"Ach so eine Schusterwerkstatt ..." Ingo Hafenecker erinnert sich gerne an seine Kindheit zurück. "Dieser Geruch ... wir hatten damals einen Schuster in der Nachbarschaft." Der Schuster mochte Kinder und hatte nichts dagegen, wenn die sich in seiner Werkstatt aufhielten. Daher weiß Ingo Hafenecker noch genau, wie so eine richtige Schusterei aussehen sollte.
Solch eine Werkstatt haben Inge Günther und er im Heimatmuseum wiederauferstehen lassen. Ganz stimmt es natürlich nicht. "Hier fehlen die vielen Lederreste am Boden und eine große Wanne mit Wasser stand auch immer noch herum", aber das stört nicht. Ab Sonntag können die Besucher des Heimatmuseums trotzdem einen lebendigen Eindruck von einer Schusterei anno dazumal gewinnen.

Viele Gaben aus Ebern


"Inge Günther hat alles vorbereitet und organisiert", lobt Ingo Hafenecker, der Vorsitzende des Bürgervereins, seinen "Goldschatz". Dazu hat sie, wie sie selbst berichtet, Kontakt zu einem Orthopäden in Mellrichstadt aufgenommen. "Der hatte den Grundstock, ein paar Geräte und vor allem die ganzen Kinderschuhe." Den Rest fanden die eifrigen Organisatoren der Ausstellung im Fundus des eigenen Museums. Und bei etlichen Ebernern. "Ich hab ja gedacht, das hört gar nimmer auf", schmunzelt Ingo Hafenecker. "Jeden Tag kam jemand vorbei und hat was gebracht."
Von Schuhen über Strümpfe bis zu so manch anderer Kleinigkeit, die mit dem Thema zu tun hat, haben die Eberner etliche Sammlerstücke vorbei gebracht. Und auch in der Schuhfabrik Waldi in Haßfurt stieß das Anliegen des Eberner Museums offene Ohren. "Da kriegen wir nächste Woche noch einen Schuh in Größe 300, da passen fünf Kinder rein", freut sich Inge Günther. "Der wurde extra für uns wieder hergerichtet" und in dem sollen dann auch die Eberner Kinder Platz finden.

Einstmals sechs Schustereien


Auch für Lokalkolorit ist gesorgt. Immerhin gab es in Ebern alleine 1950 wenigstens sechs Schustereien. Aus diesen Werkstätten stammen manche der Ausstellungsstücke. Wie eine Ahle, die sogar noch mit Firmenaufdruck der "Joh. Gg. Schmitt Jun. Gerberei und Lederhandlung" versehen ist. Ein Stadtplan soll über die Lage der Eberner Schustereien und Schuhhandlungen informieren.
Insgesamt können die Besucher des Heimatmuseums bis Mai etwa 200 Schuhe und etliches Werkzeug sowie Strümpfe und andere Dinge besichtigen, die alle mit dem Schuh zu tun haben. Und am Sonntag wird sogar Lurchi, der Held unzähliger Comic-Heftchen, und vielen Älteren noch gut bekannt, Ehrengast bei der Eröffnung der Ausstellung sein.

Öffnungszeiten


Die Ausstellung ist ab Sonntag, 4. März, bis in den Mai zu den üblichen Öffnungszeiten des Heimatmuseums zu besichtigen. Es ist sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.