Die Bürger in Westheim wollen dem "Schwarzen Adler", der seit vielen Jahren leer stehenden Traditionsgaststätte, neue Flügel verleihen. Aus dem Gebäude mitten im Ort soll eine Art Dorfgemeinschaftshaus werden. Bei der Bürgerversammlung wurde das Projekt, für das die beiden Kirchengemeinden federführend tätig sein und das ökumenisch laufen soll, besprochen. Und weitgehend begrüßt. Einige Hürden gibt es aber noch.

"Wir haben zusammen mit den beiden Kirchen eine Vision entwickelt, wie das Gebäude nach seiner Sanierung aussehen kann. Nun kommen die Finanzierungsplanung und die Beantwortung der Frage, ob man dieses Projekt stemmen kann.
Ich bin jedoch guter Dinge, denn alle beteiligten Behörden haben sich dafür ausgesprochen, und die ausgesendeten Signale sind sehr gut", fasste Stadtplanerin Yvonne Slanz ihre Einschätzung bei der Bürgerversammlung zusammen, die auf großes Interesse stieß und mehr als 110 Bürger in die TSV-Turnhalle lockte.

Der Knetzgauer Bürgermeister Stefan Paulus (CWG, SPD) erinnerte daran, dass die Gemeinde die lange leer stehende Gastwirtschaft "Schwarzer Adler" 2009 ersteigert hatte, ohne zu wissen, was genau sie damit machen wolle. Auf jeden Fall habe die Kommune das Gebäude im Dorfzentrum selbst übernehmen wollen, bevor es in andere Hände gelangt.

Wichtige Rolle bei den Kirchen

Mit dem Projekt haben sich Architekten, die Gemeinde und ein Arbeitskreis aus Bürgern befasst. Die Stadtplanerin Yvonne Slanz legte die erörterten Nutzungsvarianten vor. Eine endgültige Lösung gebe es noch nicht, sagte sie. Aber die Idee gehe auf jeden Fall in Richtung Dorfgemeinschaftshaus. Eine wichtige Rolle haben nach ihrer Darstellung die beiden Kirchen, die ihre Zustimmung zum Nutzungskonzept gegeben hätten.

Der Bestand der alten Gastwirtschaft sieht laut Slanz so aus, dass im Erdgeschoss die zwei Gasträume und im Obergeschoss der Tanzsaal vorhanden sind. Im alten Brauereigebäude sei nicht mehr viel vorhanden. Aber die zwei Teile stünden unter Denkmalschutz, enthielten schöne Türen- und Sandsteingewände und sogar Deckenmalereien. Die Nebengebäude seien nicht so interessant und sollten abgerissen werden.

Vor diesem Hintergrund stellte sie mehrere Nutzungsvarianten vor. Übereinstimmung herrsche darin, dass das Erdgeschoss den Kirchengemeinden zur Verfügung gestellt werde. Der Saal solle für größere und kleinere Veranstaltungen für eine Personenzahl von 80 bis 120 genutzt werden. Der Seitenflügel der alten Brauerei könne der Dorfgemeinschaft zugeordnet werden. Man rate derzeit aber noch von der Sanierung ab, weil der Kosten-Nutzungsaufwand zu groß sei und die Räume ziemlich schmal seien. Das Erdgeschoss und der Saal sollten auf jeden Fall barrierefrei erreicht werden können, riet sie. Diese Entwürfe sollen nun dem Knetzgauer Gemeinderat vorgestellt werden.

Der evangelische Geistliche Urs Espeel unterstrich die Bedeutung des Projekts. "Ein Dorf wie Westheim braucht ein solches Zentrum. Schließlich liegt das Heil ja auch nicht im Vergangenen, sondern in der Zukunft".

Impuls für die Ökumene

Pfarrer Jürgen Schwarz von der katholischen Kirche erinnerte daran, dass er in der Ökumene aufgewachsen und fasziniert sei, wie dort die Pfarrer miteinander umgehen. "Diesen Schritt zur Ökumene sollten wir hier praktizieren. In Westheim bietet sich die Möglichkeit an, weil wir hier Schwesterkirchen sind und der besondere Ort so nahe bei beiden Kirchen liegt, wie es enger nicht geht. Der ,Schwarze Adler' wäre der Ort, an dem wir gemeinsam etwas machen könnten." Die Vision von Schwarz geht noch weiter. "Wir sind hier im Ostteil der Diözese Würzburg, der schon immer etwas vernachlässigt wurde. Wir könnten hier etwas Ökumenisches, praktisch ein Leuchtturmprojekt, verwirklichen."

