Der Leser möge diesen Kalauer entschuldigen, aber wer eine spannende Geschichte sucht, ist hier genau richtig. In Eltmann wird gerade umgerüstet von 220 auf 380 Kilovolt (kV). Das ist im Regelfall Höchstspannung im europäischen Stromnetz.

In der Nähe des Umspannwerkes Eltmann werden drei kleinere Strommasten entfernt, zwei neue große kommen hin. Am Donnerstagvormittag kraxelte deswegen ein Team von Freileitungsmonteuren in rund 40 Metern Höhe herum, um die einzelnen Bauteile der neuen Strommasten zusammenzubasteln. Markus Lieberknecht, Pressesprecher des Stromnetzbetreibers Tennet, schaut nach oben und erklärt, dass die Masten am Ende 54 Meter hoch sein werden und er froh ist, dass es nicht seine Aufgabe ist, die mächtigen Stahlgerüste aufzurichten. Er ist nicht schwindelfrei. Wie die Arbeiten funktionieren, weiß er trotzdem: Aufgebaut sind die einzelnen Teile der Freileitungsmasten wie bei einem Baukastensystem.
Die müssen lediglich in Position gebracht, ineinander eingefügt und festgemacht werden. "Das ist wie Lego für Erwachsene", sagt Lieberknecht.

Balancieren auf dem Strommast

Was simpel klingt, ist doch komplizierter und nicht ungefährlich: Die großen Teile, die in luftiger Höhe schwanken, die dünnen Streben, auf denen die Monteure (freilich gesichert) balancieren... klar ist das kein Job für jedermann. Da brauche es ohnehin eine Spezialausbildung, erklärt Lieberknecht. Und die haben die Arbeiter der Firma SAG, die Tennet mit der Montage beauftragt hat: "Die arbeiten da auch bei Wind und Wetter", sagt Lieberknecht und nickt anerkennend.

In den kommenden Wochen wird Tennet zwei solcher 380-kV-Masten errichten und an das Stomnetz anschließen. Im Eltmanner Umspannwerk wurde dafür ein neuer Transformator aufgebaut, der 380 Kilovolt in 110 Kilovolt umwandelt. Das ist die Spannung, mit der der Strom dann über kleinere Leitungen in der Region verteilt wird, erklärt Michael Sitter. Der Elektrotechniker ist für die Planung und Umsetzung des Projekts verantwortlich. Auch umgekehrt ist der Prozess möglich: Wird zum Beispiel in der Region mehr Solarstrom erzeugt, als benötigt, kann er hier hochtransformiert werden und über die Höchstspannungsleitungen in andere Teile Deutschlands transportiert werden.

Über die Autobahn

In Eltmann muss die neue Leitung die Autobahn überqueren. Muss dafür der Verkehr gestoppt werden? Ja, sagt Pressesprecher Lieberknecht. Allerdings nur für wenige Minuten, nämlich wenn die Seile hochgezogen werden. Ansonsten wird ein Schutzgerüst links und rechts der Autobahn aufgebaut, auf dem die Seile während der restlichen Arbeiten aufliegen, so dass keine tagelange Vollsperrung der Schnellstraße nötig ist. "Die ganze Maßnahme mit Seilzug wird sich bis Mitte Mai hinziehen", sagt Elektrotechniker Sitter.

Die Arbeiten bei Eltmann sind nur ein kleiner Teil des Netzausbaus, den Tennet vorantreibt. Ganz billig ist das nicht: 1,4 Millionen Euro pro Leitungsbau-Kilometer fallen laut Lieberknecht an. In Eltmann für nur 800 Meter sogar noch ein bisschen mehr, weil am Umspannwerk vor dem Transformator ein stabilerer Mast benötigt wird, der dort den einseitigen beziehungsweise ungleichmäßigen Zug der stromführenden Seile ausgleicht. Außerdem schlägt die Autobahnquerung zu Buche. Tennet rechnet mit insgesamt rund zwei Millionen Euro für die Arbeiten in Eltmann.

Erhöhter Strom-Transportbedarf

Tennet wappnet das Stromnetz nach eigenen Aussagen mit diesem Ausbau unter anderem für die Energiewende. Damit reagiere man auf den erhöhten Transportbedarf von Strom, der wegen seiner ungleichmäßigen Produktion aus regenerativen Energiequellen noch weiter zunehmen werde. Seit einiger Zeit entstünden beim Stromtransport zwischen Thüringen und Bayern immer wieder Engpässe, die Verbindung ist laut Tennet "das Nadelöhr zwischen dem Norden und dem Süden". Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sei der Ausbau dringend nötig.