Die Finger fliegen eifrig über die Tastatur, die genialen Einfälle sprießen nur so. Plötzlich schiebt sich eine feuchte Schnauze dazwischen und lässt den Bildschirm hechelnd beschlagen. Aus und vorbei ist es mit der Konzentration! Wer sich sein Homeoffice aktuell mit einem oder sogar mehreren Vierbeinern teilt, hat auch mit Ablenkungsmanövern zu kämpfen. Die Hundetrainerinnen Anette Michler und Laura Valtenmeier aus Sand wissen aber, dass die neue Situation nicht nur für Frauchen und Herrchen ungewohnt ist.

Das wichtigste bei tierischer Gesellschaft im Homeoffice sei eine klare Strukturierung, sagt Michler, die ihre Hundeschule mit Tochter Laura in Sand betreibt. Auch ein Hund müsse zunächst lernen, Arbeit und Freizeit voneinander zu unterscheiden. "Ein weiterer Punkt ist, dass man dem Hund nicht die Aufmerksamkeit gibt, wenn er sie fordert, sondern immer dann, wenn man zwischen dem Homeoffice ein paar Minuten Zeit für ihn hat." Diese Phasen können für Schnüffelspiele im Haus oder für das Grundgehorsam genutzt werden. Viele Hundehalter würden sich gegen gezieltes Deckentraining im Homeoffice entscheiden, sondern versuchen, sich so normal wie möglich zu verhalten und dem Hund Freiräume zu lassen. Auch ein gemütlicher Liegeplatz nahe des Schreibtisches kann eingerichtet werden.

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Der fehlende soziale Kontakt zu Freunden und Familie macht während der Corona-Krise besonders zu schaffen. Ein Hund kann da als Seelentröster helfen - aber auf keinen Fall nur eine kurzfristige Lösung sein, warnen Michler und Valtenmeier. "Jedem sollte klar sein, dass ein Hund rund zehn, zwölf Jahre lang ein treuer Begleiter ist und nicht nur in der Zeit der Ausgangsbeschränkung", betonen die Trainerinnen.

Hunde schenken Liebe und Geborgenheit

Hunde spenden Trost und Geborgenheit, können sogar das Stresslevel ihrer Besitzer senken. "Eine Kuschelrunde nach einem Streit oder einem schlechten Tag kann manchmal Wunder wirken", wissen die Sander. Aber: "Viele Menschen haben währen der Corona-Pandemie Zeit für einen Hund. Doch wie sieht es nach den Ausgangsbeschränkungen aus? Was passiert, wenn man wieder Urlaub machen oder mit Freunden um die Häuser ziehen darf?"

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Mehr Zeit daheim bedeutet auch: mehr Gassirunden und Streicheleinheiten. Dementsprechend groß kann der Trennungsschmerz ausfallen, wenn die Besitzer wieder jeden Morgen zur Arbeit müssen. Hunde sollten daher rechtzeitig auf die Rückkehr zur alten Routine vorbereitet werden, rät Michler. "Im Idealfall trainiert man das Alleinebleiben wieder, wie man es als Welpe oder Junghund trainiert hat." Das bedeutet, den Hund für kurze Momente alleine zu lassen und die Situation dann wieder aufzulösen. Diese Phasen sollten Schritt für Schritt verlängert werden. "Hundebesitzer müssen dafür sorgen, dass sich die Hunde weiterhin sicher fühlen, wenn die Zeit der ständigen Aufmerksamkeit aufhört und die Welt wieder zur Normalität zurückkehrt", betont auch Valtenmeier.

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Seit dem Beginn der Corona-Krise wurden laut dem Deutschen Tierschutzbund vermehrt Tiere aus Tierheimen adoptiert. Die Hunde sind oftmals besonders anhänglich und treu, brauchen aber auch viel Zuwendung, geben die Trainerinnen zu bedenken. "Das größte Manko ist, dass man oft nicht weiß, was der Hund bisher erlebt hat. Er kann schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden oder Kindern gemacht haben, die sein Heranwachsen beeinflusst haben und ihn nun eindeutig prägen. Vielleicht wurde er geschlagen, misshandelt oder war ein Straßenhund." Ist die Vorgeschichte des Tieres bekannt, falle es im Training sehr viel einfacher, gezielt an unschönen Verhaltensweisen zu arbeiten. Bisher hätten die beiden Trainerinnen aber gute Erfahrungen mit Hunden aus Tierheim gemacht.

"Trotz allem ist es so, dass sich selbst größere Probleme im fortgeschrittenem Alter lösen oder korrigieren lassen", sagt Michler. Und Tochter Laura fügt hinzu: "Tierheimhunde können sehr gute Begleiter werden. Man muss ihnen nur mit etwas Fingerspitzengefühl begegnen."

Kontaktdaten zu Hundeschulen im Landkreis Haßberge

Hundeschule Haßberge Anette Michler betreibt die Hundeschule mit ihrer Tochter Laura Valtenmeier in Sand. Zu erreichen sind sie unter 09524/ 5723, 01749958699 oder 01719387287. Mehr Infos gibt es unter www.hundeschule-hassberge.de.

Team Mensch-Hund Die Hundeschule von Sabine Fischer befindet sich ebenfalls in Sand, erreichbar unter 09524/300 900 oder www.team-mensch-hund.de. Die Zweigstelle Bundorf ist unter 09763/33 99976 erreichbar.

