Die Raupen greifen an im Schutz der Dunkelheit. Clever, weil ihre größten Feinde, die Winzer, sich tatsächlich etwas besseres vorstellen können, als Tag und Nacht im Weinberg zu verbringen. Einen hohen Ernteverlust möchten sie aber ebenso wenig riskieren - also beißen sie in den sauren Apfel, bevor die Erdraupe in den Rebstock beißt.

Nur die jungen Knospen schmecken den etwa daumenlangen Schmetterlingslarven, erklärt Max Martin. Das heißt, das Zeitfenster, in dem die Raupen zuschlagen, ist recht klein. Derzeit ist es aber offen: In Mainfranken sind die Triebe an den Rebstöcken schon draußen. "Wir sind etwa eine Woche früher dran" als andere Regionen, sagt Martin. Der 28-jährige Weinbautechniker arbeitet im gleichnamigen Familienbetrieb in Ziegelanger. Die Weinbauern haben auch Weinberge bei Sand, dort aber sei die Raupe nicht gesichtet worden. Auf den rund vier Hektar Anbaufläche in Zie-gelanger waren die Schädlinge die vergangenen Tage sehr aktiv.

150 Raupen pro Hektar

Pro Hektar sammelten Max Martin und weitere Helfer am späten Montagabend rund 150 Erdraupen ein und vernichteten sie. "Eine frisst pro Nacht etwa drei Knospen ab", sagt Martin. Handle man nicht, könne das in wenigen Tagen erheblichen Schaden in den Weinbergen anrichten. So blieben die Verluste relativ gering: Etwa zehn Prozent der Knospen seien beschädigt worden. Der restliche Bestand ist in gutem Zustand. Des Nachts geht Max Martin diese Woche nochmal in den Hang - zur Kontrolle, ob nicht eine weitere Larvenarmee anrückt. Mit Taschenlampe laufen er und seine Helfer durch die Reihen im Weinberg. Man müsse vorsichtig sein, die Tiere ließen sich sofort fallen, bei kleinsten Erschütterungen. Dann verschwinden sie vorerst wieder in der Erde.

Keine Chemiekeule zu empfehlen

Schädlingsbekämpfungsmittel setzt der Weinbaubetrieb Martin prinzipiell nicht ein. Chemische Gifte oder andere Mittel schaden meist nicht nur Schädlingen, sondern auch Nützlingen und sogar dem Boden. Das zerstört laut Martin das natürliche Gleichgewicht. Denn: Oft ist es so, dass ein Schädling einen Fressfeind hat, der dann auch in den Weinberg kommt, sollte es einen Befall geben. Kleinere Verluste müsse man in Kauf nehmen, doch das sei akzeptabel. Bei dem nächtlichen Knospenräuber muss der Winzer selbst ran. Überhaupt, bei Erdraupen wäre Gifteinsatz ohnehin die schlechteste Lösung: Man müsste relativ viel Gift sprühen und selbst dann brauche eine Raupe drei bis vier Knospen, damit sie eine tödliche Dosis abkriegt.

Übrigens: Die Winzer im Kreis Haßberge warnen sich untereinander, wenn Schädlinge an ihren Pflanzen auftauchen. Max Martin etwa wurde vom benachbarten Winzer Nüßlein aus Zeil auf die Raupen hingewiesen. "Gestern sind dann ein bissl die Telefone heißgelaufen", sagt Martin. Die Winzer hätten sich gegenseitig informiert. Der aktuelle Raupenbefall tritt nach Max Martins Angaben jedoch nur punktuell auf.