Ein Förster holt seinen Weihnachtsbaum aus dem Wald. Das ist so üblich. "Alte Tradition", sagt Ulrich Mergner, Leiter des Forstbetriebs Ebrach, zuständig für den Staatswald im Steigerwald, darunter die Reviere Zell am Ebersberg und Oberschwappach. Mergner wird kurz vor Weihnachten also auf die Suche gehen nach dem perfekten Baum... Der Förster muss lachen. Den perfekten Christbaum gebe es gar nicht, vor allem nicht im Steigerwald, wo Fichten immer weniger werden. Die dominierende Baumart ist die Buche und allein der Lichtverhältnisse wegen (die Buchenkronen schirmen die Sonne ab) habe die Fichte keine guten Karten, sich allzu prächtig zu entwickeln.

Fündig wird Mergner trotzdem immer, so ist es nicht. Er muss halt etwas länger suchen und auf harmonische Symmetrie und dicke, feste Nadeln verzichten, aber das stört ihn eher weniger.
Ein Geschäftsfeld für die Staatsforsten im Weihnachtsbaumverkauf sieht er deshalb nicht. Da müsste er zu viele Kunden enttäuschen, die sich einen verkümmerten Christbaum nicht ins Wohnzimmer stellen wollen.


Kultivierte Schönheit

Bei Franziska Endres, Juniorchefin des Weiki-Hofs in Zell am Ebersberg, stehen die Chancen besser, den perfekten Weihnachtsbaum zu finden. Wobei auch sie sagt, dass es den perfekten Baum nicht gibt. Je nachdem, was man unter perfekt versteht. Ihre Bäume in der Nähe von Zell seien "ein Naturprodukt", das nicht gespritzt wird und sich auch nicht vorschreiben lässt, wie es zu wachsen hat. Dennoch: Die Bäume hier machen gegen die Fichten im Staatsforst optisch viel mehr her. Auf freier Fläche und in kultivierter Form erreichen Blau- und zum Teil auch Rotfichten üppigere Formen. Außerdem wächst hier laut Endres die pflegeintensive Nordmanntanne, die als Christbaum sehr beliebt, allerdings aber auch wesentlich teurer ist.

Manche Kunden kommen laut Endres bereits im August zum Weiki-Hof und suchen sich ihren Christbaum aus. Der wird dann markiert und kurz vor Weihnachten geschlagen (am dritten und vierten Adventssamstag ist jeweils Schlagtag). In der Weiki-Hof-Kultur wachsen die Bäume in der Regel um die zehn Jahre, bevor sie als Christbaum ins Wohnzimmer kommen, erklärt die Chefin. Auswahl gebe es genug, aber wenn Kunden die bereits mit Zetteln markierten Bäume sehen, denken sie oft, der schönste sei schon weg. Endres versichert dagegen, das sei wohl eher dem psychologischen Effekt der Zettelchen geschuldet, denn "man findet immer einen Baum".


Revier Ebern: Buche geht klar

Zurück in den Wald: Auch Christoph Fellermeyer, Leiter der bayerischen Staatsforsten Bad Königshofen und bis 1992 Chef des ehemaligen Forstamts Ebern (heute wird der Staatswald bei Ebern als Revier von Bad Königshofen aus bewirtschaftet), kennt die Problematik mit den nicht ganz so schönen Christbäumen aus dem Wald. "Wir sind in der Situation, dass wir problemlos Buchen als Weihnachtsbäume liefern können", sagt er und lacht. Denn auch im Revier Ebern gilt, dass dort Fichten kaum eine Chance auf freie Entfaltung haben, weil andere Baumarten dominieren. Ob denn manchmal jemand auf die Staatsforsten zukomme, weil er sich gerne einen Weihnachtsbaum aus dem Revier holen möchte? Fellermeyer verneint. "Die Leute wollen nicht die Kümmerfichten, die wir anbieten können." Es gebe keine Fichtenreinbestände mehr. Und die Fichten, die da sind, sind "nicht dicht benadelt" und "nicht eng beastet".

Fellermeyer durchstreift kurz vor Weihnachten deshalb auch schon mal längere Zeit die Wälder, denn auch er schlägt seinen Christbaum traditionell im Forst. Und gibt sich gerne mit einem nicht perfekten Baum zufrieden. Die Familie halte das schon aus, sagt er und lacht.