Das Bild zeigt die drei "Dorfrocker" mit dem nur mit einem Slip bekleideten Model Micaela Schäfer vor dem Altar des Gotteshauses. Es wurde am 10. April auf der Internetseite der BILD sowie am Folgetag in der gedruckten Ausgabe der BILD veröffentlicht.

Nach der Unterzeichnung de Unterlassungserklärung gaben Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand bekannt, dass das Bistum Würzburg aufgrund der Entschuldigung und der Unterzeichnung der Erklärung von einer Einleitung eines Strafverfahrens absehen werde.

Einhellig lehnten mittlerweile der gemeinsame Pfarrgemeinderat der Pfarreiengemeinschaft "Heilig Geist - Rauhenebrach", zu der Fabrikschleichach gehört, sowie die Vertreter der zehn Kirchenstiftungen der Pfarreiengemeinschaft den Vorschlag der Dorfrocker ab, ein Benefizkonzert bei einem Jugendgottesdienst für die Kirchengemeinde zu spielen. Bei ihrer gemeinsamen Sitzung am Mittwochabend fassten sie "aufgrund der emotionalen Lage in der Pfarreiengemeinschaft nach der Aktion der Dorfrocker" diesen Beschluss.

Die Entscheidung teilte Pfarrer Kurt Wolf am Donnerstag dem Bischöflichen Ordinariat Würzburg mit. "Jetzt müssen erst die Wunden heilen", sagte er. Dass er bei einer Begegnung mit den Dorfrockern am 10. April zunächst spontan zugesagt habe, sei daran gelegen, dass er die Reaktion der Bevölkerung noch nicht vorhersehen habe können. Bischof Hofmann begrüßte ausdrücklich die Entscheidung der Pfarreiengemeinschaft gegen eine Benefizveranstaltung in der Kirche. "Es ist eine wichtige Aufgabe des Bischofs, sich schützend vor die religiösen Gefühle der Gläubigen zu stellen."


Religiöse Gefühle verletzt

Das Foto und der Bericht "Nackt-Skandal in Kirche" war am Donnerstag, 10. April, zunächst auf BILD-Online veröffentlicht worden. Noch am späten Nachmittag des 10. April kündigte das Bistum Würzburg gegenüber der Tageszeitung Main-Post, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) und Focus-Online an, rechtliche Schritte angesichts der Aufnahme mit dem Nacktmodel Micaela Schäfer in der katholischen Kirche in Fabrikschleichach zu prüfen. Den Verursachern warf das Bistum vor, mit dem Foto religiöse Gefühle zu verletzen.

"Eine solche Aktion sei eine große Geschmacklosigkeit und geeignet, den Frieden vor Ort massiv zu stören", so zu lesen in einer Presseerklärung des Bischöflichen Ordinariats Würzburg. Dabei würden eindeutig Grenzen überschritten. Eine gleich lautende Stellungnahme gab der Pressesprecher der Diözese Würzburg, Bernhard Schweßinger, am Freitag, 11. April, auch im Hörfunkstudio des Bayerischen Rundfunks in Würzburg sowie gegenüber dem Bayerischen Fernsehen, Sat1 Bayern, RTL und mehreren Agenturen und Zeitungen ab.

Die Fotoaufnahme in Fabrikschleichach entstand zirka zwei Wochen vor der Veröffentlichung in der BILD-Zeitung. Wie das Foto in die Redaktion der BILD gelangt ist, wollte keiner der Beteiligten erklären. In ihrem Bericht behauptet die BILD auch, einige Dorfbewohner hätten ihrem Ärger durch wüste Beschimpfungen Luft gemacht. Markus Thomann von den "Dorfrockern" berichtete laut Bild: "Die nannten uns Ungläubige und Ferkel. Ich sagte zu einem Herrn: Was wollt ihr denn? Wir haben doch den blanken Busen von Micaela bedeckt - mit unseren eigenen Händen!"

Die Kirchengemeinde konnte dies auf spätere Nachfrage nicht bestätigen. "Niemand im Dorf hat mitbekommen, dass dieses Foto in der Kirche aufgenommen wurde. Allein die außerhalb der Kirche im Dorf stattgefundenen Dreharbeiten zum Video waren bekannt", sagte Pfarrer Wolf nach der Sitzung des Pfarrgemeinderats.


Es geht um die Würde des Gotteshauses

In ihrer Erklärung vom 11. April weisen auch die Dorfrocker darauf hin, "dass das Foto in der Kirche spontan und aus der Laune heraus entstanden ist. Des Weiteren befand sich während unseres kurzen Aufenthaltes keine Person in der Kirche, die wir in der Glaubensausübung hätten stören können". Von dieser Aussage distanzierte sich Generalvikar Hillenbrand und entgegnete, es gehe nicht darum, ob jemand in dem Moment in der Kirche gewesen sei oder nicht. "Es geht vielmehr um die eigene Würde des Gotteshauses auch außerhalb einer liturgischen Feier, die es zu respektieren gilt."

Die Dorfrocker haben sich am 11. April auf ihrer Facebook-Seite für das Foto entschuldigt und boten zur Wiedergutmachung ein Benefizkonert an.

Sehr unterschiedlich reagierte Micaela Schäfer auf die Veröffentlichung. Noch am Donnerstagabend, 10. April, kündigte sie das in Fabrikschleichach gedrehte neue Musikvideo der "Dorfrocker" auf ihrer Facebook-Seite an. "Wer den kleinen Skandal mitbekommen hat, dass wir in einer Kirche gedreht haben sollen - wir haben dort nie für das Musikvideo gedreht, es handelte sich lediglich um Just4Fun Photos, die entstanden sind und an die Öffentlichkeit weitergegeben wurden. Cool Down!"

Am Folgetag, 11. April, veröffentlichte Schäfer dann ihre "offizielle Stellungnahme" auf ihrer Facebook-Seite. Darin hieß es: "Ich fühle mich sehr ausgenutzt und hintergangen von demjenigen diese miese Geschichte ausging". Eine Veröffentlichung des Fotos sei nie geplant gewesen.


Unterlassungsverpflichtungserklärung vorgelegt

Die Diözese Würzburg leitete nach den öffentlichen Stellungnahmen ihres Pressesprechers noch am Freitag, 11. April, die Prüfung rechtlicher Schritte ein und beauftragte einen Rechtsanwalt, sie in dieser Angelegenheit zu vertreten. Bereits am Samstagnachmittag, 12. April, legte dieser den Dorfrockern eine Unterlassungsverpflichtungserklärung vor mit der Vorgabe, diese bis 17. April zu unterzeichnen. Ansonsten behalte sich die Diözese weitere juristische Schritte vor.

Von der Polizeidirektion Haßfurt wurde der Diözese Würzburg am Freitagnachmittag, 11. April, mitgeteilt, dass sich bereits Personen gemeldet hätten, die sich durch die Aktion der Dorfrocker in ihren religiösen Gefühlen verletzt fühlten.