Dass sich die Corona-Krise negativ auf den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungszahlen auswirkt, war abzusehen. Doch trifft das Krisenjahr die Region hart oder kommt der Landkreis Haßberge mit einem blauen Auge davon? Antworten liefert jüngst die Agentur für Arbeit Schweinfurt in ihrem Jahresbericht.

1653 Bürger aus dem Landkreis Haßberge waren im Jahresdurchschnitt 2020 arbeitslos gemeldet. Das ist ein Zuwachs um 25 Prozent (es wurden somit 331 Personen mehr im Vergleich zum Vorjahr gezählt). Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag mit 3,3 Prozent aber weiterhin auf einem niedrigen Wert. "Mit 3,3 Prozent liegt der Landkreis Haßberge unter dem unterfränkischen Durchschnitt und deutlich unter dem bayerischen - vom deutschen ganz zu schweigen", sagt Thomas Stelzer, Leiter der Agentur für Arbeit in Schweinfurt.

Zum Vergleich: Die Arbeitslosenquoten für die Region Main-Rhön und für den gesamten Freistaat betragen gleichermaßen 3,6 Prozent, in Unterfranken beträgt die Quote 3,4 Prozent. Deutschlandweit beträgt die Arbeitslosenquote sogar 5,9 Prozent.

Kurzarbeit sorgt in Ebern für Sicherheit

Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren die Kunden von der Arbeitsagentur und der Jobcenter unterschiedlich betroffen. In der Agentur für Arbeit Haßfurt (im Bereich der Arbeitslosenversicherung) waren es 1141 Menschen und damit eine Zunahme von 264 Personen (30 Prozent). Die Zahl der arbeitslosen Menschen im Jobcenter Kreis Haßberge (umgangssprachlich Hartz IV) mit 512 Personen entsprach einem Zugang von 67 Personen (15,1 Prozent).

"Beim Landkreis Haßberge ist es auch so, dass es eine große Pendlerbewegung gibt, da spielen also auch die Arbeitsmärkte in Schweinfurt und Bamberg, zum kleinen Teil auch Coburg, eine wichtige Rolle", erklärt Stelzer. In Schweinfurt sei es ähnlich wie in Bamberg: Viele große Unternehmen gehen laut dem Leiter aus der Kurzarbeit raus, was sich wiederum positiv auf dem Arbeitsmarkt im Landkreis Haßberge auswirkt.

Starker Einbruch im Frühjahr 2020

Der Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön war infolge der Corona-Pandemie im Frühjahr stark eingebrochen. Warum die Quote trotzdem relativ stabil geblieben ist, liegt laut der Arbeitsagentur an der verstärkten Einführung von Kurzarbeitsregelungen. Der bisherige Höhepunkt wurde im April und Mai erreicht. Nach einer kurzen Phase der Stabilisierung kam im Schlussquartal der Arbeitsmarkt angesichts der zweiten Infektionswelle erneut unter Druck.

Ein Einbruch wie im Frühjahr zeichnete sich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht ab. Vor allem in Teilen der Industrie zeigt sich aktuell eine positive Entwicklung der Auftragslage. "Der Unterschied vom ersten zum zweiten Lockdown ist der, dass die Lieferketten nicht mehr unterbrochen sind, das heißt, die Produktion bleibt aufrecht", erklärt Stelzer. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung war erstmalig seit 11 Jahren rückläufig. Die Zahl der Arbeitslosen stieg leicht an und die Kurzarbeit bewegte sich auf einem historischen Hoch.

Kurzarbeit rettet rund 10 000 Jobs

Seit Jahresbeginn 2020 wurde von insgesamt 4143 Betrieben für 55 850 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt. Der Höchststand der Anzahl der Betriebe bei der realisierten Kurzarbeit lag im Monat April bei 3254 und die Höchstzahl der betroffenen Arbeitnehmer im Monat Mai bei 38 013. Dies bedeutet, dass 29,7 Prozent der Betriebe und 21,6 Prozent der sozialversicherten Beschäftigten auch in Kurzarbeit gehen mussten.

Im Frühjahr lag der durchschnittliche Arbeitsausfall rein rechnerisch für jeden

kurzarbeitenden Mitarbeiter bei rund einem Drittel. Damit wurde beim Höchststand der Kurzarbeit, bei mathematischer Betrachtung, die Arbeitslosigkeit für fast 10 000 Beschäftigte verhindert. Aufgrund des erneuten Lockdowns ist davon auszugehen, dass sich im Dezember 2020 wieder ein knappes Fünftel aller Beschäftigten in Kurzarbeit befand.

"Auffällig war, dass nach Betriebsgröße die Kleinstbetriebe (bis 19 Beschäftigte) mit rund 80 Prozent am stärksten von Kurzarbeit betroffen waren. Damit hilft das Instrument Kurzarbeit während der Corona-Pandemie insbesondere dem Mittelstand, den Auftragsmangel zu überbrücken. Erwartet wird, dass dieser vorübergehend ist und mittelfristig in Vollbeschäftigung der Mitarbeiter zurückgekehrt werden kann", bewertet Stelzer die aktuelle Lage.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm erstmalig seit 11 Jahren ab. Es wurde in 2020 ein Stand von 176 110 (177 795 in 2019) sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verzeichnet, was einer Abnahme von 1685 Personen (minus 1 Prozent) entspricht. "Dies lag nicht an der Zahl der Entlassungen, sondern eher am Verzicht der Unternehmen neues Personal einzustellen", so Stelzer.

Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Beschäftigungsrückgang von 2120 Personen (3,6 Prozent). Im Gegenzug gab es Beschäftigungszuwächse im Gesundheits- und Sozialwesen mit 607 Personen (2 Prozent), gefolgt vom Bereich der öffentlichen Verwaltung mit 210 Personen (2,5 Prozent) sowie dem Baugewerbe mit einem Plus von 177 Personen (1 Prozent).

Positive Betrachtung

"Weiterhin hängt die Entwicklung am Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön stark von den Unwägbarkeiten der Entwicklung der Pandemie und der sich daraus ergebenden Einschränkungen ab. Die einzelnen Branchen jedoch nehmen sehr unterschiedliche Entwicklungen", so Stelzer.

Natürlich gebe es auch die negativen Seiten, zum Beispiel werden kleine Selbstständige, die keine Insolvenz anmelden, sondern direkt schließen, nicht erfasst. Generell sei unter anderem auch der Hotel- und Gastronomiebranche hart von der Corona-Krise getroffen.

"Man hat aber noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren, wenn behördliche Anordnungen aufgehoben werden. Dann können Geschäfte wieder geöffnet werden." Schlimm wäre es, wenn es diese nach dem Lockdown nicht mehr geben würde. In solchen instabilen Zeiten gebe gerade der "Draufblick" auf die reine Faktenlage Stabilität und einen Grund zum Optimismus: "Positiv ist, dass es bisher gelang, die meisten Beschäftigungen und die leistungsfähigen Strukturen vieler Unternehmen zu erhalten", erläutert Stelzer.