Eine Verkehrskontrolle am 20. August 2018 in einem kleinen Ort im Maintal ist völlig eskaliert. Als die beiden Polizeibeamten das Fahrzeug eines jungen Mannes anhielten, ließ der Fahrer ein Druckverschlusstütchen mit Marihuana fallen und ergriff zu Fuß die Flucht. Er versteckte sich im elterlichen Wohnhaus. Als die Beamten dort eintrafen, wurden sie vom Vater des Gesuchten aufgefordert, das Grundstück zu verlassen.

Dies taten die Ordnungshüter, kehrten aber nach kurzer Zeit zurück und kündigten an, dass Verstärkung und ein Drogenspürhund bald einträfen. "Ihr habt doch einen Vogel", erwiderte daraufhin der Vater. Als er per Handy anschließend mit seinem Sohn telefonierte, eskalierte laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft die Situation. Einer der beiden Beamten griff nach dem Handy. Dabei soll sich der Vater weggedreht haben. Danach kam es laut Anklage zu einem Gerangel, bei dem beide zu Boden gingen und der Polizeibeamte sich unter anderem am Ellbogen verletzte und eine Woche dienstunfähig war. Als es einem der beiden Beamten gelang, das Handy des heute 59-Jährigen zu ergreifen, soll der Vater des flüchtigen Autofahrers den Beamten mit dem rechten Zeigefinger fuchtelnd angeschrien haben. Er wurde schließlich unter erheblichem Kraftaufwand zu Boden gebracht und in das Polizeiauto getragen.

Am Mittwoch musste sich der 59-Jährige am Amtsgericht in Haßfurt wegen Beleidigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und fahrlässiger Körperverletzung verantworten. "Das stimmt nicht so", ließ er das Gericht wissen. Er sei "in keinster Weise aggressiv gewesen", gab er zu Protokoll. "Ihr habt doch einen Vogel", habe er gesagt, jedoch nicht gedacht, dass dies eine Beleidigung sei.

Beim Versuch, ihm das Handy wegzunehmen, habe ihm der Polizeibeamte das T-Shirt zerrissen und sei zu Boden gestolpert, schilderte der Angeklagte. Dabei seien dessen Utensilien weggeflogen. Anschließend sei der Beamte "wie mit Schaum vor dem Mund" auf ihn losgegangen und habe ihn gegen einen Planwagen gedrückt. Der zweite Beamte habe ihm das Handy weggenommen, so der Beschuldigte weiter. Zusammen hätten sie ihn dann zum Polizeiauto gebracht. Dabei habe er sich einige Meter weit schleifen lassen, gab der Angeklagte zu.

Sein Verteidiger Willy Marquardt wertete die Polizeiaktion als unverhältnismäßig. Die Beamten seien völlig über das Ziel hinausgeschossen. Sein Mandant habe sich bereits bei beiden schriftlich entschuldigt und leide seit zweieinhalb Jahren wegen der Aktion. Er sei dabei selbst verletzt worden, was er durch ärztliche Atteste belegen könne, sagte der Anwalt.

Die Vorsitzende gab ihm ein Stück weit recht. "Ist es erforderlich, den Besitz von zehn Gramm Marihuana so zu verfolgen?", fragte die Richterin, wenngleich der Konsum von Marihuana tragisch sei und Psychosen auslöse. Übrig bleibe jedoch die Beleidigung der Beamten, sagte sie.

Die Richterin schlug eine Einstellung des Verfahrens vor, der alle Parteien zustimmten. Als Auflage muss der Angeklagte 800 Euro an das Erich-Kästner-Kinderdorf in Iphofen bezahlen und auch die Kosten seines Anwalts tragen. Der Angeklagte hatte zuvor gegen die Beamten Anzeige wegen Körperverletzung im Amt gestellt. Das Verfahren wurde eingestellt.