Der FT hat in seiner Montagsausgabe bereits berichtet, nun klären das Rotes Kreuz und Polizei über einen Vorfall auf, der am Sonntagnachmittag für Aufsehen gesorgt hat: Ein Notarzteinsatz mit einem Rettungshubschrauber an der Asylbewerber-Sammelunterkunft in der Kaserne, keine 150 Meter von den BRK-Rettungswache entfernt. Ein Vorfall, der in sozialen Medien für Diskussionen sorgt.

"Bei diesem Einsatz handelte es sich, nach unserem Meldebild, um einen Notarzteinsatz, zu dem ein Rettungswagen und ein Notarzt benötigt wurden. Da sich der Rettungswagen und der Notarzt zu diesem Zeitpunkt aber bereits bei einem anderen Einsatz befanden, wurde als Notarztzubringer der Rettungshubschrauber ausgewählt", klärt Klaus Wörner von der Rettungsleitstelle in Schweinfurt (ILS) dazu auf.


"Nichts Erwähnenswertes"

Eberns Polizeichef Jürgen Watzlawek ergänzt: ". Der Einsatz in der Asylbewerberunterkunft erfolgte wegen einer einfachen Körperverletzung ohne schwerwiegende Folgen. Die Koordinierung der Rettungsmittel unterliegt der Integrierten Rettungsleitstelle und wir haben als Polizei keinen Einfluss darauf." Nach Informationen vor Ort und aus dem Polizeipräsidium in Würzburg, war der Vorfall "nichts Erwähnenswertes, körperliche Auseinandersetzung im familiären Bereich". Es soll an Haaren gezerrt worden sein und "einer hat einen Dappen ins Gesicht bekommen".

Der Einsatz eines Rettungshubschraubers hat, wie BRK-Pressereferent Michael Will mitteilt, rein gar nichts mit einem spektakulären oder dramatischen Einsatz zu tun. "Er dient in erster Linie dazu, bei Bedarf einen Notarzt schnellstmöglich an die Einsatzstelle zu bringen, genauso wie das ansonsten bodengebunden mit einem Notarzteinsatzfahrzeuggeschieht", betont Will.


Schneller durch die Luft

Die für die Alarmierung zuständige Integrierte Leitstelle Schweinfurt entsende immer dann einen Rettungshubschrauber, wenn ein bodengebundener Notarzt aufgrund eines bereits laufenden anderen Einsatzes nicht zur Verfügung stehe und ein Rettungshubschrauber schneller vor Ort sei, als ein bodengebundener Notarzt eines anderen Standortes. "Insofern ein völlig normaler Vorgang."
Über den Einsatz eines Notarztes entscheidet die Leitstelle nach Wills Worten anhand des bei einem Notruf geschilderten Meldebildes.

Tatsächliche Begebenheiten könnten demnach im Nachhinein von einem ersten Meldebild abweichen, zumal Anrufer bei einem Notruf mitunter sehr aufgeregt seien und eine Situation gegebenenfalls sehr subjektiv einschätzten. Dies lasse sich verständlicherweise aber erst beim Eintreffen des Rettungsdienstes an Ort und Stelle verifizieren.


Melder sprach von Randale

Ein weiterer Grund, der für den Einsatz eines Hubschraubers spreche, sei der schnelle Transport eines Patienten in eine weiter entfernte Spezialklinik. Hier könne der Hubschrauber seinen Zeitvorteil gegenüber einem Rettungswagen aus plausiblen Gründen perfekt ausspielen. Immer entscheidend dabei: das Wohl des erkrankten oder verletzten Patienten. Zudem ermögliche der Hubschrauber beispielsweise schonendere und erschütterungsfreie Transporte in eine Klinik.
Im vorliegenden Fall ging bei der Integrierten Leitstelle Schweinfurt am frühen Nachmittag ein Notruf ein. Darin hieß es, dass in der Asylunterkunft randaliert werde und auch Kinder betroffen seien, wie Klaus Wörner, stellvertretender Leiter der Integrierten Leitstelle Schweinfurt, auf Anfrage mitteilte.
Da während des Notrufs nicht sicher geklärt werden konnte, ob und wie viele Personen verletzt sind, wurden ein Rettungswagen und ein Notarzt entsandt.


Anderweitig gebunden

Da der Rettungswagen und Notarzt der nur rund wenige Meter entfernten BRK-Rettungswache Ebern nach Wörners Worten zur gleichen Zeit bereits bei einem anderen Einsatz in Breitengüßbach gebunden und nicht abkömmlich waren, wurde von der Leitstelle ein Rettungswagen der benachbarten BRK-Rettungswache Haßfurt entsandt.
"Bei einem Notarzteinsatz greift in Bayern das so genannte Rendezvous-Modell", erklärt BRK-Sprecher Will. Das heißt, es werden zu einem Notarzteinsatz ein Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug beziehungsweise ein Rettungshubschrauber parallel alarmiert.
"So wird gewährleistet, dass innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfrist ein Rettungswagen an der Notfallstelle eintrifft und der nächste, erreichbare Notarzt hinzukommt. Ist ein Patient an Ort und Stelle notärztlich versorgt und ist die Begleitung durch den Notarzt im Rettungswagen in eine Klinik danach nicht erforderlich, ist der Notarzt für die Integrierte Leitstelle wieder einsetzbar und kann bei Bedarf sofort einen neuen Einsatz übernehmen. Das garantiert höchste Flexibilität im Rettungsdienst und kommt damit potenziellen Notfallpatienten zugute."
Erstaunt sei man beim BRK-Kreisverband Haßberge, der im Landkreis den Rettungsdienst betreibt, darüber, mit welch unsachlichen Beiträgen vor allem in Sozialen Medien im speziellen der Einsatz am Sonntag mit Entsendung eines Rettungshubschraubers diskutiert werde.
"Viele dieser Aussagen sind geprägt von Unwissen, Spekulationen und - erschreckenderweise - vereinzelt sogar der Aufforderung von Gewaltanwendung gegenüber ausländischen Mitbürgern." Der Einsatz des Rettungsdienstes und eines Notarztes habe immer einen triftigen Grund, versichert der BRK-Sprecher.


Die BRK-Besetzung

Der BRK-Kreisverband betreibt im Landkreis Haßberge vier Rettungswachen in Haßfurt, Hofheim, Ebern und Eltmann. Dort stehen rund um die Uhr insgesamt vier Rettungswagen sowie wochentags zusätzlich drei Krankentransportwagen zur Verfügung. Haßfurt, Ebern und Hofheim sind außerdem Notarztstandorte. red