Es erklärt der Chef dem Angestellten: "Solange Sie Ihre Füße unter meinen Schreibtisch stellen, wird gemacht, was ich sage!" Und, was sagt der Chef? Anzug und Krawatte sind Pflicht. Draußen sind 36 Grad. Im Büro steht die Luft... Na danke!

Ist es wirklich so schlimm? "Wir haben keinen Dresscode", sagt Michael Geiling von der Sparkasse Ostunterfranken und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Damit ist gemeint, dass nirgendwo vertraglich geregelt ist, was Mitarbeiter tragen dürfen und was nicht. Dennoch gilt in der Bank ein ungeschriebenes Gesetz: Männer tragen Anzug, Hemd und Krawatte, dazu geschlossene Schuhe. Das ist "eigentlich ein Selbstverständnis" unter Bankangestellten, so auch bei der Sparkasse, wie Geiling erklärt. Frauen dagegen haben etwas mehr Spielraum, sie können zum Beispiel Rock tragen, sofern dabei der Business-Look gewahrt bleibt.

Wie der Pressesprecher aber versichert, ist es auch mit Hemd und Krawatte gut auszuhalten. "Bei mir in Haßfurt sind es gerade 24 Grad", sagt Geiling, der in der Hauptgeschäftsstelle am Marktplatz arbeitet. Dort gibt es eine Klimaanlage. Bei älteren Geschäftsstellen ohne diese Ausstattung ist es aber dann doch mal etwas wärmer. Immerhin: Das Jackett darf abgenommen werden, zugeknöpft braucht niemand auf der Arbeit der Etikette wegen zu schwitzen. Auch bei der Wahl der Anzüge gibt es laut Geiling keine Vorschriften. So stehe es den Mitarbeitern frei, ob sie zum Beispiel einen dünnen Stoff wählen oder auch Leinen, das bekanntlich leichter und luftiger ist als Baum- oder Schurwolle.

Polizei: Uniform ist Pflicht

Bei der Polizei ist man an Vorschriften gebunden, es gibt eine Uniformpflicht, Männer wie Frauen haben sich daran zu halten. Aber: Es gibt für den Sommer ein kurzärmeliges Hemd, wie Kurt Förg, Chef der Polizeiinspektion Haßfurt, erklärt. Dazu steht eine leichte Sommerhose zur Verfügung. Wer sich dagegen für das langärmelige Hemd entscheidet, muss auch Krawatte dazu tragen, erläutert Förg. Aber: "In der Regel verzichten die Kollegen ganz gern auf die Krawatte" - sprich: sie entscheiden sich im Sommer fürs kurzärmelige Hemd. Es sei denn, ein Beamter muss repräsentative Termine wahrnehmen, dann gilt wieder die lange Variante.

Geschlossene Schuhe dagegen sind immer Pflicht, das muss allein aus Sicherheitsgründen so sein: Wenn die Polizeibeamten an eine Unfallstelle gerufen werden, können dort Scherben und andere scharfkantige Fahrzeugteile herumliegen, die zu Verletzungen führen können.

In der Geschäftsstelle Haßfurt der Arbeitsagentur Schweinfurt gibt es für die Mitarbeiter keinen Dresscode. "Ich sitze jetzt im T-Shirt hier", sagt der stellvertretende Leiter Helmut Lippke. Geht das auch, wenn man viel Kundenkontakt hat? Gerade da, erklärt Lippke, sei es wichtig, dass die Kunden nicht den Eindruck bekämen, sie würden von oben herab behandelt. Anzug und Krawatte, das "ist ja nicht unbedingt bürgernah".

Freilich gebe es Grenzen des guten Geschmacks, jedoch geht Lippke davon aus, dass die Agenturmitarbeiter das selbst gut einschätzen können. So wäre es zum Beispiel unangebracht, wenn weibliche Mitarbeiter bauchfrei erschienen (ebenso wie es auch für Männer unangebracht wäre, jedoch scheint die Wahrscheinlichkeit dafür äußerst gering).

Im Landratsamt des Landkreises Haßberge in Haßfurt gibt es ebenfalls keinen Dresscode, jedenfalls "nicht im Sinne einer Anordnung", erklärt Thomas Albert, stellvertretender Pressesprecher. Vielmehr gebe es ganz normale Benimmregeln, an denen man sich orientieren könnte. "Wir setzen hier auf das Selbstverständnis jedes Mitarbeiters und haben damit bislang keine Probleme gehabt. Auch nicht bei besonderen Wettersituationen wie länger anhaltenden Hitzeperioden."

Ausnahme: gesetzliche Vorgaben

Ausgenommen von der freien Kleiderwahl sind lediglich bestimmte Bereiche bei Außendiensten. Betroffen sind zum Beispiel Mitarbeiter der Lebensmittelüberwachung oder Veterinäre. Hier geht es allerdings nicht um die Etikette: Ein Aussetzen der Kleiderordnung ist da aus sicherheitstechnischen oder hygienischen Gründen nicht möglich beziehungsweise gesetzlich nicht erlaubt.