Rudi Eck war 17 Jahre lang Bürgermeister der Kreisstadt Haßfurt. Der 67-Jährige hat nie Auseinandersetzungen gescheut, auch nicht mit den eigenen Reihen: 2012 trat er aus der CSU aus. Im Interview erklärt er, warum er das tat und welche Rolle dabei das geplante Millionenprojekt Sportpark Eichelsee spielte.
Das Interview findet statt in Sylbach, wo Rudi Eck mit seiner Frau Rosi wohnt. Eck bietet einen Kaffee an, offensichtlich reicht aber die Milch nur noch für eine Tasse, woraufhin er sagt: "Notfalls trink ich meinen schwarz."

infranken.de: Schwarz geht für Sie also doch noch.
Rudi Eck: Ja, ich bin schon noch a weng schwarz angehaucht. Da mach ich keinen Hehl draus. (Zu seinem CSU-Austritt): Das hätte nicht sein müssen, was da passiert ist. Aber ich musste konsequent sein. Das war auch immer eine Linie von mir: konsequent zu sein.

Gibt es da noch Anfeindungen?
Ne. Es gab auch nie Anfeindungen. Es war eine Entwicklung für mich persönlich mit der CSU Haßfurt, dem Ortsverband, und mit der Fraktion. In der letzten Amtsperiode hat sich da einiges entwickelt. Das TV-Projekt (Sportpark Eichelsee des TV Haßfurt, die Red.), wo sich die Fraktion komplett zurückgezogen und mich allein hat stehen lassen, das war für mich der ausschlaggebende Punkt. Und ich muss sagen: Ich war noch nie in meinem Leben ein richtiger Politiker. Ich bin ein Praktiker, der an Dinge rangeht und die umsetzt. Ich bin 1978 als jüngster Stadtrat in die Partei eingetreten, auf der Liste war ich noch parteilos. In den folgenden Jahren hatte ich aber nie bedeutende Parteiämter inne, das war nicht meins. Persönlich stehe ich der CSU aber immer noch nahe.

Das Thema Sportpark Eichelsee dürfte Sie darüber hinaus noch beschäftigt haben.
Es sieht so aus, dass es so sein wird, wie ich prophezeit hab. Dass nix voran geht. Aber klar ist: Der TV braucht draußen am Eichelsee diese Halle und nirgendwo anders. Sonst ist das für den TV ein Riesenproblem für die Zukunft. Wie groß sie wird, darüber kann man diskutieren.

Dass das Projekt scheiterte, können viele Beobachter nicht nachvollziehen.
Nach einigen Jahren Planung (seit 2008) hatte der TV im Januar 2012 ein fertiges Projekt. Es folgte der Projektstopp durch die Stadt. Dann wurde im November 2012 noch ein Kompromiss gefunden mit der Ausgabendeckelung auf 4,65 Millionen Euro. Im April 2014 kam dann das Signal: Dem Verein fehlt heute die Power, sprich die Leute, die das in die Hand nehmen sollten, hatten das Projekt ja schon über Jahre begleitet. Dass die Luft raus ist, das kann man sich vorstellen. Zudem sind die Preise gestiegen, seit dem Projektstopp in 2012 gibt es kein Spendenaufkommen mehr. Es gab ja eine ausführliche Planung, doch die konnte nicht umgesetzt werden. Da war zum einen das finanzielle Risiko und zweitens die Frage: Wer soll denn das eigentlich anpacken?

Sie haben also Verständnis für die Entscheidung der Vereinsführung?
Ja, ich hab das genauso gesehen. Für mich war auch klar, dass ich bald nicht mehr Bürgermeister sein werde, weshalb ich dem Stadtrat und neuen Bürgermeister gesagt habe, dass da ein Problem ist und dass sie sich da als nächstes drum kümmern müssen. Aber jetzt ist schon wieder ein Jahr vergangen und es geht nicht weiter. Das wird dadurch immer schwieriger.

Inwiefern hängt es Ihnen nach, dass Sie das nicht mehr als Bürgermeister zu Ende gebracht haben?
Ich bin sehr enttäuscht, dass es nicht gelungen ist. Es war ja alles fertig. Doch dann ist die Zeit davon gelaufen. Es gab zwar einen Engpass, aber ich hatte gehofft, dass auf Grundlage des zuvor erarbeiteten Plans weitergemacht wird. Vielleicht etwas modifiziert, es gab Überlegungen, dass die Halle nochmal etwas kleiner gemacht wird und die Stadt noch ein bisschen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stellt. Dann hätte man meines Erachtens noch 2014 das Thema vom Tisch gehabt. Jetzt sind die Fronten so verhärtet und alles ist so verfahren, dass im Moment alles auf den Nullstand zurückgeführt ist. Das ist grausam, das ist schlimm für den Sport, schlimm für den Verein und schlimm auch für die Stadt.

