Wer war zuerst da, "Waldi" oder das Wohngebiet? Ganz klar die Schuhfabrik: Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1945 im Nordosten Haßfurts das Firmenareal quasi auf der grünen Wiese. Nach und nach wuchs das Wohngebiet rund um das Unternehmen, bis es dort für die ebenfalls wachsende Firma (bekannteste Marke: "FinnComfort") zu eng wurde. Im Jahr 2012 verließ sie die Innenstadt vollends und verlagerte die gesamte Produktion auf die zweite Betriebsfläche an der Ostumgehung Haßfurts.

Von einem "Filetstück" sprachen damals die Verantwortlichen der Stadt Haßfurt, nachdem sie das alte, insgesamt 16 000 Quadratmeter große Firmenareal gekauft hatten: Zentral gelegen, kurze Wege zu Supermärkten und Geschäften, ein Krankenhaus und Arztpraxen in der Nähe. In der Folgezeit wurden "Zug um Zug" die Objekte verkauft oder neuen Nutzungen zugeführt, wie die Stadt in einer Pressemitteilung erklärt.
Sie hatte zum Pressetermin vor Ort eingeladen, weil letzte Woche auch "der letzte verbliebene Bestandteil" des Areals veräußert wurde.


Produktionshallen abreißen

Der Investor Jürgen Bühler will die früheren Produktionsflächen der Schuhfabrik umgestalten. Die Gebäude auf einer Fläche von rund 8800 Quadratmetern werden also in den kommenden Wochen abgerissen. Bühlers Unternehmen "Concept Living" plant den Neubau von Miet- und Eigentumswohnungen, auch eine Tiefgarage soll entstehen. Bereits Ende 2017 könnten die ersten neuen Bewohner einziehen.

Entstehen soll laut Stadtverwaltung ein Mix aus unterschiedlichen Gebäudetypen wie zum Beispiel Doppelhäuser, Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser. "Der erforderliche Bebauungsplan soll noch im Herbst auf den Weg gebracht werden", teilt die Stadt mit. Das noch in Arbeit befindliche Gesamtkonzept der "Umwandlung von einer Industriebrache in einen modernen Wohnpark" will Haßfurt "in den nächsten Wochen" vorstellen.

Wie Bürgermeister Günther Werner (Freie Wählergemeinschaft) erklärte, ist Haßfurt eine nachgefragte Stadt in Hinblick auf Bauplätze und Ansiedlungsmöglichkeiten. Im Neubaugebiet Osterfeld etwa habe man 94 Bauplätze neu geschaffen, von denen 90 bereits verkauft und die verbliebenen vier reserviert sind. Neubaugebiete auch in Stadtteilen soll es nach Möglichkeit ebenso weitere geben, sofern sich keine Probleme etwa mit dem Anschluss an den Kanal auftun.