Am Gedenktag der Reformation hatte das Evangelisch-Lutherische Dekanat Rügheim traditionell zu einem Festabend mit Gottesdienst und der Ehrung langjähriger Mitarbeiter eingeladen. Anstelle des gewohnten Festvortrags stand in diesem Jahr ein Podiumsgespräch zum Thema "Weltweite Kirche" auf dem Programm, das Pfarrer Ference Cselovszky (Ungarn), Onesmo Maseleka und Hellena Msese (beide Tansania) sowie stellvertretender Dekan Bernd Grosser (Ebern) führten. Dekan Jürgen Blechschmidt fungierte als Übersetzer.
Der Festgottesdienst wurde umrahmt und ausgestaltet vom Bezirksposaunenchor und Dekanatskantor Matthias Göttemann an der Orgel. Den liturgischen Teil übernahmen Dekan Jürgen Blechschmidt, die beiden Synodalpräsidenten Gisela Schott und Gerhard Koch sowie die Gäste aus Ungarn und Tansania.

Mit einer festlichen Intrade zum zentralen Lied der Reformation "Ein feste Burg ist unser Gott", das auch die Gemeinde kraftvoll
mitsang, begann Abendgottesdienst in der Rügheimer Kirche. Pfarrer Ference Cselovszky aus der Innenstadtgemeinde Budapest hielt die Festpredigt. Er fragte, inwieweit es heute noch sinnvoll sei, an den Thesenanschlag vor 499 Jahren zu erinnern. "Schon bei Mose haben die Menschen Gottes Gegenwart und Kraft erfahren", so der Prediger, der dann den Bogen über das Reformationsgeschehen in die Gegenwart spannte.


Podiumsgespräch

Die ausländischen Gäste auf dem Podium berichteten kurz von sich und ihrer Arbeit. In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass Kirche in den jeweiligen Ländern gegenwärtig weder unter Verfolgung noch unter Unterdrückung zu leiden habe, es aber nicht immer einfach sei, das Wort Gottes gemäß der evangelischen Anschauung zu verbreiten.

Pfarrer Cselovszky gab zu bedenken, dass Kirche und Staat zur besseren Verständigung eine gemeinsame Sprache finden müssten; daneben sei die Bekämpfung der Armut eine wichtige Aufgabe der Kirchen.
Zum Jubiläumsjahr der Reformation werde es sowohl in Ungarn als auch in Tansania e Gottesdienste und Veranstaltungen geben. Bernd Grosser fasste zusammen, "dass wir uns als Christen hier in Deutschland in den Antworten wiederfinden können, sei es im Paradigmenwechsel der sich wandelnden Gesellschaft, in der Aufgabe, diakonisch und sozial zu arbeiten, die Menschenfreundlichkeit Gottes den Menschen nahezubringen oder sich für Mission und Bildung einzusetzen."

Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Gäste im Martin-Luther-Haus, wo verdiente Mitarbeiter geehrt wurden. Landrat Wilhelm Schneider ging auf die Situation der Flüchtlinge ein und erinnerte an Martin Luther, der unter anderem forderte, "allen Menschen Teilhabe an Bildung und Gestaltung von Welt und Kirche zu geben". Schneider gab seiner Freude Ausdruck, "dass unsere evangelischen Kirchengemeinden mit im Boot sind und ein großes Herz für unsere Flüchtlinge zeigen". Als besonders positives Zeichen erwähnte der Landrat, dass die Bayerische Landeskirche für den Integrationsprozess Finanzmittel bewilligt hat und das Dekanat Rügheim eine neue Projektstelle zur Betreuung von Flüchtlingen einrichten wird.

Der Bürgermeister der Stadt Hofheim, Wolfgang Borst, gab im Blick auf die Flüchtlingsproblematik zu bedenken, "dass wir ein Privileg haben, hier geboren zu sein - das ist eine Verpflichtung für uns alle!"

Von katholischer Seite verwies Dekan Stefan Geßner auf den Ausspruch des Ökumeneministers im Vatikan, Kardinal Koch: "Es ist ein historisches Ereignis, dass erstmals in der Geschichte Protestanten und Katholiken gemeinsam der Reformation gedenken."


Ehrungen

Im Mittelpunkt des Dekanat sempfangs standen Ehrungen langjähriger Mitarbeiter. Dazu erhielt jeder eine Ton-Kachel mit der Aufschrift "Gottes Segen wünscht das Evangelisch-Lutherische Dekanat Rügheim" sowie eine Urkunde mit Würdigung. In diesem Jahr konnte Dekan Blechschmidt 22 Personen auszeichnen.


Die ausgezeichneten Ehrenamtlichen
Liturgischer Chor Ermershausen 25 Jahre Helga Bauer, Gerlinde Döhler, Gisela Franz, Ulla Herold, Beate Vey sowie Edith Ernsthenrich

Posaunenchor 50 Jahre Hans-Hermann Beuerle (Römershofen), der zudem noch das Amt des Lektors ausübt und sich um die Bläserausbildung im kleinen Bezirkschor kümmert; auch Wolfgang Fischer (Königsberg), Günter Habermann und Werner Grell (beide Rentweinsdorf), Willi Koch (Dörflis) sowie Helmut Mauer (Sulzbach) und Horst Arneth (Ebern/Welkendorf), der 25 Jahre das Amt des Kirchenvorstehers ausübt und zudem den Mesnerdienst in Jesserndorf leistet sowie als Gemeindebriefausträger und Sammler tätig ist.
Posaunenchor 25 Jahre Thorsten Schmidt aus Holzhausen

25 Jahre Ein Vierteljahrhundert üben den Mesnerdienst Helmut Schmitt (Burgpreppach) und Helga Mauer (Manau) aus. Ebenso lange sind Christa Kirchner (Mailes) und Elisabeth Treubert (Wetzhausen) beim Besuchsdienst im Einsatz; Volker Schüssler aus Walchenfeld hilft bei der Kindergottesdienstarbeit mit; Ingrid Reimer (Wetzhausen) ist als Gemeinde- und Gottesdiensthelferin und Rosemarie Brand (Uchenhofen) in der Friedhofsverwaltung tätig. Lothar Schöppach aus Rentweinsdorf ist Organist in Salmsdorf.