Bloß nicht übermüdig werden. Das war damals die erste Lektion, die Nikolaus Schober gelernt hat. Der heute 77-jährige Pfaffendorfer begann im Alter von 23 Jahren mit dem Schach. In der damaligen Gastwirtschaft seines Vaters Johann Schober ("Zur Linde") spielte er öfters mal gegen einige Gäste die beliebten Brettspiele Dame und Mühle, als ihn der Pfaffendorfer Hauptschullehrer Franz Gruber dazu aufforderte, es doch einmal mit Schach zu probieren. Er würde es ihm beibringen.

"Ich habe 36 Partien gebraucht, bis ich den Lehrer zum ersten Mal geschlagen habe. Und da hat er schon ein paar getrunken gehabt", erinnert sich Nikolaus Schober. Als er wenig später bei einer Schachmeisterschaft im Ort von 16 Teilnehmern Zweiter wurde, war der Jungspund schon übermütig: "Da habe ich mir eingebildet, ich kann Schach spielen", sagt er und lacht. Also ging er nach Ebern, wo es einen Schachclub gab, forderte die zwei Spitzenspieler Peter Müller und Günther Böhm heraus und bekam eine heftige Abreibe: "Ich habe gleich zwei Mal 8:0 verloren", sagt Schober. Peter Müller habe ihm nach den Partien gesagt: "Ja, mein lieber Schober, wenn du mit uns Schach spielen willst, musst du noch ein bissl üben."


Gar nicht mal so gut

Das hat gesessen. Weil er diese Tage öfter in Bamberg war, begab er sich auch dort zu einem Schachclub und holte sich weitere Klatschen ab. Ungläubig dachte der Schach-Frischling: "Das gibt's doch nicht!" Schober musste feststellen, dass er doch nicht so gut war, wie er es angenommen hatte. "Aber ich habe Leute kennengelernt, die sehr gut Schach spielen konnten", erinnert er sich. Und die hätten gesagt, dass man das Spiel lernen müsse wie Lesen und Schreiben. Schober hatte nun ein Ziel: zurück nach Ebern und die Topspieler besiegen.
Also kaufte er sich Bücher ("Die habe ich heute noch"), womit er verschiedene Strategien des alten Brettspiels studierte und trainierte (siehe unten). "Nach eineinhalb Jahren habe ich die Zusammenhänge erkannt und konnte die Züge - und was zu tun ist - im Kopf behalten."


Revanche geglückt

Ein halbes Jahr später war es soweit: Revanche gegen Müller und Böhm vom Eberner Schachclub. Siege für Schober. "Das hat mein Selbstvertrauen enorm gesteigert", erinnert er sich. Er, der Fleischermeister und Gastronom, konnte im "Kopfspiel" Schach mit den Großen in der Region mithalten. Und bekam Respekt dafür.
Später gab es den Schachclub nicht mehr, eine Abteilung innerhalb des TV Ebern wurde gegründet, deren Leiter Schober heute ist. Im Oktober beginnt die neue Saison. Wer Lust hat, mal mitzuspielen: Zu erreichen ist Schober in der Gastwirtschaft "Zur Sonne" in Pfaffendorf unter Telefon 09535/241.


Strategie: Angriff und Verteidigung

Attacke Weiß beginnt, hat also einen leichten Vorteil, weil es durch den ersten Zug einen Vorsprung bei der Entwicklung seiner Figuren hat, wie Nikolaus Schober erläutert. Der Pfaffendorfer spielt Schach im Verein und erklärt, wie sich ein Spiel entwickelt.

Strategie Theoretisch kann man einfach drauf los spielen, aber erfahrene Schachspieler nutzen ungeschickte Anfangszüge schnell aus. Laut Nikolaus Schober lohnt es sich, verschiedene Eröffnungsstrategien beim Schach zu erlernen, um gerade in der Anfangsphase der ersten zehn bis 15 Züge keine schwerwiegenden Fehler zu machen. "Wer planlos spielt, ist nach wenigen Zügen schachmatt", warnt Nikolaus Schober. Im folgenden ein paar Eröffnungen.

Französische Verteidigung Es ist eine klassische Eröffnung des Spiels, die Grundstellung erfolgt nach den Zügen Weiß von e2 auf e4 und Schwarz von e7 auf e6. Danach ergeben sich verschiedene Varianten. Das Spiel gilt dann als "halboffen", weil die Linienöffnung (der Begriff bezieht sich auf die Bewegungsfreiheit der Figuren) langsamer erfolgt als bei "offenen" Spielen, die in der Regel offensiver ablaufen.

Sizilianische Verteidigung Ebenfalls eine "halboffene" Eröffnung, bei der Schwarz auf den weißen Eröffnungszug e2 nach e4 mit c7 nach c5 antwortet. Viele Großmeister (unter anderem auch der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow) setzen diese Eröffnung gerne ein, um mit Schwarz Druck erzeugen zu können und den Anfangsvorteil von Weiß wettzumachen.

Damengambit Das Damengambit ist eine Eröffnung, bei der Weiß durch die Opferung eines Bauern einen Vorteil im Zentrum zu erlangen versucht (Abfolge: weiß d2 auf d4, schwarz d7 auf d5, weiß c2 auf c4). Nikolaus Schober erinnert sich, wie er einst eine Partie, die der Gegner mit dem Damengambit eröffnete, mit der Grünfeld-indischen Verteidigung beantwortete. Bei dieser Variante des offenen Spiels zieht der schwarze Springer von g8 nach f6, der Bauer von g7 auf g6 und der Bauer von d7 nach d5, um so eine zentrale Bauernmacht von Weiß zu verhindern. Schober siegte. Wie viele Partien er in seiner Schachkarriere gespielt hat, kann er nicht sagen, aber es seien im Schnitt zehn Partien pro Woche.