Der Wille war von allen Seiten da. Wenn so ein Projekt scheitert, tut das doch sicherlich allen Seiten weh.
Ich verstehe nicht, dass man sich nicht hinsetzt, wie es ja auch vom Verein gefordert war, mit Fachleuten, mit dem BLSV, mit allen. Aber es tut sich nichts.

Würden Sie sich auch mit an den Tisch setzen?

Ich habe keinen Kontakt mehr mit der Kommunalpolitik in diesem Thema. Es spricht keiner mit mir darüber. Mit dem Verein habe ich noch lose Kontakt (Eck ist TV-Mitglied, die Red.). Aber ich habe auch gesagt, ich werde aktiv an der Vorbereitung oder Umsetzung nicht mehr mitwirken. Dennoch: Wenn es tatsächlich zu einem Projekt kommt, habe ich dem Verein gesagt, dass ich dazu bereit bin, mich noch einmal in das Projekt mit einzubringen.

Ihr Verhältnis zu alten Weggefährten und Begleitern in dieser Sache, ist das belastet?
Nein. Es ist ein normales, gutes Verhältnis. Aber inhaltlich gleich Null, kann man sagen.

Verwunderlich ist es schon, dass das Projekt scheiterte. Schließlich hat die Stadt Haßfurt schon vergleichbare und sogar größere Projekte umgesetzt. Lag es wirklich nur an der Finanzierung?
Da war sicherlich das Finanzielle nicht das Ausschlaggebende. Das wurde dann mehr oder weniger in den Vordergrund gestellt. Es gab auch einfach mehr und mehr Probleme hinter den Kulissen. Ortsvereine aus der Umgebung, die das auch sehr kritisch gesehen haben, dass ein Verein mit einer solchen Größenordnung von der Stadt unterstützt wird. Ich habe versucht, sie zu überzeugen, dass es für sie keinen Nachteil haben wird. Der TV war zu diesem Zeitpunkt der größte Verein im ganzen Landkreis, jetzt sind wir es ja nicht mehr, jetzt ist es der TV Ebern. Der TV Haßfurt ist jetzt mehr oder weniger am Schrumpfen. Er hat Schaden genommen, wir haben auch Mitglieder verloren. Jetzt ist alles teurer, die Stadt muss jetzt zum Beispiel wesentlich mehr Geld einbringen als vor fünf, sechs Jahren, selbst wenn das ganze Projekt kleiner wird. Wenn man damals gesagt hätte: 5,9 Millionen Euro, Deckel drauf, das wäre auch gegangen. Die Zuschüsse waren gestanden, alles. Was jetzt kommt, wird für alle Seiten teurer. Und zwar wesentlich teurer und man kriegt weniger dafür. Aber es muss etwas gemacht werden. Schauen Sie mal: In der Aula der Berufsschule macht der Turnverein Sport. Und außenrum die Gemeinden, Sand und wie sie alle heißen, die lachen uns aus. Die sagen: Dass ihr das nicht schafft! Die Sander etwa haben ihre Halle für ein paar Millionen saniert und einen Kunstrasenplatz gebaut. Eine kleine Gemeinde. Respekt!

Ihre Bilanz als Bürgermeister, fällt die trotzdem positiv aus?
Ja! Es hat mir immer Spaß gemacht, Bürgermeister zu sein. Was ich übrigens nie als Lebensplanung hatte. Beruflich lief es bei mir nämlich sehr gut (Eck war Diplom-Betriebswirt in der Personalabteilung bei Michelin, die Red.). Hätte ich es damals nicht gemacht, wäre ich mit 58 (lacht) in Pension gegangen und so bin ich halt mit 49 erst noch Bürgermeister geworden. Und ich hätte finanziell garantiert keinen Nachteil gehabt. Aber das war für mich nicht ausschlaggebend. Ich habe nach fast 20 Jahren im Stadtrat gesehen: Haßfurt kann noch was, kann sich noch entwickeln.

Haben Sie sich gleich zurechtgefunden?
Ich hatte durch die Erfahrung in der freien Wirtschaft und als Stadtrat die optimalen Voraussetzungen für das Amt. Sonst hätte ich es mir nicht zugetraut, weil ich gesehen habe, wie schwierig und wie schwer ein solches Amt ist, denn Bürgermeister ist man rund um die Uhr. Und so kam es auch. Es waren harte Brocken dabei.

Zum Beispiel?

Insbesondere was die Investitionen der Industrie angeht, was da hinter den Kulissen an Gesprächen und Überzeugungsarbeit notwendig ist... aber auch richtig einzuschätzen, wie sich alles entwickelt, ist sehr schwer. Wenn Sie mir vor zehn Jahren gesagt hätten, dass wir heute etliche Kinderkrippen haben werden, hätte ich gesagt: Leute, wir sind auf dem Land, wir haben Großeltern! Du musst ständig beobachten und immer wieder Weichen stellen. Und darauf reagieren, gegebenenfalls den Kurs ändern. Das härteste, was ich in meiner Laufbahn hatte, war der Gewerbepark Ost. Bis wir dort überhaupt eine Genehmigung bekommen haben, einen Gewerbepark zu machen, war ein schwerer Kampf. Das ganze Gebiet war Außenbereich und dafür brauchten wir eine Sondergenehmigung.

