Der 52-jährige Jagdpächter war an diesem 13. Mai, es war ausgerechnet ein Freitag, gerade in seinem Revier im Steigerwald unterwegs. Sorge bereitete ihm seit letzter Zeit, dass die Füchse so überhand genommen hatten. Er hoffte, einen der zahlreichen Rotpelze in den Nachmittagsstunden in den jungen Maisflächen zu überraschen. Deshalb lag sein Jagdgewehr schussbereit in seinem Wagen, als ihn seine Schwägerin auf dem Handy anrief.

Auf Botengang kontrolliert


Ob er nicht mal eben eine Kleinigkeit in der nahen Kreisstadt besorgen könne, fragte sie ihn. Selbstredend, kein Problem. Der Jäger fuhr auf dem kürzesten Weg Richtung Haßfurt. Und da passierte das Unwahrscheinliche: Auf der Fahrt stoppte ihn eine Polizeistreife, die den Verkehr kontrollierte.
Die Beamten erkannten den Fahrer an seiner Kleidung als Jäger. Auf der Rücksitzbank des Autos fanden sie das mit drei Patronen geladene Jagdgewehr. Neben der Flinte lagen noch sechs weitere scharfe Patronen. Weil sich der Vorfall außerhalb des Reviers zutrug, lag damit ein Verstoß gegen das Waffengesetz vor, und die Sache landete vor dem Strafrichter am Amtsgericht in Haßfurt.

Besondere Verantwortung


Dass die Nachlässigkeit im Umgang mit Freizeitwaffen zur Katastrophe führen kann, weiß man spätestens seit der grauenhaften Bluttat von Winnenden vor knapp drei Jahren. Damals schnappte sich ein Jugendlicher die Sportwaffe seines Vaters und tötete im Amoklauf 15 Menschen und sich selbst.
Alle Inhaber eines Waffenscheins haben eine besondere Verantwortung im Hinblick auf ihre Waffen. Selbstverständlich darf der Jäger seine Gewehre zwischen Wohnung und Revier transportieren - sonst könnte er ja nicht auf die Pirsch gehen. Aber die Waffe muss durch ein Vorhängeschloss gesichert und darf keinesfalls geladen sein. Außerdem muss die Munition strikt von der Waffe getrennt mitgeführt werden, belehrte Richter Roland Wiltschka den Angeklagten beim Prozess.

Geldauflage


Wegen des vorsätzlichen unerlaubten Führens einer Schusswaffe, wie es im Juristendeutsch heißt, erhielt der Waidmann einen Strafbefehl von der Staatsanwaltschaft. Der sah eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen á 40 Euro vor. Im Auftrag ihres Mandanten hatte Rechtsanwältin Kerstin Rieger dagegen Einspruch eingelegt, so dass es zu der Verhandlung vor dem Amtsgericht in Haßfurt kam.
Der Jäger auf der Anklagebank wies zwar darauf hin, dass die Waffe gesichert gewesen sei, sah seinen Fehler aber ein und versprach, alle Vorschriften zukünftig genau einzuhalten. Daraufhin einigten sich die Prozessbeteiligten auf eine Einstellung des Verfahrens, was dem Revierpächter eine Verurteilung ersparte. Als Auflage muss er 1200 Euro an das Kinderheim St. Josef in Eltmann zahlen. Mit den Worten "das darf nicht nochmal passieren" verabschiedete ihn der Richter Roland Wiltschka.