Positive Anmerkungen kamen auch aus den Reihen der Mitglieder des Arbeitskreises "Schwarzer Adler". "Das trägt auf jeden Fall zur Verbesserung unseres Ortsbildes bei und könnte ein Impuls für die Bürger sein, selbst etwas an ihren Häusern zu machen. Außerdem könnte hiermit ein Leerstand im Zentrum beseitigt werden, zumal das Problem der Leerstände in Westheim schon erschreckend ist und man sich gar nicht vorstellen darf, was hier noch passieren kann," meinte Waltraud Panzner.

Der örtliche Beauftragte Josef Bauer sprach von einem "großen Handlungsbedarf in Westheim" und der Frage, ob der Ortskern dem Verfall überlassen werden soll. "Ich richte an alle den Appell, sich für die Sanierung einzusetzen."

Steffen Persch ging sogar noch einen Schritt weiter und betonte: "Das gehört einfach zur Geschichte von Westheim, und nichts machen wäre total verkehrt." Andreas Wächter erinnerte an die junge Generation und den Nachwuchs von Westheim. "Dies ist auch für unsere Jugend eine Chance, und wir stehen für sie jetzt in der Verantwortung, dass wir so ein Gebäude in der Dorfmitte erhalten."

Bruno Eirich stellte die Frage nach der Alternative, die er nicht sehe. "Denkmalschutz ist auch Denkmalpflege. Wir haben in unserer Ortschaft schon viel Substanz verloren, aber den ,Schwarzen Adler' sollten wir nicht verlieren. Die Kosten sind nicht das Problem", meinte er.

Nicht völlig dagegen, aber zumindest skeptisch äußerte sich Adolf Schröck. "Der Gemeinderat hat damals beschlossen, das Anwesen zu kaufen, wenn man damit nicht noch ein Haus unterhalten müsse. Schließlich haben wir in Westheim noch das Bonhoeffer-Haus, das Pfarrhaus, den Kindergarten und genügend Gebäude. Ich glaube, das langt." Auch die Frage nach der Nutzung des alten Schulgebäudes kam auf. Bürgermeister Paulus sagte, dass auch dies eine Herausforderung sei. "Wir haben dazu noch kein schlüssiges Konzept. Vielleicht lassen sich Wohnungen einbauen, oder wir finden einen Investor. Mit der Problematik des ,Schwarzen Adlers‘ sollten wir dies aber nicht verbinden", findet er.

Knackpunkt sind die Finanzen

Paulus schlug vor, die nächsten Schritte abzuwarten, denn beim Finanzierungsplan komme es zum Schwur. Die Frage sei, "ob wir uns das leisten können. Natürlich müssen wir hierzu auch Eigenleistungen abrufen. Aber aus dieser Bürgerversammlung nehme ich eine positive Grundstimmung wahr", unterstrich er.

Neben dem Projekt "Schwarzer Adler" stand bei der Bürgerversammlung auch der Fortgang der Dorferneuerung im Blickpunkt. Paulus gestand, dass er den Ärger der Bürger verstehe und auch er selbst nicht damit zufrieden sei, wie schleppend bisweilen die Dorferneuerung im Ort laufe. Westheim habe aber frühzeitig den demographischen Wandel erkannt, dagegen gesteuert und sich trotz Gegenwind mit Radwegebau, Krebsensee, offenem Treff, Krippe und Dorferneuerung zu einem Vorzeigedorf entwickelt. Dennoch seien der Ort und die Gemeinde noch nicht an dem Punkt, an dem sie sagen könnten, die Herausforderungen seien gemeistert. Westheim sei aber auf einem guten Weg.

Laut Stefan Paulus geht es weiter mit der Dorferneuerung in der Eschenauer Straße und in der Badgasse. Der Ingenieur Johannes Krüger stellte den Bürgern Details der Planung vor.