26 Denkmalschutzmedaillen gehen in diesem Jahr an Persönlichkeiten und Institutionen im ganzen Freistaat. Darunter sind auch zwei Preisträger aus dem Landkreis Haßberge. Kreisheimatpfleger Günter Lipp und Andrea Meub haben sich in herausragender Weise für die Denkmalpflege engagiert, sagte Kunstminister Bernd Sibler bei der Bekanntgabe in München. Lipp wurde für seine Verdienste um die Denkmalpflege im Landkreis ausgezeichnet. Meub machte sich mit der Instandsetzung eines Wohnhauses mit historischem Laden in Friesenhausen verdient.

Aus München nach Unterfranken

Dass ausgerechnet ein Münchner den Unterfranken etwas über ihre Heimat beibringt, hätte wohl niemand gedacht - zumindest nicht bis Lipp 1991 zum Kreisheimatpfleger im Landkreis Haßberge wurde. Seitdem erfahren die Menschen dort von ihm Wissenswertes über die Geschichte ihres Kreises: in Vorträgen, auf Führungen und aus Zeitungsartikeln. Mehr als 500 hat er geschrieben. Dass die Erkenntnisse seiner Arbeit jene erreichen, die sie betreffen, ist Lipp wichtig.

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Die Wissensvermittlung war schließlich sein Beruf und brachte ihn überhaupt erst nach Franken. In den 1960er Jahren wurde er als Junglehrer dorthin versetzt. In seinem Ehrenamt findet er häufig Objekte, deren Aufnahme er in die Denkmalliste initiiert. Seine Forschungsergebnisse zu bau- und heimatgeschichtlichen Daten dokumentierte er im Sinne der Denkmalpflege überaus gewissenhaft. Darüber hinaus gab er oft Impulse für wichtige Projekte und Maßnahmen der Denkmalpflege, etwa der Restaurierung zahlreicher Bildstöcke wie den Barbara-Bildstock in Ebern. Ein besonderes Anliegen ist Lipp aber auch die jüdische Geschichte im Landkreis und das Gedenken an jene, die während des Holocausts ums Leben kamen.

Lipps Engagement für die Denkmalpflege zeigt sich unter anderem daran, dass er immer wieder "Hand anlegt" wie zuletzt auf dem Friedhof Rentweinsdorf. Er ermittelte nicht nur die Geschichte der Toten, sondern reinigte mit Hilfe seiner Frau Beate behutsam die Grabplatten und Gedenktafeln, um ihre Inschriften zu entziffern und zu dokumentieren. Ihm gelang es, die öffentliche Aufmerksamkeit auch auf Kleindenkmäler zu lenken, die sonst oft im Schatten großer Bauten stehen.

Ein Museum für Friesenhausen

Die zweite Medaille ging an Andrea Meub aus Friesenhausen für die Instandsetzung eines Wohnhauses mit historischem Laden: Seit 1890 gab es dort fast alles, was die Friesenhausener zum Leben benötigten: Seife, Linsen, Schuhe, Taufkleider, Bohnerwachs und Bonbons. 1976 schloss der Laden "Jakob Schmidt" gegenüber der Dorfkirche für immer. Die ausgelegte Ware aber blieb in den Regalen liegen - bis fast 40 Jahre später Meub das Anwesen erwarb und ein Museum daraus machte. Aufgewachsen im Nachbarshaus, hatte sie als Kind dort eingekauft.

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Entstanden ist das Fachwerkgebäude im Ortskern um 1700. Später nutzte es die katholische Kirche als Schule. In dieser Zeit ließen es seine Besitzer verputzen. 1910 gehörte das Haus bereits den Schmidts. Sie erweiterten es in Querrichtung um eine Achse. Dabei erhielt das ehemals gleichschenklige Satteldach seine abgeknickte Form. Meub ließ es instandsetzen, die Türen und Fenster fachgerecht restaurieren sowie den Fassadenputz erneuern, um den Zustand von 1820 wiederherzustellen.

Die südöstliche Ecksäule des Fachwerks mit dem eingeschnitzten "Schreckkopf", die lange unter dem Putz versteckt war, ist nun wieder sichtbar. Darüber hinaus besserte Meub die Scheune aus und gestaltete den Hof als Bauerngarten. Aber nicht nur die liebevolle Restaurierung macht das Projekt einmalig, sondern seine vollständig erhaltene Innenausstattung. Meub hat die Möbel aufgearbeitet und die Waren behutsam gesäubert. Sie hat ein Haus gerettet, das die Identifikation der Einwohner mit ihrem Ort stärkt und ein wichtiges Kulturgut, das das Konsumverhalten seiner Zeit widerspiegelt. Am Projekt mitbeteiligt waren Restauratorin Ingrid Winkelmann aus Peulendorf, die Schreinerei Remshardt aus Ebern, Verputz Weipert aus Stadtlauringen und Christian Schmidt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.

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