Die Sander haben immer etwas Außergewöhnliches auf Lager. Selbst in Krisenzeiten pflegt das Winzer- und Korbmacherdorf seine Traditionen – den angeordneten Einschränkungen zum Trotz. Kreativität und Improvisation waren gefragt, denn es stand ein Jubiläum auf dem Programm. So wurde der 30. April doch noch zu einem besonderen Tag für die Gemeinde südlich des Mains.

Für Martin Fella, den Vorsitzenden der Maibaumfreunde Sand e.V. kam es nicht infrage, im Jubiläumsjahr keinen Maibaum am letzten Tag des Aprils aufzustellen. Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Thomas Gebhardt trägt der Sander bereits seit 25 Jahren die Verantwortung für das Fest rund um den 1. Mai. Vor 22 Jahren wurde dann auch offiziell der Verein gegründet – heute zählt er rund 70 Mitglieder.

Zehn statt 25 Meter

Trotz fehlender Zuschauer ging es auf dem Kirchplatz zünftig zu: Mit den Klängen des "Böhmischen Traums" marschierten Martin Fella und seine Lebensgefährtin Madlen Thiele mit dem Maibaum ein. Der war aus praktischen Gründen kleiner als sonst ausgefallen: "Normal ist unser Maibaum 25 Meter hoch, jetzt müssen wir uns mit zehn Metern begnügen", sagte der Initiator. Freilich ging somit auch das Aufstellen viel schneller als gewohnt: Mit nur einem Fuß dirigierte Thomas Gerhardt die Birke in das kleine Loch auf dem Gehweg – in einem Zug hievten seine Mitstreiter das Bäumchen in die Höhe. Da keine Gäste anwesend waren, klatschen die drei Maibaumfreunde sich und ihrem Baum ihren eigenen Beifall. Drei frische Maßen aus dem mitgebrachten Zehn-Liter-Fässchen Göller-Bier sorgten anschließend für Erfrischung: "Prost, auf unseren 25. Maibaum."

Dass die Einnahmen aus dem Getränke- und Speisenverkauf ausfielen, bringt die Maibaumfreunde zwar in keine finanzielle Notlage, Martin Fella bedauert es trotzdem sehr: "Sonst haben wir jedes Jahr aus unserem Erlös für einen guten Zweck gespendet: Zum Beispiel für die First Responder, das Jugendblasorchester, die Kindergärten, die Jugendfeuerwehr und andere. Das ist natürlich heuer nicht möglich."

Das Motto der Maibaumfreunde wirkt wie ein Mutmacher in der aktuellen Situation: "Bäume sind ein Zeichen des Lebens und stehen für Wachstum, Fruchtbarkeit und Standhaftigkeit." Für das nächste Jahr versprechen die Verantwortlichen: "Wenn wieder alles im normalen Rahmen läuft, werden wir natürlich im kommenden Jahr wieder einen großen Baum aufstellen und die Bevölkerung zu unserem Maifest einladen."

"Einmannbaum" in Ziegelanger

Auch in vielen anderen Orten zieren kleine Maibäume so manchen Garten oder den öffentlichen Grund. So auch in Ziegelanger vor dem Feuerwehrhaus. Karlheinz Markl ließ es sich nicht nehmen, seinem Heimatdorf eine sechs Meter hohe Birke zu stiften. Auf der prangt ein großes Schild mit der humorvollen Aufschrift "Einmann-Maibaum wegen Corona-Krise". Jedoch stimmt das nicht ganz: Ein Freund der Familie ging Markl zur Hand und half beim Aufstellen. Der Zuschauerkreis begrenzte sich auf Tochter Anna-Maria und Mutter Liselotte. Nach getaner Arbeit spielte Karlheinz Markl – aktives Mitglied bei der Heimatkapelle – auf dem Tenorhorn den Frankenliedmarsch. Mit einem Silvaner aus den Ziegelangerer Weinbergen gossen die Anwesenden schließlich den Baum an und stießen natürlich miteinander an.

Am 1. Mai machte sich Markl um 6 Uhr in der Früh auf und erklomm die Weinberge des Abt-Degen-Weintals. Mit Blick über das Maintal spielte er dort fröhliche Melodien und hieß so den Frühling willkommen.