, winkt der Landrat bereits mit einem Antrag und kann kaum abwarten, hineinzugreifen.
Davon kann er gar nicht genug bekommen: "Ganz zufrieden bin ich ehrlich gesagt nicht", erklärte er am Freitag im "Silberfisch" des Schulzentrums in Haßfurt bei der Einweihungsfeier für den Neubau des naturwissenschaftlichen Traktes. "Vor allem die Streichung eines großen Teils der Ausstattung des Neubaus aus der Förderfähigkeit lässt Fragen offen", sagte er Richting Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). "In meinen Augen müsste die Spreizung der Förderquote zwischen ärmeren und reicheren Kommunen weit deutlicher sein." Zur Info: Der Neubau des Traktes mit einem Investitionsvolumen von 7,3 Millionen Euro wurde vom Freistaat mit 42 Prozent gefördert, bei der noch folgenden Bestandssanierung sollen es 48,4 Prozent werden. Der Kultusminister zeigte sich nicht gekränkt, im Gegenteil: Für das Engagement und die Hartnäckigkeit Handwerkers hatte er nichts als Bewunderung übrig. Laut einer großen Studie zur Bildungsqualität hat es der Kreis Haßberge in der Kategorie "Ländliche Region" bundesweit auf Platz acht geschafft. "Mein Respekt und Dank", sagte Spaenle deswegen zu den Verantwortlichen.
Am Freitag hatte der Staatsminister dann auch gleich die Gelegenheit, vor Ort selbst etwas ins Rollen zu bringen: Im neuen Physik-Übungsraum des Neubaues baten ihn die Schüler Dirk Thiess und Peter Wagenhäuser zum Experiment. Eine Metallröhre, zwei Kugeln, die eine saust im Nu durch den Kanal - doch die andere? Spaenle wartete bei den ersten Versuchen vergeblich, dass seine Kugel aus dem Röhrchen rollte. "Nur die Ruhe", bat er die grinsenden Schüler um Geduld.
Ein bisschen den Winkel verändert und schon plumpste das "Geschoss" gemächlich in den Schaumstoffbehälter. Spaenle grinste zufrieden zurück. Was war passiert? Die eine Kugel war magnetisch und erzeugte beim Rollen eine elektrische Spannung, was ihre Geschwindigkeit in der Röhre abbremste. Die Schüler erklärten das dem Minister, der sich eher mit Spannungen anderer Art auskennt.
Der Andrang bei der Einweihungsfeier war enorm. Stolz präsentierten die Schulleitungen die neugestalteten Räume und führten die Gäste durch den neuen Trakt. Auch etliche Schüler schauten sich neugierig und bisweilen vorsichtig da um, wo sie künftig unter wesentlich besseren Bedingungen, sowohl was den Platz als auch Ausstattung angeht, naturwissenschaftliche Experimente vorbereiten oder Unterrichtsstunden verfolgen können. "Das alte Gebäude war nicht mehr zumutbar", erklärt Martin Oberleitner von der Schulleitung Gymnasium. Der Physiklehrer hat sich dafür stark gemacht, dass im Unterricht sogenannte Tablet-PCs eingesetzt werden. Die grafische Oberfläche dieser Computer mit Touchscreen könne über einen Beamer auf eine Leinwand projiziert werden. "Es ist eine sehr gute Alternative zum ActiveBoard", sagt er. Letzteres sind elektronische Tafelsysteme, die im neuen Trakt ebenfalls genutzt werden: Die Realschule, die sich das Gebäude mit dem Gymnasium teilt, hat sich für diese Variante entschieden. "Wir dagegen setzen auf die Tablets", sagt Oberleitner. Insgesamt soll die Raumaufteilung auf drei Ebenen gemeinsam genutzt werden: Die Hörsäle sind zwar je einem Schultyp fest zugeordnet. Die Übungsräume jedoch und das Unterrichtsmaterial sind für alle nutzbar.
Im Erdgeschoss ist die Physik angesiedelt, darüber die Biologie und ganz oben die Chemie. Es stehen 16 Fachräume zur Verfügung, die Gesamtfläche des Traktes beträgt 3190 Quadratmeter, rund 2200 Schüler sollen dort unterrichtet werden. Gebaut wurde das moderne Gebäude von dem Architekturbüro Baur Consult. Bei 7,3 Millionen Euro Gesamtkosten entfielen 6,6 Millionen Euro allein auf das Gebäude, für die Ausstattung wurden 650 000 Euro ausgegeben, die Nebenkosten betragen 60 000 Euro.
Geld, das Rudolf Handwerker gut investiert sieht. "Die Naturwissenschaften sind für die ökonomische Zukunft unseres Landes von ausschlaggebender Bedeutung." Doch es reicht ihm natürlich noch nicht: "Insgesamt werden wir in den nächsten Jahren etwa 24,2 Millionen Euro investieren, um die zentrale Schulanlage unserer Landkreises zu modernisieren und auszubauen", kündigte er an. Dazu kämen noch Kosten für die Ausstattung, das Herrichten der Pausenhöfe und für das Außengelände.
Handwerker, der just am Tag der Einweihung des Traktes Geburtstag hatte, erinnerte auch an die Schwierigkeiten, die solche Vorhaben mit sich bringen: "Diese wirklich großen Bauvorhaben führen einen Landkreis wie unseren an die Grenzen der Leistungsfähigkeit", sagte er.