Ein Konzept zur Kooperation mit Landwirten im Bereich von Wasserschutzgebieten wurde bei der Sitzung des Zweckverbandes Pfarrweisacher Gruppe (WZV) am Montagvormittag im Sitzungssaal der VG Ebern diskutiert. Es soll der Nitrateintrag in das Grundwasser minimiert werden. Hierzu referierte Christoph Hartmann vom Büro Geoteam Bayreuth vor den Verbandsräten. Sein Büro erhielt auch den Auftrag in Höhe von 6385 Euro, um erste Schritte in die Wege zu leiten.

Der Vorsitzende des Zweckverbandes zur Wasserversorgung der Pfarrweisacher Gruppe, Bürgermeister Ralf Nowak aus Pfarrweisach sagte eingangs, dass nun der Prozess mit den Landwirten angestoßen werden sollte, um eine intensivere Zusammenarbeit mit ihnen zur Senkung der Nitratwerte im Trinkwasser zu erreichen. "Ich denke, das ist ein Muss, da die Werte bei den Brunnen der Wasserversorgung Pfarrweisach sich um 40 mg/l bewegen.

Die Landwirte mit ins Boot nehmen

Da müssen wir die Landwirte mit ins Boot nehmen und sollten dabei auch nicht auf den letzten Euro schauen, um nicht später größere Probleme mit unserem Trinkwasser zu bekommen", sagte Nowak. Christoph Hartmann vom Geoteam Bayreuth stellte den Verbandsmitgliedern die Situation der Wasserversorgung, bzw. deren Belastung von Nitrat und "Nmin-Werten" vor, die mit der Düngung von landwirtschaftlichen Flächen zu tun haben und anhand derer man die bedarfsgerechte Stickstoffdüngermenge ermitteln kann.

"Um hier etwas zu erreichen, ist eine Kooperation mit den Landwirten nötig die Flächen in den betreffenden Gebieten haben und die wir mit ins Boot nehmen müssen", sagte Hartmann. Er zeigte zunächst die Wasserschutzgebiete im Bereich der Stadt Ebern und der Gemeinde Pfarrweisach auf, die es betrifft. Das seien zum Beispiel im Bereich Ebern der Brunnen Albersdorf, wo eine Umarbeitung vorgenommen werden müsse und bei der Pfarrweisacher Gruppe die Brunnen eins und zwei, sowie der Brunnen drei in Lohr. "Es stelle sich auch die Frage, ob man ggf. auch Flächen außerhalb des Wasserschutzgebietes mit aufnehmen sollte", sagte der Referent. Im Wasserschutzgebiet seien erhöhte Nitratwerte vorhanden. Relevante Auflagen für Landwirte wären Einschränkungen bei der Ausbringung von Dünger und Gülle, Silagen, Dauergrünland, Wirtschaftsdünger oder Freilandtierhaltung, so Hartmann. Laut seiner Darstellung ist eine deutliche Einschränkung von Düngemaßnahmen notwendig.

Hohe Werte

Beim Brunnen I liegen die Nitratwerte gegenwärtig so um die 40 mg/l, 2014 waren es deutlich unter 40 mg/l, 2007 lag der Wert bei etwa 25 mg/l. "Der Brunnen in Lohr hat die höchsten Werte, die den Grenzwert von 50 mg/l deutlich überschreiten", so der Referent. Alle Anlagen seien schutzwürdig und es mache Sinn die Einzelgebiete dieser Anlagen zu bearbeiten. Die Gehalte der Nmin-Werte liegen im Schnitt bei 60/ha.

Bürgermeister Helmut Dietz aus Untermerzbach fragte, ob die Klimaveränderung der letzten Jahre Auswirkungen auf die Nitratwerte haben könnte. Dazu sagte Hartmann, dass fehlende Niederschläge nicht zu einer Verdünnung des Nitrats beitrügen, weshalb diese Werte steigen könnten. Hier müsse man bei der Fruchtfolge der Bodenbearbeitung ansetzen und bei den einzelnen Betrieben sollte die Ursache der erhöhten Werte erkundet werden.

"Im Ackerbau ist ein systematisches Vorgehen nötig, um die Werte zu mindern", so der Referent. Macht es im Hinblick auf Werte von Nitrat oder Nmin einen Unterschied, ob eine Bio- oder konventionelle Landwirtschaft betrieben wird, fragte Bürgermeister Jürgen Hennemann aus Ebern. "Hier ist es erst einmal wichtig, dass wir Menschen nicht auseinander definieren", sagte Hartmann. Für Biolandwirte gebe es Förderung und der Wasserversorger könne noch was oben drauf legen, um so einen finanziellen Anreiz zu steigern eventuell in Wasserschutzgebieten ökologischen Landbau zu betreiben. "Eine Umstellung auf Biolandwirtschaft in Wasserschutzgebieten macht auf jeden Fall Sinn", so Hartmann. Das müssten die Wasserversorger mit den Landwirten umsetzen und Hartmann meinte, dass das hier auch gelingen könne. "Ökolandbau bringt durchschnittlich fünf bis zehn mg/l weniger, aber wir dürfen die Landwirte nicht in eine Ecke stellen, die das nicht tun."