Campus Supernase Infos zu Andrea Lüdtkes Hundeschule in Rudendorf gibt es unter 09536/ 1218, 0174 9031073 oder unter www.campus-supernase.de.

Der Hundeschulhof Christine Bauer leitet die Hundeschule in Ebern und ist unter der 09533/ 980218 oder 015207146819 erreichbar; online zu finden unter www.hundeschulhof-franken.de.

Hundefreunde Eltmann Erste Vorsitzende des Vereins ist Heidi Brix. Mehr Infos zu den Hundefreunden gibt es online unter www.hundefreunde-eltmann.de.

Infos zur Tierschutzinitiative Haßberge mit Sitz in Knetzgau gibt es unter der Telefonnummer 09529/ 9519450 oder online auf der Homepage unter www.tierheim-hassberge.de.

Ein Hund für Zuhause: Was man bei der Anschaffung beachten muss

In Zeiten von Homeoffice und Kurzarbeit möchten sich viele den lang ersehnten Traum vom vierbeinigen Begleiter erfüllen. Aktuell können sich laut Udo Kopernik, Mitglied im Verband des Deutschen Hundewesens, viele Züchter vor Anfragen kaum retten. Die Wartelisten für einen Hund werden zeitgleich mit der coronabedingten Zuhausezeit immer länger. Was ist bei der Anschaffung zu beachten? Darf mich mein Hund in alle Bereiche des öffentlichen Lebens begleiten? Lea Schmitz, Pressesprecherin des deutschen Tierschutzbundes, gibt Antworten auf wichtige Fragen:

1. Darf mein Hund mit an den Arbeitsplatz?

Um abzuklären, ob der Hund mit ins Büro darf, muss zuerst die Erlaubnis des Arbeitgebers eingeholt werden. Doch selbst wenn die Erlaubnis erteilt wurde, sollte man mit den Kollegen absprechen, ob diese mit einem Hund am Arbeitsplatz einverstanden sind oder ob eventuelle Allergien und Ängste dem Vorhaben im Weg stehen könnten. Außerdem ist auch nicht jedes Arbeitsumfeld für jeden Hund geeignet, dies muss also individuell betrachtet werden.

2. Darf mein Hund in öffentlichen Gewässern schwimmen?

Ja, es sei denn entsprechende Schilder verbieten es.

3. Wo gilt Leinenpflicht für meinen Hund?

Die Regelungen zur Leinenpflicht sind je nach Größe des Hundes und Bundesland unterschiedlich. Generell gilt eine Leinenpflicht an gut besuchten Orten und in öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn.

4. Darf mein Hund bei einem Restaurantbesuch dabei sein?

Auch diese Frage ist pauschal nicht zu beantworten. Vielmehr hängt es ganz individuell von den Reglungen jedes Gastronomiebetriebs ab, ob Hunde dort erwünscht sind oder nicht. Es empfiehlt sich also das Restaurant im Vorhinein zu kontaktieren, um dies in Erfahrung zu bringen.

5. Braucht mein Hund ein Erkennungszeichen wie ein Halsband oder ähnliches?

Grundsätzlich nicht. Jedoch liegt es an der Stadt, feste Vorschriften über das Anbringen der Steuermarke des Hundes an dessen Geschirr oder Halsband zu machen oder es dem Hundehalter selbst zu überlassen, ob er dies für sinnvoll hält.

6. Was kostet ein Hund in der Anschaffung und Haltung?

Möchte man die Gesamtkosten der Anschaffung und Haltung eines Hundes berechnen, ergeben sich je nach Hunderasse und Größe verschiedene Kosten. Zu den einmaligen Anschaffungskosten kommen die Kosten für eine Hunde-Ausstattung (zum Beispiel Napf, Leine und Körbchen), jährliche Kosten (unter anderem Hundesteuer, Haftpflicht und Futter) und diverse Sonderkosten (unter anderem Tierarztbesuche bei Krankheiten und Hundeschule). Geht man von einer Lebenserwartung des Hundes von circa 14 Jahren aus, ergeben sich für einen Hund je nach Größe mindestens 12 000 bis 17 000 Euro an Anschaffungs- und Haltungskosten.

7. Kann mein Hund nur in einer Hundeschule richtig erzogen werden?

Der Besuch einer Hundeschule ist in jedem Fall empfehlenswert, vor allem dann, wenn man nur wenig Vorwissen in Sachen Hundeerziehung vorzuweisen hat. Auch wenn man bereits sachkundig ist, kann professionelle Hilfe hilfreich sein.

8. Wie oft sollte ich mit meinem Hund zum Tierarzt?

Ist der Hund nicht akut verletzt oder erkrankt, empfiehlt es sich, einmal im Jahr zum routinemäßigen Durchchecken und dem Vornehmen notwendiger Impfungen den Tierarzt aufzusuchen.

9. Braucht mein Hund eine Versicherung?

Die Vorschriften zum Abschluss einer Haftpflichtversicherung für Hunde sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Grundsätzlich rät Lea Schmitz jedoch zum Abschluss dieser Versicherung für den Hund. Denn sollte der Hund einen Unfall verursachen oder jemanden beißen, zahlt die private Haftpflichtversicherung des Hundehalters nicht. Zudem existieren Kranken- oder OP-Versicherungen, die sinnvoll sein können. Möchte man eine solche Versicherung abschließen, empfiehlt es sich, zunächst verschiedene Angebote einzuholen und sich in diesem Zusammenhang auch über eventuell rassetypische Erkrankungen des Hundes zu informieren