Sie haben in früheren Gesprächen gesagt, dass man immer am Ball bleiben müsse. Haben Sie das auch öfter mal zu den Mitarbeitern im Rathaus gesagt?
Sicher. Erstmal ist man Motivator und ich bin einer, der hat die Leute auch gefordert. Manchmal haben sie gestöhnt. Aber wenn wir es dann umgesetzt hatten, waren sie alle zufrieden. Wir hatten wirklich eine schöne Teamarbeit und haben permanent neue Dinge angepackt. Auch mit anderen Behörden: In Zusammenarbeit mit dem damaligen Landrat Handwerker haben wir in den letzten drei Jahren mit München erfolgreich verhandelt und so den Neubau des Amtsgerichts in Haßfurt erreicht.

Als die Stadt der Waldi-Schuhfabrik vor ein paar Jahren ihren Altbestand für 5,6 Millionen Euro abgekauft hat, sah das ein bisschen so aus, als wolle man der Firma einen Gefallen tun.
Nein, das war kein Gefallen. Es war eine Chance, die Firma endgültig an Haßfurt zu binden. Die Stadt hat damit keinen Schaden. Wenn diese Firma weg wäre, würde Haßfurt von der Gewerbesteuer her ein Riesenloch bekommen. Die Stadt hat eine Zwischenfinanzierung gemacht im Endeffekt. Wir haben Waldi dazu verholfen, dass sie den zweiten Bauabschnitt machen können. Es war für mich immer klar, dass wir aufpassen müssen. Irgendwann wird der Altbestand aus Platzgründen aufgelöst, und es war klar, dass die Firma woanders weiterbauen wird. Es gab nur einen Weg, dass die Stadt jetzt aktiv wird und der Firma anbietet: Wir übernehmen den Altbestand. Der ja in der Zwischenzeit fast zu zwei Drittel wieder verkauft ist. Vielleicht nicht gewinnbringend, aber insgesamt betrachtet nützt es der Stadt sehr viel, denn so einen Betrieb mit so vielen Arbeitsplätzen insbesondere für Frauen werden sie in Haßfurt nie mehr bekommen.

Wie geht's Ihnen im Ruhestand?
Sehr gut. Ich wusste, es ist keine Entscheidung, sondern es ist entschieden. Jeder, der mich fragte "Würdest du denn, wenn...?", dem sagte ich: Das interessiert mich nicht. Da brauchst du nicht drüber nachzudenken. Das ist so und aus. Deswegen fiel mir der Übergang auch nicht schwer. Die erste Zeit war herrlich. Es war Mai, man konnte raus, dann kam der Sommer. Ich dachte öfter mal: Ach, ich muss ja schon wieder nicht auf die Arbeit. Ich habe auch keine Langeweile, weil ich ein Praktiker bin. Ich will praktische Dinge tun, am liebsten draußen an der frischen Luft. Ich halte mich auch sportlich fit mit Walken, Radfahren, Wandern, Schwimmen und Tischtennis spielen. Ich habe mehrere Stammtische, zum Beispiel die Dickhäuter immer freitags, oder die Tornados, von den Elf Weisen Hasen eine Gruppe. Einen Schafkopf karten wir auch, mit Landrat Rudolf Handwerker a.D., dem ehemaligen Sparkassenchef Manfred Döbereiner und mit Erich Heß, dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden der SPD. Ich habe nicht mehr so viele Termine, also kann ich auch kurzfristig mal mit der Familie verreisen. Was meine Freizeit betrifft gehe ich natürlich auch meiner Frau im Haushalt und Garten zur Hand, mache Einkäufe und unterstütze sie auch bei ihrer Tätigkeit als Vorsitzende des katholischen Frauenbundes, sozusagen als Privatsekretär.

Die Fragen stellte unser
Redaktionsmitglied Andreas Lösch




Daten und Projekte


Bürgermeister Von 1997 bis 2014 war Rudi Eck Bürgermeister von Haßfurt. Er schied letztes Jahr aus dem Amt aus, weil er altersbedingt nicht mehr zur Wahl antreten durfte. Eck hat mit seiner Frau Rosi zwei Töchter und ist Großvater von zwei Buben und einem Mädchen.

Sportpark Eichelsee Zunächst war es als Sechs-Millionen-Euro-Projekt des TV Haßfurt geplant und wurde 2012 nach langer Planung auf den Weg gebracht. Die Stadt Haßfurt hätte sich mit 1,9 Millionen Euro beteiligt. Im November 2012 wurde das Vorhaben aus Sorge um die Finanzierbarkeit auf 4,65 Millionen Euro gedeckelt (wobei der Zuschuss der Stadt 1,5 Millionen Euro betragen sollte). Schließlich hat der TV das Projekt 2014 gestoppt.