Zweifel an der Biolandwirtschaft

Bernd Elflein, Beiratsmitglied und Landwirt aus Junkersdorf, bezweifelte das Biolandwirtschaft eine deutliche Verbesserung der Nitratwerte bringt, was Hartmann mit dem Hinweis, dass dies Untersuchungen aber ergeben hätten, zurück wies. Hinsichtlich der Nmin-Werte wären bei Fruchtarten wie Raps und Mais die Werte höher. Hartmann stellte fest: "Diese Werte sind in den letzten vier Jahre einfach zu hoch und da werden Herausforderungen auf die Landwirte zukommen." Bezüglich von Ausgleichsansprüchen sagte er, dass diese sich zwischen 60 und 160 Euro pro Hektar bewegen würden, je nachdem wo die Flächen liegen und um welche es sich handele. "Unser Ziel ist es Kooperationsvereinbarungen mit den Landwirten zu treffen, die möglichst wenig zusätzliche Bürokratie erzeugen", so Hartmann. Für die Schutzgebiete werden unterschiedliche Vereinbarungen zu treffen sein und vor allem in Lohr und Junkersdorf müsse man was tun. Zur Sprache kam auch der Wasserschutzweizen, der für Bäcker der Region ein Anreiz sein sollte, weil man damit bessere Ware produzieren könne. "Jedenfalls ist bei den angesprochenen Maßnahmen noch Luft nach unten vorhanden", so Hartmann.

Wie kann es weiter gehen? Hier nannte der Referent folgende Punkte: Vereinbarungen mit den Wasserversorgern und Landwirten erarbeiten, diese den Bayerischen Bauernverband (BBV) und dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) vorstellen und diskutieren, Auswertung von Betriebstaten durch das Geo-Team, Wasserversorger und Landwirte, den BVB und das AELF an einen Tisch bringen. Dabei sollten stets die Vorschläge der Landwirte gewichtet werden, da diese über Jahre die besten Kenntnisse über ihre Böden hätten. "Wir hocken in einem Boot mit den Landwirten und es geht nur gemeinsam", fasste Hartmann zusammen.

Flächen im Einzugsgebiet

Was ist mit den Flächen des Einzugsgebietes, fragte Martin Lang vom Bauamt der VG Ebern. Diese müsse man bei der Überarbeitung der Wasserschutzgebiete für die Kooperation mit einbeziehen, weil auch Flächen die weiter entfernt sind für erhöhte Nitratwerte verantwortlich sein könnten, sagte der Referent. "Das sollten wir nicht überweit ausdehnen, sondern nur soweit es auch tatsächlich nötig ist", so Vorsitzender Ralf Nowak. Welche Auswirkungen können Nitratwerte auf die Verbraucher haben, fragte Wilhelm Kuhn aus Pfarrweisach. In den allerersten Monaten können sich erhöhte Werte auf Säuglinge auswirken. "Bei Einhaltung des Grenzwertes von 50mg/l wären gesundheitliche Gefährdungen ausgeschlossen. Der Grenzwert wird wohl auch zukünftig gültig sein, sagte Dr. Hartmann auf eine entsprechende Frage von Ralf Nowak. Bernd Elflein aus Junkersdorf merkte an, das die Nitratwerte in Junkersdorf bei 32mg/l lägen. "Da ist doch eigentlich alles erfüllt", sagte er und erklärte das Einzugsgebiet des Wassers. Nach den Worten von Hartmann wäre eine Entscheidung für Junkersdorf erst einmal zurück gestellt.

Auf Vorhalt von Klaus Dünisch sagte Hartmann, dass Junkersdorf schon eine langjährige und "sehr scharfe Verordnung" habe. Aber auch dort werde man sich das Einzugsgebiet noch anschauen müssen, was Bernd Elflein zu der Aussage veranlasste, dass schon alles im Wasserschutzgebiet erfasst wäre. Bürgermeister Helmut Dietz und auch Jürgen Hennemann plädierten dafür, selbst bei geringen Nitratwerten diese nicht aus den Augen zu verlieren. "Hier werden wir stetig wachsam sein müssen", so Dietz und Hennemann sagte, dass man die eigene Trinkwasserversorgung auf jeden Fall aufrecht erhalten müsse. Jetzt müsse man einsteigen, wo die Probleme am Größten sind und da sollten alle Kommunen an einem Strang ziehen. Bernd Elflein wies noch darauf hin, dass die Nmin-Proben zu vernünftigen Zeitpunkten gewählt werden sollten. Diese werden erfolgen, wenn im Boden die "Auswaschungsperiode" beginnt, sagte Dr. Hartmann.

Geoteam beauftragt

Tanja Zürl, Leiterin der Bauverwaltung bei der VG Ebern erläuterte das man nach Vergleichen vorgeschlagen habe, das Geo-Team Bayreuth zu beauftragen. Der Einzelpreis dessen Angebotes liege im normalen Bereich. Dieses Angebot beläuft sich nach Worten des Vorsitzenden Nowak auf 6.385 Euro. Es wurde beschlossen diesen Auftrag an das Geo-Team zu vergeben. Tanja Zürl verwies allerdings darauf, dass das erst der Anfang wäre. "Wir müssen überlegen, wie wir später weiter machen und da werden noch weitere Kosten kommen", sagte sie.