D ass man nicht in Lumpen auf der Arbeit erscheint, ist doch klar. Doch verschwimmen schnell die Grenzen. Was der eine stilvoll und chic findet, mag der andere als unangemessen oder gar geschmacklos bezeichnen. Jedoch ist klar: In unserer Arbeitswelt geht es teilweise dermaßen oberflächlich und scheinheilig zu, dass einem schlecht werden könnte. Wer als Mann konventionell Karriere machen will, sollte sich schon mal an einen Anzug gewöhnen. Als Frau darf da auch mal die Weiblichkeit dezent betont werden, könnte ja dem Chef gefallen oder ihm die eine oder andere Entscheidung zumindest erleichtern. Was, diese Zeiten sind vorbei? Nie und nimmer. Alles nur Show.

So bieder wie in der Arbeitswelt geht es kaum woanders zu. Ehrlich und geradlinig ist man nur im Wirtshaus.
Das Irrsinnige: Hosenanzug für die Frau oder Hemd und Krawatte für den Mann sollen Seriosität ausstrahlen, doch gerade weil sich Seriosität nicht überstülpen lässt, sind derlei gesellschaftliche Etiketten scheinheilig.

Wohlgemerkt kann ein Anzug schick sein, darum geht es nicht. Es wäre genauso bescheuert zu sagen: Ab jetzt sind nur noch Hawaiihemden erlaubt! - Nein, es geht darum, seriös und professionell zu sein und das rüberzubringen, ohne auf ein konkretes Kleidungsstück angewiesen zu sein. Mode wird einem eingeredet, die wenigsten hinterfragen, was sie da anziehen, also ziehen sie mit. Warum? Weil ihnen Farbe und Mut fehlen. Also: Traut euch mal. Wer dann gefeuert wird, sollte sich freuen, dass er aus dieser schlechten Nummer raus ist.